1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Saerbeck
  6. >
  7. Impfkontrollen in Geschäften: Keine Umsatzeinbrüche, Kunden zeigen Nachweise bereitwillig vor

  8. >

Corona-Schutznahme

Impfkontrollen in Geschäften: Keine Umsatzeinbrüche, Kunden zeigen Nachweise bereitwillig vor

Saerbeck

Seit einer Woche müssen Geschäfte nicht mehr bei jedem Kunden kontrollieren, ob er geimpft oder genesen ist. Stichproben reichen. Wir haben bei Saerbecker Läden nachgefragt, wie bereitwillig Nachweis und Ausweis vorgezeigt wurden und ob der Umsatz unter der Vorschrift gelitten hat. Fazit: Die allermeisten Kunden ließen die Kontrolle ohne Murren über sich ergehen. Und die Verkaufszahlen, die blieben stabil.

Von Katja Niemeyer

Im Textilhaus Wennemann prüft Verkäuferin Brigitte Haase Impfnachweis und Ausweis eines Kunden. Foto: Katja Niemeyer

Routiniert zückt der Mann mittleren Alters sein Handy und zieht den Ausweis aus dem Portemonnaie, nachdem er an diesem Mittwochvormittag das Textilhaus Wennemann betreten hatte. Verkäuferin Brigitte Haase prüft beides und sucht dann die gewünschten Unterhemden heraus, die der Kunde für seine Mutter benötigt. Dann stellen beide lachend fest, dass die Kontrollpflicht in Geschäften mittlerweile entfallen ist. Laut Corona-Schutzverordnung sind nur noch Stichproben notwendig.

Die Macht der Gewohnheit war wohl zu stark.

„Die allermeisten Kunden haben die Nachweise direkt am Eingang vorgezeigt“, berichtet Inhaberin Martina Wennemann, die das Traditionsgeschäft kurz vor Beginn der Corona-Pandemie übernommen hatte. Dass sie wegen der Kontrollen möglicherweise weniger Umsatz gemacht hat, glaubt sie nicht. Ihr Geschäft lebt von der Stammkundschaft. Laufkundschaft betritt nur selten den Laden mit einem Sortiment, das von Wollknäueln und Stricknadeln bis zum Blazer reicht.

Auch nebenan, bei Gittis Mode und Schmuck, wurden Nachweis und Ausweis bereitwillig vorgezeigt, wie Inhaberin Brigitte Cramer erzählt. Die Vorschrift hat sie ohne große Diskussion umgesetzt. Sie war auch nicht schuld daran, dass die Verkäufe in den Keller fielen. Verantwortlich hierfür waren die Lockdowns in der Vergangenheit und die generellen Kontaktbeschränkungen.

Sie hatten zur Folge, dass Schulentlassfeiern und Hochzeiten ausfielen, also jene Events, für die man sich bei Gittis neu einkleiden könnte. „In der Zeit hatte ich einen Umsatzrückgang von 100 Prozent“, erinnert sich Brigitte Cramer, die das Modegeschäft vor mehr als 30 Jahren in Saerbeck gründete.

Auch Uta Heß, Inhaberin des Schuhhauses Meyer, hat die Kontrollpflicht ohne Federlesen umgesetzt. Viele Kunden würden ihr Geschäft mit dem Handy und bereits geöffneter Datei betreten, hat sie beobachtet. Wenngleich sie die Vorschrift nicht kritisieren wolle – „etwas unangenehm“ sei es ihr schon gewesen, die persönlichen Unterlagen ihrer Kunden zu überprüfen. „Ich bin ja nicht die Polizei“, sagt die Schuhverkäuferin zur Erklärung.

Nur einmal, erzählt sie weiter, da habe ein fehlender Impfnachweis dazu geführt, dass eine Mutter, die für ihr Kind neue Schuhe kaufen wollte, draußen bleiben musste. „Das Problem haben wir dann unkompliziert gelöst, so dass das Kind doch noch mit neuen Schuhen nach Hause gehen konnte“, betont Uta Heß. Dass sie wegen der Regel abends weniger Geld in der Kasse hatte, davon geht auch sie nicht aus. „Die Kunden kommen gezielt.“

Bei Brigitte Cramer geht inzwischen wieder mehr festliche Mode über den Ladentisch. Für aufwendige Beratungen, etwa für einen Hochzeitsgast oder eine junge Frau, die ein Kleid für die Abifeier sucht, vereinbart sie in der Regel einen Termin.

Seit Kurzem füllt sich ihr Kalender wieder. „Das Geschäft läuft an. Ich bin zuversichtlich“, sagt die Kauffrau. Zumal etliche Feste offensichtlich nur verschoben worden waren und sich abzeichnet, dass sie in absehbarer Zeit gefeiert werden können.

Auf „schicken Sachen“ blieb auch Martina Wennemann über viele Monate sitzen. Wer im Homeoffice arbeitet, habe sich erstmal keinen neuen Blazer zugelegt, bemerkt sie. Stattdessen wurde zur ihrer Überraschung und zu der ihrer Mitarbeiterinnen vermehrt Unterwäsche verlangt. Wirklich erklären kann sie sich die überaus große Nachfrage in diesem Segment auch nicht. „Vielleicht haben die Leute die Zeit zu Hause genutzt, um ihre Schränke zu entrümpeln.“

Vielleicht wollten sie aber auch nur etwas Neues tragen, wenn es schon keinen Anlass gab, sich für ein geselliges Zusammensein neu einzukleiden.

Startseite
ANZEIGE