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Amtsgericht verurteilt junges Paar

„Klarer Fall von Volksverhetzung“

Saerbeck/Steinfurt

Dummheit schützt vor Strafe nicht; besonders, wenn sie nur vorgetäuscht wird. Ebendiesen Eindruck aber hinterließ ein junges Pärchen aus Saerbeck beim Staatsanwalt und der vorsitzenden Richterin im Steinfurter Amtsgericht. Dafür bekamen die beiden nun die Quittung.

Hans Lüttmann, Marvin Mutz

Foto: dpa

Elf Monate auf Bewährung und 2000 Euro Buße für ihn, neun Monate und 1000 Euro für sie: Damit ahndete das Gericht „einen klaren Fall von Volksverhetzung“.

Und der sah so aus: In Roxel und Reckenfeld hatten die beiden Flugblätter in die Briefkästen gesteckt, auf denen unverhohlene Nazi-Parolen zu lesen waren: „Deutsches Volk, steh auf!“ und „Heute sind wir tolerant, morgen tot im eigenen Land.“ oder auch „Blut und Ehre für das Vaterland.“ Außerdem behaupteten die beiden auf den Flugblätter, dass Flüchtlinge schon 15 000 Deutsche „abgeschlachtet und hingerichtet“ hätten, das aber unter der Decke gehalten werde.

Erstaunlich und für Staatsanwalt und Richterin völlig unglaubwürdig die Antwort der beiden auf die Vorwürfe, zu denen auch selbst gedrehte und auf Youtube hochgeladene Videos gehörten: Das habe doch alles so im Internet gestanden, „auf mehreren Seiten, das haben wir doch nur abgeschrieben“. Sie haben niemandem schaden, sondern nur auf- rütteln und eine in ihren Augen verfehlte Flüchtlingspolitik anprangern wollen.

„Und das soll jetzt Hetze sein?“, empörte sich der Angeklagte, der mit dicken Pflastern am Hals im Gerichtssaal saß; nicht etwa, weil er sich verletzt hatte, nein, er musste damit zwei Tätowierungen verstecken – ein Keltenkreuz und eine 88, die in der Nazi-Szene als Hitler-Gruß (achter Buchtstabe im Alphabet) verstanden wird – das Zeigen beider Kennzeichen in der Öffentlichkeit steht unter Strafe.

Beinahe nebenbei erzählte der Saerbecker von einem Saufabend mit seinen Kumpels, an dem sie eine „Division Braune Wölfe“ gegründet hätten; Namen wolle er der Richterin jedoch nicht verraten, „um meine Familie zu schützen“.

Und wen er meinte, wenn er lapidar von „der Partei“ sprach, lag für alle im Saal ja auf der Hand.

Selbst die Verteidiger des Pärchens nannten die angeblichen Fakten aus dem Internet „totalen Schwachsinn“ und wollten das Gericht davon überzeugen, dass ihre Mandanten einfach nur leichtgläubig gewesen, inzwischen aber geläutert seien; daher solle man das Verfahren doch besser einstellen. Darauf aber wollten Staatsanwalt und Richterin sich nicht einlassen.

Immerhin kündigte der bis dahin uneinsichtige Angeklagte an, wenn er es sich eines Tages leisten könne, die Tattoos entfernen zu lassen, „damit ich mit unserem Kleinen auch mal ins Freibad gehen kann“.

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