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Kolpingjugend feiert Jubiläum

Start in Zeiten des Umbruchs

Saerbeck

Wegen Corona fiel das 50. Jubiläum aus. Aber das kann die Jugend des Kolping nicht erschüttern. Demnächst wird groß das 51. Jahr der Jugendarbeit in Saerbeck gefeiert.

Rückblick: Alfons Bücker (links) und Ludger Beermann sichten Zeitungsartikel aus den ersten Jahren des Saerbecker Jungkolping, die Norbert Winter gesammelt und aufbewahrt hat. Ein Exemplar der Zeitschrift „Schau hinein“ ist Alfons Bücker noch verblieben.   Foto: Harald Westbeld

Es war in einer Zeit des Umbruchs im von Adolph Kolping gegründeten Gesellenvereins. Geselle zu sein, war keine Grundvoraussetzung mehr, Frauen wurden aufgenommen. In Saerbeck bat der „Senior“ im Vorstand, Franz Beermann, seinen Bruder Ludger, die Jugendarbeit der Kolpingsfamilie aufzubauen. Am 14. August feiert nun die Kolpingjugend coronaverzögert im 51. Jahr ihr Jubiläum mit Aktivitäten von 10 bis 15 Uhr rund um das Mehrgenerationenhaus (MGH).

In organisierter Form gab es Jugendarbeit 1971 nur im Ansatz bei Landjugend und Messdienern. „In einem Kaff, in dem nichts los war“, wie Alfons Bücker die Sicht der Jugendlichen von damals formuliert, ließ sich Beermann nicht lange bitten, sprach Bekannte und Freunde an. Noch im ersten Jahr bildete sich die „Führerrunde“, wurden die ersten zwei Gruppen zu groß und wurde eine weitere Mädchengruppe gebildet.

Schon in den ersten zwei Jahren bildeten sich die Strukturen heraus, die heute noch die Kolpingjugend mit aktuell vierzehn Gruppen und weit über 100 Mitgliedern, dazu 40 Leiterinnen und Leitern, tragen: Zum Beispiel die wöchentlichen Gruppentreffen, die Planung der übergreifenden Aktivitäten im schon lange in „Leiterrunde“ umbenannten Führungsgremium oder die regelmäßigen Leiterschulungen.

Es braucht einen Raum

Auch eine wichtige Erkenntnis stand gleich am Anfang. „Es braucht einen Raum“, benennt Alfons Bücker eine Voraussetzung für gelingende Jugendarbeit. Neben Mitstreitern fand Ludger Beermann den ersten im ehemaligen Krankenhaus gegenüber dem Pastorat, das sein Bruder Josef gekauft hatte. Im Nähraum neben der Kapelle richteten sich die Gruppen ein, komplettierten ihn mit einer Werkbank, Kicker und Flipper.

Wie reif die Zeit für die organisierte Jugendarbeit in Saerbeck war, zeigt nicht nur die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den ersten Jahren. Schon nach fünf Jahren, als die Kolpingsfamilie 50 Jahre feierte, machten 70 Jugendliche mit. Die Idee dahinter benennt ein Zeitungsbericht zum Jubiläum: „Jugendlichen die Möglichkeit zu sinnvoller Freizeitgestaltung und engagierter Arbeit Arbeit im Kreise gleichaltriger Jugendlicher zu gewähren.“

Es entwickelten sich direkt nach dem Start eine Vielzahl von Aktivitäten. Jungkolping übernahm die Organisation des Ferienlagers der Pfarrgemeinde und schon 1972 trat eine Truppe im Karneval auf. Vor allem die nach den Namen ihrer Mitglieder benannten Gruppe „Webdees“ von Norbert Winter entwickelte ein Wanderwege-Konzept für die Gemeinde. Ein Schild aus dieser Zeit entdeckte Alfons Bücker neulich noch auf einer Radtour.

Beermann übernimmt Leitung

Er übernahm schon 1972 die Leitung des Saerbecker Jungkolping von Ludger Beermann, der damals Jungkolpingleiter auf Diözesanebene wurde und dort mit Kapuzinerpater Heinrich Schulungskonzepte entwarf. „Auch heute bilden die Saerbecker noch die stärkste Gruppe bei den Leiterschulungen in Coesfeld“, freut sich Beermann. Viel habe er in seinen aktiven Jahren der Jugendarbeit für seinen späteren Beruf als Lehrer und überhaupt fürs Leben gelernt, sagt er. Zudem hat die Kolpingjugend einige Paare fürs Leben zusammengeführt, nicht nur Ludger Beermann und seine Frau Rita.

Gemeinsame Erfahrungen schweißten zusammen, sei es die Organisation von Aktionen wie zum Beispiel die Teilnahme am Kolpingtag 1972 in Köln oder die Altkleider- und Altpapiersammlungen „für soziale Aufgaben“, wie es in einem Zeitungsbericht von 1976 heißt. Nicht zuletzt sorgten die Ferienlager für den Zusammenhalt. Das erste fand schon 1971 im Bocketal statt. Besonders erinnern sich Ludger Beermann und Alfons Bücker an die 14 Tage auf einer sehr spartanisch eingerichteten Almhütte in der Steiermark und dem gleich anschließenden dreiwöchigen Ferienlager der Pfarrgemeinde in Grevenstein.

Immer wieder mussten die Jugendgruppen umziehen, aber einen Raum hatten sie immer. Auf das Krankenhaus folgte das „Kommunikationszentrum“ der Gemeinde, ein Vorläufer des Bürgerhauses, in dem heute an der Emsdettener Straße frisiert wird. Dann zogen die Kolpingjugendlichen in das neu errichtete Pfarrheim um, 1992 ins Kolpingheim an der Sitterdelle und 2007 schließlich ins Mehrgenerationenhaus. Immer wieder wurde dabei die „Schlüsselfrage“ aufgeworfen. Ohne eigene „Schlüsselgewalt“ gestaltet sich Jugendarbeit schwierig, wie sich in der Pfarrheimzeit zeigte, sagt Alfons Bücker, nach 50 Jahren Vorstandsarbeit Ehrenvorsitzender der Kolpingsfamilie.

Alles eigene Schlüssel

Bücker hat sich dafür eingesetzt, dass alle Gruppen einen eigenen Schlüssel haben. Die Erfahrung zeigt, wie wichtig das ist – und wie unproblematisch. Die Gruppen können heute wie im ehemaligen Kolpingheim fast alle Räume des MGH frei nutzen, wenn der Belegungsplan es hergibt.

Viele ihrer Aktivitäten aus der Anfangszeit haben sich erhalten. Es wird nach wie vor Fangen- und Verstecken gespielt, wenn auch nicht mehr im inzwischen verschlossenen Bunker an Pastors Allee, es gibt Filmabende, Kickerpartien und natürlich die Beteiligung an Festen. Was damals noch fehlte, war die Küche im MGH. Die wird heute gerne genutzt, um Pizza zu backen.

Was es nicht mehr gibt, ist die „Schau hinein“, die bis in den 90er Jahre mehr oder weniger regelmäßig erscheinende Zeitung, am Anfang getippt und in der Gemeindeverwaltung in kleiner Auflage gedruckt. Die Ausgabe 5 von Januar 1973 ist die einzige, die Alfons Bücker noch hat finden können. Für 20 Pfennige wurde sie an Interessierte verkauft. Das Redaktionsteam hatte da gerade schon zum ersten Mal gewechselt.

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