Mangelwirtschaft

Baustoffe werden knapper - aktuelle Probleme am Beispiel eines Unternehmens in Rheine

Rheine

Sand – den gibt’s ja sprichwörtlich wie Sand am Meer. Denkste! Sand scheint knapp zu werden. Mangelware. Weltweit.

Peter Henrichmann

Der Rheiner Unternehmer Franz Mollendyk fürchtet Engpässe bei Baumaterialien. Foto: Peter Henrichmann

Auch in Deutschland warnen unteranderem der Unternehmerverband Mineralische Baustoffe oder der Verband der Bau- und Rohstoffindustrie schon länger vor Engpässen bei der Versorgung. Bauen könnte noch viel teurer werden. Weil Sand knapp wird.

Über Sand – und alles, was man sonst noch so zum Bauen braucht – kann man prima sprechen mit Franz Mollendyk. Der 63-jährige Unternehmer aus Rheine kennt sich bestens aus. In vierter Generation beschäftigt sich Mollendyk, studierter Diplom-Volkswirt und bodenständiger Baustoffhändler, auch mit Sand.

„Ja, man hört in der Branche läuten, dass es schwieriger wird“, sagt Mollendyk. Grubensand, gewaschenen und gesiebten Bausand in allen Körnungen zum Verfüllen, zum Putzen und Mauern, für Estrich und Beton, all das liefert der Baustoffhändler an seine rund 8000 Kunden in der Region bis zu 50 Kilometer rund um Rheine. „Aktuell ist das für uns kein Problem. Sand ist im Münsterland nicht knapp. Wir haben keine Liefer- oder Einkaufsprobleme“, sagt Mollendyk. Weist aber im Nachsatz darauf hin, dass in den Abbaugebieten am Niederrhein, an der Weser, im Sauer- und Emsland oder hier vor der Haustür in Neuenkirchen-Haddorf nicht Knappheit das Problem ist, sondern die behördlichen Auflagen für weitere Abgrabungen. „Erweiterung fünf Jahre, Neu-Abgrabung zehn Jahre“, erklärt Mollendyk, was langfristig beim Rohstoff Sand zum Problem werden könnte. Übrigens: Der normale Bauherr braucht fürs Einfamilienhaus kaum noch Sand zum Mauern. „Beim Hausbau wird heutzutage ganz viel geklebt“, sagt Mollendyk.

Andauernder Bauboom

Beim offenkundig regional nicht so problematischen Thema „Sand“ möchte Mollendyk es im Gespräch nicht belassen. Er kennt wichtigere Themen aus der Branche. Durchaus dramatische: Es herrscht Mangelwirtschaft. 2020, das erste Corona-Jahr, war wohl der Höhepunkt des schon ewig andauernden Baubooms. Und 2020 war das bislang Umsatz stärkste in der 126 Jahre währenden Firmengeschichte des Baustoffhändlers Mollendyk.

Vom traditionell mitten in der Stadt Rheine, im Schatten der Basilika, gelegenen Firmengelände und einigen angegliederten Standorten mit insgesamt 10.000 Quadratmeter Fläche aus versorgt Mollendyk mit über 30 oft langjährig beschäftigten Mitarbeitern seine Kunden. Baustoffhandel, 50 Silo-Stationen mit Fertigmischungen und eine umfangreiche Maschinenvermietung sind die Säulen des Betriebes. Der Umsatz liegt knapp im zweistelligen Millionenbereich. 90 Prozent aller Kunden sind private Bauherren, 85 Prozent des Umsatzes aber machen die zehn Prozent Gewerbekunden.

Ungewisse Geschäftsentwicklung

Auch wenn die aktuelle Geschäftslage urwestfälisch-bescheiden mit „solide“ umschrieben wird, kleine Sorgenfalten werden sichtbar, wenn Unternehmer Mollendyk in die Glaskugel schaut und die Zukunft voraussagt: „2020 war ein sehr gutes Jahr, aber für 2021 stehen doch Fragezeichen hinter der Geschäftsentwicklung.“ Was ihn umtreibt, ist die allgemeine Materialknappheit in allen Bereichen. Und es sind die sehr stark steigenden Preise. Beispiele: Zement muss Mollendyk bei seinen Lieferanten mit Vorlauf von vier Wochen bestellen.

Verblender haben acht bis zwölf Wochen Lieferzeit, für Dämmstoffe aller Art gibt es feste Kontingente fürs laufende Jahr – und mehr gibt’s nicht! Formteile für die bekannten orangenen Abwasserrohre haben Lieferzeiten von vier Monaten, viel Arten von Bauholz sind für 2021 komplett ausverkauft oder nur noch zu enormen Preisen zu haben. „Material ist sehr knapp, die Preise steigen durchschnittlich um 15 bis 20 Prozent pro Jahr“, sagt Mollendyk. Und schiebt mit einem bedauernden Schulterzucken hinterher: „Aufträge sind genug da. Aber wir können sie teilweise nicht bedienen…“

So ist es „eine sehr spannende Frage, wie es in Zukunft weitergeht. Ich denke, das ist eine ausgesprochen gefährliche Situation für den Baustoffhandel und die Baubranche“, sagt Franz Mollendyk. Und hofft wohl, dass es nicht irgendwann in näherer Zukunft zum abrupten Ende des Baumbooms kommt. Weil es zwar vielleicht noch genug Sand im Münsterland gibt, aber ansonsten kein Material für die Handwerker auf dem Bau…

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