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Neubaugebiet Hanfteichweg

„Geruchsstunden“ noch im Rahmen

Saerbeck

In einem (überarbeiteten) Gutachten zum geplanten Baugebiet Hanfteichweg kommen Fachleute zu dem Ergebnis, dass erstens die Geruchsbelastung zwar grenzwertig, aber noch vertretbar ist, und zweitens wegen des Lärms von der Straße und von den angrenzenden Bauernhöfen ein Wall angebracht wäre.

Von Katja Niemeyer

Zum Neubaugebiet Hanfteichweg liegen jetzt weitere sowie überarbeitete Gutachten vor. Foto: Katja Niemeyer

Zwei Briefe von Anwälten, acht weitere Stellungnahmen und neue Gutachten – die Entwicklung des Baugebietes Hanfteichweg hält Verwaltung und Politik weiter auf Trab. Auf mehr als 200 Seiten ist die Akte mittlerweile angewachsen.

Am Mittwoch befasste sich erneut der Bau- und Planungsausschuss mit dem Gebiet am südöstlichen Siedlungsrand der Gemeinde. Während der Offenlegung des Bebauungsplanes waren vor allem Bedenken hinsichtlich der Geruchs- und Lärmimmissionen geäußert worden. Woraufhin die Verwaltung ergänzende Gutachten in Auftrag gegeben hatte oder vorhandene überarbeiten ließ. Darin kommen Fachleute zu dem Ergebnis, dass erstens die Geruchsbelastung zwar grenzwertig, aber noch vertretbar ist, und zweitens wegen des Lärms von der Straße und von den angrenzenden Bauernhöfen ein Wall angebracht wäre.

Mit den Gerüchen, die von den angrenzenden landwirtschaftlichen Betrieben ausgehen, könne „man leben“, befand Stadtplaner Carsten Lang. „Damit müssten sich die künftigen Bewohner abfinden.“

Zum Ausgleich werden andere Flächen zurückgeführt

Eine sogenannte Rasterbegehung, die dem Gutachten zugrunde liegt, hatte ergeben, dass es mehr im Westen und weniger im Osten des Gebietes zu unangenehmen Gerüchen kommen kann. Was zugleich bedeutet, dass es mitunter auch in dem angrenzenden Wohngebiet Eschgarten übel riecht. Am Siedlungsrand, stellte Lang fest, „werden schon Maximalwerte erreicht“. Mithin würde das neue Baugebiet „nur den Kreis der Betroffenen vergrößern“ und eben nicht einen „erstmaligen Eingriff in einen Freiraum darstellen“. Weiter kommt der Experte zu dem Schluss, dass die Landwirte in der Nachbarschaft unter Umständen „bereits durch die bestehende Wohnbebauung einschränkt werden“.

Gegen den Bebauungsplan haben insgesamt vier Landwirte Bedenken, über die sie die Verwaltung in anwaltlichen Stellungnahmen unterrichteten. Sie befürchten, dass das neue Wohngebiet etwaige Erweiterungen ihrer Betriebe behindern könnte.

In einem ersten Geruchsgutachten waren zwischen zehn und 13 Prozent der Jahresstunden als sogenannte Geruchsstunden gewertet worden. Ein neues, überarbeitetes Gutachten geht von einer Gesamtbelastung von 12 bis 15 Prozent aus. Im Übergang zum Außenbereich, wie der Stadtplaner die Lage des Hanfteichweges definierte, gilt ein Geruch als unzumutbar, wenn es in mehr als 15 Prozent der Jahresstunden müffelt. Grundlage dafür ist die Geruchsimmissionsrichtlinie (Girl), die vorschreibt, wie der Geruch zu messen ist und wann eine „erhebliche“ Geruchsbelästigung vorliegt. „Wobei der Grenzwert als Orientierungswert zu deuten ist“, wie Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg im Vorfeld der Sitzung erläuterte.

Eine „Geruchsstunde“ wird gezählt, sobald es sechs Minuten lang riecht. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich der Mensch an Augenblickswerten orientiert.

Um zu beurteilen, wie groß die Lärmbelastung in dem Gebiet ist, hatte die Verwaltung außerdem eine schalltechnische Untersuchung in Auftrag gegeben. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass der Verkehrslärm, der von der Westladbergener Straße sowie von nächtlichen Tiertransporten (an lediglich vier Terminen im Jahr) verursacht wird, durch einen zweieinhalb Meter hohen Wall reduziert werden könnte. Der Wall, so erläutert Lang, hätte eine Tiefe von rund neun Metern und würde ungefähr zur Hälfte auf den angrenzenden Grundstücken, welche für den Bau von Mehrfamilienhäusern vorgesehen sind, errichtet werden. Zur Kompensation würde außerdem eine Anliegerstraße verschmälert werden. Zusätzlich zu dem Wall setzt der Bebauungsplan sowohl aktive als auch passive Schallschutzmaßnahmen fest.

Eine artenschutzrechtliche Prüfung ergab, dass das Gebiet für Feldsperlinge und Stare Fortpflanzungs- und Ruhestätte ist. Weshalb Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden müssen. Hierfür vorgesehen ist eine Fläche östlich des Gebietes von rund 0,78 Hektar. Sie soll als Nahrungs- und Jagdfläche ausgestaltet werden. Im Umfeld sollen zudem Nisthilfen angebracht werden.

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