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Coronaschutz

Was der verpflichtende Piks für Saerbecker Pflegeeinrichtungen und Praxen bedeutet

Saerbeck

In den Saerbecker Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen hat die Impfpflicht, die ab Mitte März für medizinisches Personal gilt – wenn überhaupt – nur einen sehr geringen Handlungsdruck erzeugt, wie eine Umfrage ergab. Impflücken existieren so gut wie nicht.

Von Katja Niemeyer

Ab Mitte März ist eine Coronaimpfung Pflicht für Pfleger und Pflegerinnen. Foto: dpa

Von Mitte März an dürfen in Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegediensten und Arztpraxen nur noch Menschen arbeiten, die gegen das Coronavirus geimpft sind. In den Saerbecker Dienstleistungsbetrieben hat die neue Vorschrift – wenn überhaupt – nur einen sehr geringen Handlungsdruck erzeugt, wie eine Umfrage ergab. Impflücken existieren so gut wie nicht.

Manuela Lantzsch, Leiterin des Seniorenzentrums am See, blickt relativ gelassen auf die verpflichtende Regelung. Alle 57 Mitarbeiter des Hauses – von der Pflegerin bis zur Putzfrau – seien vollständig geimpft, 80 Prozent sogar schon „geboostert“, sagt sie. Das sei ein „Riesenglück“. Wenn die Änderung des Infektionsschutzgesetzes am 15. März in Kraft tritt, hätten aller Voraussicht nach auch die restlichen Mitarbeiter ihre dritte Impfung bekommen.

Zugleich treibt Lantzsch aber die Sorge um, dass durch den Zwang Impfunwillige möglicherweise auf Dauer aus Pflegeberufen ausscheiden oder diese gar nicht erst anstreben. Schon vor der Pandemie sei es schwierig gewesen, offene Stellen neu zu besetzen, berichtet die Altenheimchefin.

Auch Mechthild Holtmann, Inhaberin des Saerbecker Pflegedienstes Dobeni, befürchtet, dass sich durch die Impfpflicht der Fachkräftemangel im Pflegebereich noch verschärft. Für ihre ambulante Einrichtung vermeldet sie eine fast hundertprozentige Impfquote. Bis auf eine Ausnahme hätten alle zwölf Pflegerinnen den Piks bekommen. Holtmann ist zuversichtlich, wie sie betont, dass sich die entsprechende Person noch rechtzeitig impfen lässt.

Der BHD-Pflegedienst ist ebenfalls „durchgeimpft“. Wie Geschäftsführerin Elke Spiegelberg mitteilt, ist lediglich eine Mitarbeiterin ohne Impfschutz, dies habe aber eindeutig medizinische Gründe. Rund 95 Prozent der Pflegerinnen sei inzwischen „geboostert, ergänzt sie. „Das ist für mich sehr beruhigend.“ Bei dem ambulanten Pflegedienst sind 87 Pflegerinnen, Hauswirtschafterinnen und Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt.

Von den rund 110 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ambulanten Pflegedienstes des Caritasverbandes Emsdetten-Greven sind 99 Prozent geimpft. Das erklärt Ansgar Kaul, Leiter des Bereiches Hilfen für ältere und kranke Menschen, auf Anfrage. Kaul ist optimistisch, wie er sagt, dass sich die zwei bislang ungeimpften Personen in Kürze für die Schutzimpfung entscheiden. Betrachte man nur die 40 Pflegekräfte und Hauswirtschafterinnen, die in Saerbeck tätig sind, liege die Impfquote sogar bei 100 Prozent.

Von der Änderung des Infektionsschutzgesetzes betroffen ist auch das medizinische Personal in Arztpraxen. Für Dr. Heinrich Möhlenkamp hat die Regelung keine konkreten Auswirkungen, ist sein Personal doch komplett geimpft, wie er sagt. Was ihn vielmehr umtreibt, sind die zusätzlichen Arbeitsbelastungen, mit denen seine Mitarbeiterinnen zunehmend zu kämpfen hätten. Impfsprechstunden in den Abendstunden, Impftermine auch am Wochenende (www.praxis-moehlenkamp-winter.de) und Testangebote – das bleibe nicht ohne Spuren, so Möhlenkamp.

Die Impfpflicht wird mit der hohen Zahl von Todesfällen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gerade in Pflegeheimen begründet. Eine Kündigung als Strafe für Ungeimpfte sieht das neue Gesetz nicht vor. Arbeitgeber müssen aber versuchen, ungeimpfte Mitarbeiter in einer Form zu beschäftigen, die mit den Vorgaben vereinbar ist. Denkbar wäre also eine Verbannung ins Homeoffice. Weil aber Pflegekräfte ihre Arbeit nicht von zu Hause machen können, bleibt am Ende wohl nur die unbezahlte Freistellung.

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