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Naturschutzaktion in Bertlings Haar

„Entkusseln“ und „beimpfen“

Saerbeck

In Bertlings Haar standen am Samstag Pflegearbeiten an. Auf Einladung von Heimatverein und Landjugend kamen zahlreiche Freiwillige. Ihr Job: Die Heidefläche „entkusseln“ und „beimpfen“, sprich: Junge Gehölze rausziehen und Blütensamen ausbringen. Die Arbeiten seien alle zwei Jahre fällig, erläuterte Dr. Peter Schwartze von der Biologischen Station Tecklenburger Land.

Von Marlies Grüter

Unter Anleitung der Biologischen Station Tecklenburger Land wurden junge Gehölze entfernt und gesammelter Blütensamen auf entstandenen offenen Sandflächen ausgebracht. Foto: Marlies Grüter

„Dieses ist eine tolle Heidefläche, die unbedingt erhalten werden muss.“ Dr. Peter Schwartze, Leiter der Biologischen Station Tecklenburger Land, gerät beinahe ins Schwärmen, als er am Samstagnachmittag vielen Interessierten das Werden und die Geschichte von Bertlings Haar im Sinninger Feld erklärt. „Heide ist ein Kulturbiotop. Das braucht Pflege“, so Schwartze.

Und genau dafür haben sich viele freiwillige Helfer auf Initiative des Heimatvereins und der Landjugend auf den Weg gemacht. Ihr Auftrag: unter Anleitung der Fachleute der Biostation die letzte größere zusammenhängende Heidefläche auf Saerbecker Gebiet zu „entkusseln“ und zu „beimpfen“. Junge Gehölze wie Birken, Kiefern, Weiden oder Brombeeren werden entfernt und gesammelter Blütensamen wird auf entstandenen offenen Sandflächen ausgebracht.

„Alles echte Handarbeit. Das braucht großen Einsatz“, wissen die Verantwortlichen des Heimatvereins und der Landjugend und freuen sich über die aktiven Naturfreunde aller Generationen. Bei herrlichem Spätsommerwetter kommen die Heideliebhaber gut voran. Wenn die händischen Vorarbeiten erledigt sind, kann der Bauhof mit Maschineneinsatz die Heidesträucher zurückschneiden. Diese Pflegemaßnahmen seien alle zwei Jahre notwendig, erläutert Schwartze. „Wichtig ist, dass die Heidefläche offen bleibt. Früher haben das Schafe erledigt, heute müssen wir die Aufgabe übernehmen.“

Besonders für die Nachwuchs-Umweltschützer gibt es bei den Pflegearbeiten viel zu entdecken auf der Heidefläche. Ein besonderer Fund: Der Kokon einer Wespenspinne in einem Heidebusch. Den begutachtet auch Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg und lässt sich bei einem Rundgang durch die Heide die 1000-jährige Geschichte der Heidelandschaft erzählen.

„Bei der Aktion heute werden Natur- und Umweltschutz und Heimatverbunden direkt miteinander kombiniert“, lobt Lehberg den Einsatz des Heimatvereins, der Landjugend und der vielen freiwilligen Helfer. Wichtig sei, so Lehberg, dass das Wissen um das Werden und die Zukunft der wertvollen Heidefläche nicht verloren gehe.

Da aber die Fachleute nicht immer vor Ort sein können, wenn interessierte Radfahrer insbesondere zur Heideblüte die Fläche besuchen, ist jetzt Abhilfe geschaffen. Der Heimatverein hat in Zusammenarbeit mit vielen Unterstützern für die Heidefläche eine Visitenkarte entworfen. Am Wiggerdamm, direkt neben einer vom Heimatverein aufgestellten Ruhebank, steht seit Samstag die mit Bildern und Texten gestaltete Informationstafel. Lehberg und Harald Schütz, Vorsitzender des Heimatvereins, übernahmen gerne die Aufgabe, die Tafel zu enthüllen, die auf die bedrohte Fauna und Flora in Bertlings Haar aufmerksam macht.

Um das Projekt zu verwirklichen, haben im Vorfeld viele Räder ineinander gegriffen: vom Bereitstellen der Texte und Bilder (unter anderem Biologische Station, Heimatverein), über die Anfertigung des Rahmens (Frank Dierksmeier), den Druck (Florian Waisznor) bis zur Aufstellung (Bauhof der Gemeinde) und der Finanzierung (Kreissparkasse Steinfurt). „Danke auch an alle, die jetzt nicht namentlich genannt sind“, sagt Heimatvereinsvorsitzender Harald Schütz, und lädt zum gemütlichen Teil des Arbeitseinsatzes ein.

Für Gesprächsstoff sorgt schon das nächste Projekt: Für das kommende Jahr hat der Heimatverein wieder eine Natur-Pflegeaktion geplant: 2022 steht der Hanfteich im Fokus.

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