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Willkommen auf dem Fußballplatz

40 Flüchtlinge spielen kleines Turnier / Vom Thekenplausch zur Thekenmannschaft

Saerbeck

Knapp 40 Flüchtlinge trafen sich am Samstagmittag auf Platz 3 des Saerbecker Sportgeländes. In vier Teams und Partien von 20 Minuten Länge zeigten die Männer, welche Tricks sie auf Lager haben. Organisiert wurde das kleine Turnier durch private Initiative vom Ehepaar Ela und Lars

Sandra Lüttmann

40 Flüchtlinge trafen sich am Samstagmittag auf Platz 3 des Saerbecker Sportgeländes. In vier Teams und Partien von 20 Minuten Länge zeigten die Männer, welche Tricks sie auf Lager haben. Foto: Sandra Lüttmann

Auf den ersten Blick wirkte es recht chaotisch: gewichtige Diskussionen mit lautem Rufen und wildem Gestikulieren. Albanisch, Afghanisch, etwas Englisch, wenig Französisch, noch weniger Deutsch, viel Reden mit Händen und Füßen – wie wollen diese Männer nur miteinander spielen? Doch bei Spielbeginn zeigte sich, dass auch im tiefsten Sprachenbabel die einheitlichen Regeln des Fußballs die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen können.

Knapp 40 Flüchtlinge trafen sich am Samstagmittag auf Platz 3 des Saerbecker Sportgeländes. In vier Teams und Partien von 20 Minuten Länge zeigten die Männer, welche Tricks sie auf Lager haben. Organisiert wurde das kleine Turnier durch private Initiative vom Ehepaar Ela und Lars. Ela betreut in der Saerbecker Flüchtlingshilfe fünf Afghanen, begleitet sie im Alltag und bei Behördengängen. Sie selbst ist im Alter von drei Jahren aus Afghanistan geflohen und mit ihren Eltern nach Deutschland gekommen, lebt heute mit ihrem Ehemann Lars und den Kindern in Saerbeck.

An der Theke ihres tunesischstämmigen Arbeitgebers Noamen Reikik entstand vor vier Wochen die Idee. „Sie stieß im Dorf auf offene Ohren“, ist der frühere Fußballspieler Lars begeistert. Die Gemeinde stellte den Platz zur Verfügung, sieben Saerbecker Unternehmen – Aktronic, Holzbau Eppe, Sanitär Schreiber, Eiscafé Calzavara, Tankstelle Richter, das Gasthaus am Kirchplatz, Saertex, Schöne Werbung und die Praxis Winter- Möllenkamp – stifteten T-Shirts, Schuhe, Handtücher und Duschgel sowie Getränke und auch eine Sportversicherung.

„Wir hoffen, dass die Männer damit in Schwung kommen“, meint Ela pragmatisch. Sie hatte durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei „Willkommen“ mit bekommen, dass die Flüchtlinge oft nur herumsitzen, ohne zu wissen, wie es weitergehen wird oder was sie tun können. Durch das Fußballspielen am Sportplatz hoffen die Veranstalter, dass sich die Männer nicht nur fit halten, sondern auch neue Kontakte zu Saerbeckern knüpfen, dass ihnen so die Integration in ihr neues Land besser gelinge. „Das sind super Jungs“, schwärmt Lars von den Kickern und hofft dass dauerhaft eine Thekenmannschaft entsteht.

Nach dem Spiel ging es zur Pokalübergabe und gemeinsamen Grillen zum Gasthaus am Kirchplatz. Das Datum war übrigens nicht zufällig gewählt, sondern fällt in die Zeit des islamischen Opferfests, bei dem in Erinnerung an die biblische Geschichte von Ibrahim/Abraham und seinen Sohn Ismael/Isaak Tiere geopfert werden, deren Fleisch mit den Armen und Hungrigen geteilt wird.

Ela und Noamen Reikik weisen darauf hin, dass man sie um Hilfe als Dolmetscher bitten kann. Ela, ✆ 0172/299 3371, spricht das afghanische Dari, Noamen Reikik, ✆ 0157/ 30 69 08 79, spricht Arabisch, Hocharabisch und Französisch.

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