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Radtour für die Energiewende

Radfahrende sammeln Energie-Forderungen

Metelen

Mit dem Rad und dem „Goldenen Buch der Energiewende“ durchs Münsterland: Über 50 Menschen treten in die Pedale, um die Energiewende buchstäblich zu „erfahren“ und sammeln auf dem Weg von Münster bis nach Düsseldorf Forderungen und Wünsche für die Landespolitik.

Von Wiebke Lenz

Über 50 Menschen radeln für die Energiewende von Münster bis Düsseldorf. Mit im Gepäck: eisiges Wetter und das „goldene Buch der Energiewende“. Foto: Wiebke Lenz

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt treffen nach und nach in wind- und regendichte Jacken eingepackte Radfahrende auf dem Hof von Heiner Konert in Metelen bei Gronau ein. Einige Kilometer haben sie an diesem Morgen schon hinter sich, die Freude über heißen Kaffee und Frühstücksbrötchen ist dementsprechend groß.

„Wir sind mehr als 50 Leute, die dieses Jahr als Kernteam mitfahren, das freut uns wirklich riesig“, sagt Christian Mildenberger, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE) NRW. Bereits zum zweiten Mal hat der Verband in Kooperation mit Partnern eine Fahrradtour durch Deutschland organisiert, um die Energiewende buchstäblich zu erfahren. „Wir wollen zeigen, dass die Erneuerbaren die Energieversorgung der Zukunft sind“, so Mildenberger.

Forderungen und Wünsche für die Zukunft

Von Münster bis Düsseldorf besucht die Gruppe verschiedene Betriebe aus dem Energiesektor, wie den von Konert: „Vor 30 Jahren haben wir auf dem Hof die erste Windenergieanlage in Betrieb genommen“, erklärt der Landwirt. „Heute werden hier regenerativ über 7.000 Megawattstunden Strom erzeugt. Das ist mehr als die Bevölkerung in Metelen verbraucht.“

Christian Mildenberger

Zudem werden auf der Fahrradreise Forderungen und Wünsche für die kommende Landtagswahl gesammelt, die im „goldenen Buch der Energiewende“ den energiepolitischen Sprechern in Düsseldorf übergeben werden. „Wir wollen, dass die Politik für erneuerbare Energien die Rahmenbedingungen stellt, damit wir unsere Energieversorgung zukünftig selbst in die Hand nehmen können“, sagt Mildenberger.

Erneuerbare Energien als Chance auf Unabhängigkeit

Auch der Bürgermeister von Metelen, Gregor Krabbe, trägt sich an diesem Tag in das goldene Buch ein: „Klimaschutz sollte zur Pflichtaufgabe der Kommunen werden – mit entsprechender Finanzierung“, sagt Krabbe. Es sei zudem wichtig, die lokale Bevölkerung mit einzubinden und den ländlichen Raum nicht zu vergessen. „Dieser produziert den erneuerbaren Strom für die Städte“, so Krabbe. „Wir sollten dem ländlichen Raum dafür etwas zurückgeben, beispielsweise einen besseren ÖPNV.“

Als die Radfahrenden nach zwei Stunden wieder aufbrechen, ist die Stimmung trotz eisigem Wind und wolkenverhangenem Himmel sehr gut. „Wir haben jahrelang dafür gearbeitet, die Köpfe und Herzen für die Erneuerbaren zu öffnen und merken jetzt, dass es Früchte trägt“, sagt Mildenberger.

„Dass etwas wie ein Krieg passieren musste, ist dramatisch und traurig. Aber wir müssen den Schwung jetzt mitnehmen.“ Auch Konert bemerkt eine Veränderung in der Gesellschaft: „Früher waren erneuerbare Energien etwas Alternatives und wurden häufig belächelt“, sagt der Energie-Landwirt. „Heute sind wir die Akteure und Akteurinnen, die es richtig gemacht haben, die Pioniere waren. Erneuerbare Energien sind Friedensenergien, die uns unabhängig machen.“

Mehr Tempo und mehr Fläche für den Ausbau

Der Krieg in Europa und dessen Bedeutung für den Energiesektor beschäftigt auch die Landesverbände anderer Bundesländer: „Durch den russischen Angriff auf die Ukraine wurde deutlich, dass wir eine Energiewende und einen Wechsel zu unabhängigen Energieformen brauchen“, betont Bärbel Heidebroek, Vorsitzende des LEE Niedersachsen/Bremen. „Wir benötigen mehr Tempo beim Ausbau und mehr Flächen für erneuerbare Energieformen.“

Wer sich nicht auf das Fahrrad schwingen möchte, um sich über die Energiewende und deren regionale Umsetzung zu informieren, kann am 20. April 2022 bei einer Veranstaltung des LEE Niedersachsen/Bremen gemeinsam mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Osnabrück oder per Livestream dabei sein.

Mehr Informationen gibt es hier: https://www.dbu.de/550artikel39320_2440.html

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