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Wie sich die Arbeit der Juze-Betreuerinnen nach zwei Jahren Corona-Pandemie verändert hat

Durchs Raster gefallen

Saerbeck

Zwei Jahre Corona-Pandemie sind auch am Saerbecker Jugendzentrum Juze nicht spurlos vorbeigegangen. Vor allem nicht an den Jugendlichen, für die die Einrichtung der Gemeinde eine wichtige Anlaufstelle ist. Aber auch nicht an den pädagogischen Fachkräften. Immer wieder mussten sie spontan auf die jeweils neuen Coronaschutz-Bestimmungen reagieren und neue Formen der Betreuung finden.

Von Katja Niemeyer

Versuchen, ihren Schützlingen ein „Gefühl von Normalität“ zu vermitteln und Struktur in die freie Zeit nach der Schule zu bringen: Juze-Leiterin Gabriele Grothaus-Schreiber und Sozialarbeiterin Viola Radoch (v.l.). Foto: Katja Niemeyer

Zwei Jahre Corona-Pandemie sind auch am Saerbecker Jugendzentrum Juze nicht spurlos vorbeigegangen. Vor allem nicht an den Jugendlichen, für die die Einrichtung der Gemeinde eine wichtige Anlaufstelle ist. Aber auch nicht an den pädagogischen Fachkräften. Immer wieder mussten sie spontan auf die jeweils neuen Coronaschutz-Bestimmungen reagieren und neue Formen der Betreuung finden. Zeitweise hatten sie nur noch über WhatsApp Kontakt zu ihren Schützlingen. Trotz aller Bemühungen steuern dennoch mittlerweile deutlich weniger Kids nach der Schule das Juze an.

Vor Corona, sagt Leiterin Gabriele Grothaus-Schreiber, seien am Tag zwischen 20 und 40 Kinder und Jugendliche aufgetaucht, jetzt kämen höchstens noch zehn. „Von den Größeren haben wir wohl 70 Prozent verloren.“

Einen Grund für den Rückgang sieht sie in der Maskenpflicht. „Das schreckt viele ab“, hat Grothaus-Schreiber beobachtet. In den Phasen, in denen sie weggefallen war, seien sogleich wieder mehr Schüler und Schülerinnen vorbeigekommen.

Allein die Maske war es aber nicht, die dafür gesorgt hat, dass sich die Kids und jungen Erwachsenen immer mehr zurückzogen. Viele hat die Pandemie schlichtweg überfordert. Sie kamen nicht so leicht klar mit Kontaktbeschränkungen und Distanzunterricht. „Einige hatten das Gefühl, etwas im Leben zu verpassen. Freunde Treffen, auf Partys gehen, das ging ja nicht“, berichtet die Juze-Leiterin. Der ein oder andere Schüler scheiterte dann auch noch an dem Modell des Homeschoolings, weil in seinem Zuhause die hierfür nötige technische Ausstattung fehlt. „Die sind einfach durchs Raster gefallen“, konstatiert Grothaus-Schreiber.

Und auch die Angst vor dem unbekannten Virus treibt offensichtlich so manchen Heranwachsenden mehr um, als er verkraften kann. Gleichzeitig seien einige empfänglich für Verschwörungstheorien und machten sich – unberechtigte – Sorgen vor einer Impfung, berichtet Sozialarbeiterin Viola Radoch. „Viele Kinder und Jugendliche informieren sich fast ausschließlich in sozialen Medien, in denen die Falschnachrichten verbreitet werden.“ Videoportale wie Tic Toc und Youtube – „das ist für sie die reale Lebenswelt“, so Grothaus-Schreiber.

Hinzu kommen die üblichen kleinen Krisen wie Liebeskummer, aber auch schwerwiegendere Probleme, wenn sich etwa die Eltern trennten, die die Kids aus der Bahn werfen.

Die Arbeit von Grothaus-Schreiber und Radoch hat sich vor diesem Hintergrund deutlich verändert, wie sie sagen. So versuchen sie verstärkt, ihren Schützlingen ein „Gefühl von Normalität“ zu vermitteln und Struktur in die freie Zeit nach der Schule zu bringen. Ein- bis zweimal in der Woche wird deshalb wieder gemeinsam gekocht in der hauseigenen Küche. Manchmal wird gebastelt und gemalt. Und manchmal auch nur entspannt oder besser gesagt „gechillt“ auf den Sofas.

Häufiger als vor Beginn der Pandemie bemerken die Betreuerinnen zudem ein „Bedürfnis nach Nähe, Zuwendung und 1:1-Betreuung. „Die Arbeit ist intensiver geworden“, stellt Gabriela Grothaus-Schreiber, die seit mehr als zehn Jahren im Juze beschäftigt ist, fest.

Einige Beratungen haben sich derweil nicht geändert. Fragen rund ums Praktikum und die Ausbildung kommen immer auf, mit oder ohne Virus.

Für Juze-Leiterin Gabriele Grothaus-Schreiber ein gutes Zeichen: „Es gibt Kids, die stellen sich am Nachmittag extra den Wecker, damit sie pünktlich zur Öffnung um 16 Uhr da sind.“

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