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Sabine Fröhlich bietet in ihrem Pausengong eine Antwort auf Hektik und Sorgen

Mit Klängen Stress abbauen

Saerbeck

Corona sorgt für Stress im Alltag. Sabine Fröhlich vom Saerbecker Entspannungs- und Wellnesszentrum Pausengong weiß: „Wir brauchen Entspannung mehr denn je.“

Von Luca Palsund

Sabine Fröhlich ist die Inhaberin des Pausengongs im Industriegebiet an der Ibbenbürener Straße. In einem großen Raum bietet sie Gruppenstunden an, die aktuell aufgrund der Corona-Pandemie auf zehn Mitglieder beschränkt sind. Foto: Luca Pals

Räucherstäbchenduft schwebt durch den Raum, kuschelige Decken liegen auf den Stühlen, warme Farben tauchen die Umgebung in eine spirituelle und ruhige Atmosphäre. Vor Sabine Fröhlich stehen Klangschalen in den unterschiedlichsten Größen. Bei jedem Schlag – je nach Form, je nach Stärke der Bewegung – erklingt ein anderer Ton.

Von der Schale dringt der Schall auch in die letzte Ecke des Raumes und versetzt die Zuhörer in Schwingung. Mit jedem Schlag lockert sich der Körper und damit die Anspannung der vergangenen Tage und Stunden: „Jetzt werden die Gedanken frei“, ist es zu hören im Entspannungs- und Wellnesszentrum Pausengong.

Hier – mitten in einem Industriegebiet an der Ibbenbürener Straße – hat Fröhlich, die gebürtig aus Emsdetten kommt und schon seit einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Saerbeck wohnt, ihren Traumplatz gefunden: „Wir waren lange auf der Suche, dieser Raum ist für Gruppenstunden ideal.“

2013 war das, zuvor hatte die heute 58-Jährige ihre einjährige Ausbildung im Bereich der Klangtherapien gemacht und unter anderem zusammen mit Monika Ibela zwei Jahre in Emsdetten ein Angebot auf die Beine gestellt.

Klangtherapie habe sie immer schon interessiert, vor ihrer Ausbildung hatte sie bereits einige Seminare besucht, stand mit beiden Füßen als kaufmännische Angestellte fest im Berufsleben – bis zu einem Burn-Out: „Da habe ich den Schlussstrich gezogen und mich komplett umorientiert.“ Im Klartext, weg mit dem Stress, her mit der Entspannung: „Das ist das Beste, das mir passieren konnte.“

Mit einem großen Gong, vielen Schalen und dem obertonreichen Polychord erzeugt sie Töne, die jeden individuell da abholen, wo er ist: „Klänge erzeugen immer unterschiedliche Emotionen.“ Sie ist überzeugt: „Wenn man es falsch macht, kann man auch genau das Gegenteil von Entspannung herbeiführen.“

Deswegen ist Sabine Fröhlich wichtig, dass „jeder so kommt, wie er oder sie ist.“ Ohne Leistungsdruck und Vorwissen ist es meist eine Stunde, die das Angebot macht, „sich so zu fühlen, dass man wirklich mit seinem Körper in Entspannung ist“.

Gerade in Pandemie-Zeiten sei dies wichtig: „Seit zwei Jahren leben wir alle in einem permanenten Stress-Zustand. Dafür gibt es viele Faktoren“, sagt sie und zählt auf: „Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen meist durch das Homeoffice, das ständige Nachdenken über Regeln und Beschränkungen, die sich fast wöchentlich ändern, kostet zusätzliche Kraft. Und das Maskentragen sorgt dafür, dass wir uns nicht mehr anlächeln können.“

Über all dem stehen Ungewissheit über das Ende der Pandemie und fehlende soziale Kontakte, so Fröhlich.

Während sie das erzählt, berührt sie die nächste Klangschale – der Ton schwingt auch nach einer halben Minute noch im Raum.

Am deutlichsten merke sie den Stress-Alltag bei den eigenen Kindern: „Beide studieren, allerdings seit zwei Jahren nur Zuhause. Wenn sie hier bei mir in den Pausengong kommen, können sie auftanken und haben eine ganz andere Energie für die Dinge, die gerade anstehen.“

Aber auch ganz handfest hat die Pandemie natürlich Auswirkungen auf ihren Standort, an dem sie in den vergangenen Jahren das „Netzwerk Lebensblume“ zusammen mit weiteren Frauen und Männern aufbaute: „Vor Corona habe alleine ich jede Woche eine Gruppenstunde gegeben. Aktuell kann ich – wenn es gut läuft – nur noch zwei Mal im Monat etwas anbieten.“ Besonders viele ältere Menschen kommen aktuell nicht.

Der Grund ist – wie so oft – Angst vor möglichen Ansteckungen: „Das ist besonders schade, weil gerade jetzt die Menschen Entspannung und Therapie nötiger haben als je zuvor“, ist sie sicher.

Noch gut erinnert sich Fröhlich an Gruppenstunden mit über 15 Teilnehmer oder den Tag der offenen Tür, als über 80 Personen gekommen waren: „Der Pausengong ist auch über die Grenzen hinaus bekannt.“

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