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120 Jahre KFD Saerbeck: Mehr als 100 Frauen bei Kulturfrühstück mit „Rodder Kratzbürsten“

„Lassen Sie sich nicht bremsen!“

Saerbeck

Mit einem Kulturfrühstück hat die KFD Saerbeck am Sonntag ihr 120-jähriges gefeiert. Die bringen sich in gesellschaftsrelevante Themen ein und stärken durch ihr soziales Engagement und ihr umfangreiches Veranstaltungsprogramm die Gemeinschaft und Gesellschaft in Saerbeck, sagte die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Monika Schmidt. Für allgemeine Heiterkeit sorgten die „Rodder Kratzbürsten“.

Von Katja Niemeyer

Sorgten mit ihrem Programm „ Foto: Katja Niemeyer

„Um 1901 war es gar nicht denkbar, dass sich Frauen zu einer gemeinsamen Feier treffen konnten, ohne zuvor die Genehmigung des Familienoberhauptes eingeholt zu haben“, machte Saerbecks zweite stellvertretende Bürgermeisterin Monika Schmidt am Sonntag bei der Jubiläumsfeier der Katholischen Frauengemeinschaft St. Georg in Hövels Festhalle deutlich, wie sich die Zeiten für Frauen zum Positiven verändert haben. Das Kulturfrühstück, zu dem das Leitungsteam anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Saerbecker KFD eingeladen hatte, wollten sich viele offenbar nicht entgehen. Mehr als 100 kamen – und genossen Frühstück in Gemeinschaft und den Auftritt der „Rodder Kratzbürsten“, die mit ihrem Programm „Frauen beim Friseur – Alle unter der Haube!“ für allgemeine Heiterkeit sorgten. Nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei den paar Männern, die sich unters Publikum gemischt hatten.

Frauen, führte Monika Schmidt weiter aus, seien damals per Gesetz verpflichtet gewesen, „das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten“. Und: „Wollten sie arbeiten, musste der Ehemann dies erlauben.“ Aus diesem Grund habe der Staat auch keine verheirateten Frauen eingestellt.

Auch Brigitte Kockmann erinnerte daran, dass eine Frau in Westdeutschland „noch bis 1977 nur dann berufstätig sein durfte, wenn das mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar war.“ Der „Verein christlicher Mütter“ – unter diesem Namen wurde die KFD einst gegründet – sei vor allem eine Gebetsgemeinschaft gewesen mit monatlichen Gottesdiensten und Gebetsversammlungen. Sie seien Anlass gewesen, Informationen, Meinungen und Anregungen auszutauschen im in jener Zeit oft „kargen und grauen Alltag“, sagte das Mitglied des Saerbecker KFD-Leitungsteams.

Über die Jahrzehnte hat sich die KFD weiterentwickelt zu einem modernen Frauenverband, der sich für die Interessen von Frauen einsetzt. Sie sollen die Möglichkeit haben, sagte Brigitte Kockmann, „am Leben in Kirche, Familie und Gesellschaft aktiv und sinnvoll teilzunehmen und Verantwortung zu übernehmen.“

Auch Monika Schmidt ging auf die sich stark veränderte Rolle von Frauen ein. Sie, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin, „meistern heute viele Aufgaben in Haushalt und Familie, in Beruf, Gesellschaft und in der Kirche.“ Die KFD Saerbeck bringe sich in gesellschaftsrelevante Themen ein und stärke durch ihr soziales Engagement und ihr umfangreiches Veranstaltungsprogramm die Gemeinschaft und Gesellschaft in Saerbeck. Als Beispiele nannte sie Ausflüge, Fahrten, Themenabende, den Flohmarkt für Baby- und Kinderkleidung, den Frauenkarneval sowie spirituelle Angebote wie besondere Gottesdienste für Frauen.

Die KFD Saerbeck sei eine lebendige Gemeinschaft, ein Netzwerk von Frauen, die sich einbringen und einen „enormen Beitrag in unserer christlichen Gemeinde leisten“, so Monika Schmidt. „Seien Sie bitte weiter mutig, prägnant, gestalterisch und integrativ – und lassen Sie sich nicht bremsen!“, rief sie den Frauen zu.

Reinhilde Riesenbeck aus dem Vorstandsteam des KFD-Diözesanverbandes Münster betonte, dass sich die Gemeinschaft als großer Frauenverband bei gesellschaftspolitischen, frauenspezifischen und kirchenpolitischen Themen einbringe. Ihr zufolge gehören ihm bundesweit rund 400 000 Mitglieder, organisiert in 3900 Ortsgruppen, an.

Monika Schmidt ergänzte, dass sich die KFD auf Bundesebene unter anderem dafür eingesetzt habe, dass (seit 1992) Erziehungszeiten auf die Rente anerkannt werden und es seit 2001 ein Bundeserziehungsgesetz gibt.

Um wichtige Stationen im Leben einer Frau ging es im Anschluss beim Auftritt der „Rodder Kratzbürsten“. Als Friseurinnen und Stammkundinnen amüsierten sie sich „schnipp schnapp“ über das Techtelmechtel einer Kundin und über aus der Mode gekommene Buntfalten-Hosen. Vom Kennlernen des richtigen Mannes über Hochzeit, Kinder und Älterwerden bis hin zum Rentner- Dasein präsentierten sie in ihrem zweistündigen Programm einen bunten Reigen aus Liedern, Gags und Szenen.

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