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Christdemokraten verlieren 13 Punkte, SPD gewinnt mehr als 5

Schmidt: „Klatsche für die CDU“

Saerbeck

Herbe Verluste für die CDU, Gewinne für die SPD – die Saerbecker Wahlergebnisse folgen dem Bundestrend.

Von Katja Niemeyer

Jetzt geht es ans Zählen: Wahlhelfer Josef Teigeler, Wahlvorsteher Andreas Fischer und Heino Gerling in der Gesamtschule. Foto: Katja Niemeyer

„Das war eine Klatsche.“ Anders kann es die Saerbecker CDU-Vorsitzende Monika Schmidt nicht formulieren. Die Enttäuschung will sie sich aber nicht anmerken lassen. SPD-Kandidat Olaf Scholz habe profitiert von den Fehlern Armins Laschets, ist sie überzeugt. Und ja, Laschet sei der richtige Kandidat gewesen. Ob das Ergebnis für die CDU besser ausgefallen wäre, wenn sie den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder ins Rennen geschickt hätte? „Nein, ganz bestimmt nicht. Der wäre auch durch den Waschgang gegangen.“

Die CDU hat in Saerbeck herbe Verluste erlitten. 2017 hatte sie in der Klimakommune 45 Prozent der Stimmen geholt, rund 13 Prozentpunkte mehr als bei diesem Urnengang (minus 12,8 Prozent).

SPD-Chef Felix Wannigmann ist in Siegerlaune. „Über das Ergebnis bin ich sehr froh. Davon hatte ich nicht geträumt“, sagt er am Telefon. „Es sieht ganz danach aus, dass Olaf Scholz alles richtig gemacht hat.“ Er habe die Partei nach oben gezogen.

Die SPD hat ihr Ergebnis um mehr als fünf Prozentpunkte verbessert. Bei der Wahl 2017 kam sie auf 22,0 Prozent, jetzt stimmten 27,5 Prozent der Wähler für die Genossen.

Auch der Saerbecker Grünen-Sprecher Tobias Spahn gibt sich gut gelaunt. Die Wähler, sagt er, hätten sich offenbar für einen Umbruch entschieden. Und: „Insbesondere den Jüngeren liegt das Thema Klimaschutz am Herzen.“

Bei der Wahl vor vier Jahren kamen die Grünen in Saerbeck auf 7 Prozent. Jetzt haben sie ihr Ergebnis mit 15,8 Prozent mehr als verdoppelt.

Die FDP verschlechtert sich in der Klimakommune leicht. Sie kommt auf 11,9 Prozent, rund ein Prozentpunkt weniger als 2017.

Auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek büßte Stimmen in Saerbeck ein. Vor vier Jahren stimmten 53,5 Prozent für die CDU-Bundestagsabgeordnete. Jetzt waren es noch 39,7 Prozent. Konkurrent Jürgen Coße (SPD) holte auf. 25,9 Prozent der Wähler gaben ihm ihre Stimme (plus 3 Prozentpunkte).

Bei der Wahlbeteiligung legten die Saerbecker und Saerbeckerinnen noch eine Schippe drauf. 83,5 Prozent der Wahlberechtigten machten ihre Kreuzchen. Das sind fast zwei Prozentpunkte mehr als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren.

Einer der letzten, die am frühen Abend in Saerbeck in die Wahlkabine treten, ist vermutlich der junge Mann in schwarzen Sportklamotten, der um drei Minuten vor sechs den Wahlraum in der Maximilian-Kolbe-Gesamtschule betritt. Nachdem er den Wahlschein in die Urne gesteckt hatte, schaut Heino Gerling, Mitglied des Wahlvorstandes, auf seine Uhr und ruft „zumachen“. Wahlvorsteher Andreas Fischer erklärt die Wahl für geschlossen. Rasch sind ein paar Tische zusammengeschoben, auf denen Andreas Fischer – er war früher Bauamtschef – die Urne leert. 399 Stimmzettel waren hier ausgefüllt worden, wie Schriftführerin Daniela Aufderhaar mit einem Blick ins Wählerverzeichnis feststellt. Zur Kontrolle hatte sie die Zahl mit der Anzahl der Wahlbenachrichtigungen verglichen – es passte. Der Wahlvorsteher schätzt, dass sein Team in weniger als einer Stunde mit dem Zählen fertig ist.

Auf die beiden Briefwahlvorstände wartet weitaus mehr Arbeit. Auf dem Tisch in der Bürgerscheune türmt sich ein großer Haufen mit roten Briefen. Davor sitzt Hannah Wernsmann, in der Hand einen Brieföffner. Mit einem Ritsch öffnet sie Umschlag für Umschlag – 1103 mal. So viele Briefwahlstimmen hat allein dieser Wahlvorstand auszuzählen. Der Zweite, der nebenan im Bürgerhaus wirkt, hat noch einmal so viele Stimmen auszuzählen.

In der Bürgerscheune wird nach einem ausgeklügelten System vorgegangen. „Wir haben Übung“, sagt Verwaltungsmitarbeiter Bastian Breimhorst. Sie näherten sich der perfekten Lösung, ergänzt er, ohne aufzublicken. Nur eines will er zwischendurch wissen: „Wie ist das Formel-1-Rennen ausgegangen?“ Auch wichtig.

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