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Katastrophenschutz 

Rettungsdienst kann sich ins Radioprogramm einklinken

Rheine

Im Katastrophenfall ist die schnelle Warnung der Bevölkerung wichtig. Dazu können die Rettungskräfte im Kreis Steinfurt das Radioprogramm unterbrechen und eine Ansage absetzen. Innenminister Herbert Reul hat das am Donnerstag getestet – mit einer überraschenden Ansage an die Hörer.

Von Michael Hagel

Die Mitarbeiter der Kreisleitstelle in Rheine (oben links) können sich im Katastrophenfall ins Radioprogramm einklinken. NRW-Innenminister Herbert Reul testete das am Donnerstag. Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal (unten) wurde die unzureichende Alarmierung der Bevölkerung zuletzt heftig kritisiert. Foto: Sven Rapreger, Michael Hagel, dpa

„Guten Tach, liebe Bürgerinnen und Bürger im Kreis Steinfurt!“ Sogar mundartlich hatte sich Innenminister Herbert Reul (CDU) – er stammt aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis – auf seine münsterländische Umgebung eingestellt, als er am Donnerstagvormittag in der Leitstelle für Rettungsdienste und Feuerwehr des Kreises Steinfurt in Rheine zu einer kleinen Ansprache ansetzte.

Der NRW-Innenminister war aus Düsseldorf angereist, um sich aus der Leitstelle heraus per Live-Schalte ins laufende Programm des Lokalradios RST einzuklinken. Vor dem Hintergrund der Flutkatastrophe im Juli und der, so zumindest die Kritik, problematisch verlaufenen Alarmierung der Bevölkerung ein Test, der auch im Münsterland durchaus Sinn ergibt.

Einführung nach der Schneekatastrophe 2005

Seit gut 15 Jahren kann sich die Leitstelle in Rheine in das laufende Programm des lokalen Senders RST schalten, wenn die Bevölkerung bei Gefahr informiert und vor allem gewarnt werden soll. „Wir haben das seinerzeit nach der Schneekatastrophe 2005 eingeführt“, erklärte Steinfurts Landrat Martin Sommer.

Der Radiosender mit Sitz in Rheine sei damals sogar mit einem Notstromaggregat ausgestattet worden, denn, so Sommer, er könnte „im Notfall ein lebenswichtiges Kommunikationsmittel“ sein. Nicht das einzige, aber eben doch ein für breite Bevölkerungsschichten relevantes. „Natürlich funktioniert das nur, wenn die Leute auch das Radio einschalten“, sagte der Landrat. Das wolle man unter anderem mit der Wiedereinführung des Sirenenalarms erreichen, „für den wir im Übrigen in diesen digitalen Zeiten auch Spott geerntet haben.“

Alles zusammen, natürlich auch die Internet-Kanäle und künftig das sogenannte „Cell-Broadcasting“, soll dafür sorgen, dass die Menschen im Falle einer wie auch immer gearteten Katastrophe schnell und effektiv erreicht werden können. Bezahlt hat dieses System nicht nur der Kreis, auch das Land hat mitfinanziert.

Reul: „Die Idee ist der Hammer"

NRW-Innenminister Reul fand das, was er in Rheine erlebte, großartig: „Die Idee an sich ist der Hammer, ich bin echt begeistert“. Gerne mache er deshalb einen konkreten Praxistest. Er hoffe nur, dass nach seinen Worten „Hier spricht Ihr Innenminister“ nicht alle „am Radio erstarren und die Arbeit niederlegen.“

Reul und Sommer fanden es wichtig, über das Medium Radio den Menschen klare Ansagen und Handlungsanweisungen im Katastrophenfall geben zu können. Wäre das etwa im Ahrtal rechtzeitig vor den anrauschenden Wassermassen erfolgt, hätten womöglich etliche Opfer vermieden werden können.

Der Landrat kündigte ein überarbeitetes Infoblatt an, auf dem die Sirenensignale und die Radioalarmierung noch mal erklärt werden. Diese Infobroschüre wird – damit sie auch wirklich zur Kenntnis genommen wird – gemeinsam mit den Gebührenbescheiden verschickt. Sommer: „Die Menschen müssen das Thema Katastrophe verinnerlichen.“

Zuletzt bei Großbrand genutzt

Selbstverständlich, das betonten sowohl Reul als auch Sommer, werde die Radioalarmierung nicht inflationär genutzt, sondern nur in extremen Gefahrensituationen. Zuletzt im Kreis Steinfurt übrigens bei einem Großbrand in einer Chemiefirma in Ibbenbüren 2019.

Am Ende seiner kleinen Ansprache an die RST-Hörer betonte Innenminister Reul nochmals, dass dies alles nur ein Test gewesen sei; also nicht wie Orson Welles’ „Krieg der Welten“ 1938, als eine gefakte Radiosendung eine veritable Massenpanik hervorrief. Niemand brauche beunruhigt zu sein, so Reul. Das war dann auch Landrat Sommer aus ganz anderen Beweggründen nicht mehr: „Ich bin ganz erleichtert, muss ich sagen, weil ich schon etwas Sorge wegen des Vorführeffekts hatte . . .“

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