1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Saerbeck
  6. >
  7. „Weniger dramatisch als befürchtet“

  8. >

VHS-Leiter Dr. Kai Lüken über Finanzen, Deutschkurse und eine zunehmende Digitalisierung bei den Kursen

„Weniger dramatisch als befürchtet“

Saerbeck

Die Volkshochschule Greven-Emsdetten-Saerbeck hatte kürzlich zu einer Verbandsversammlung in die Bürgerscheune eingeladen. In einem Interview gibt VHS-Leiter Dr. Kai Lüken einige Interessante Einblicke in die Arbeit der VHS zu Corona-Zeiten.

Katja Niemeyer

Hatte trotz aktueller Coronakrise Positives zu berichten: Dr. Kai Lüken, Leiter der Volkshochschule Greven-Emsdetten-Saerbeck. Foto: privat

Die Volkshochschule Greven-Emsdetten-Saerbeck hatte kürzlich zu einer Verbandsversammlung in die Bürgerscheune eingeladen. Wie ist die finanzielle und personelle Situation der Bildungsstätte in der Corona-Pandemie? Und wie hat sich das digitale Angebot weiterentwickelt? Unser Redaktionsmitglied Katja Niemeyer fragte bei VHS-Leiter Dr. Kai Lüken nach.

Wegbrechende Einnahmen und Dozenten ohne Arbeit – gab es bei der Verbandsversammlung auch positive Nachrichten zu vermelden?

Lüken: Es gab sehr wohl Positives zu berichten: Wir haben das vergangene Jahr auch dazu genutzt, unser digitales Programmangebot erheblich auszuweiten. Im aktuell laufenden Semester werden wir unserem gesetzlichen Bildungsauftrag dadurch gerecht, dass wir knapp achtzig digitale Formate anbieten können, der Durchschnitt ist laut aktueller Umfrage bei den Volkshochschulen in NRW 38. Wir haben unsere Dozentinnen und Dozenten geschult und einige unserer Präsenzangebote ins Digitale übertragen können. Darüber hinaus ist es doch sehr positiv, dass wir immerhin etwa 200 von etwa 540 geplanten Kursen durchführen, und weitere 140 verschoben weiterführen oder teilweise durchführen konnten. Wir haben uns sehr für die Aufrechterhaltung unseres Bildungsbetriebs eingesetzt.

Mit welchem Ergebnis hat die VHS das Jahr Corona-Jahr 2020 abgeschlossen?

Lüken: Der Jahresabschluss steht noch aus, aber es sieht nach jetzigem Stand weniger dramatisch aus als man befürchten durfte, denn auch wenn wir viele Angebote durchgeführt haben, konnten wir aufgrund der speziellen Coronabedingungen nur begrenzte Personenzahlen zulassen. Und das wirkt sich natürlich auch finanziell aus. Wir werden einen wahrscheinlich geringen fünfstelligen Betrag coronabedingt abschreiben – in Analogie zum Vorgehen der Kommunen. Zudem warten wir noch auf Kompensationszahlungen des Landes und des Bundes.

Wie hat sich die Verbandsumlage entwickelt?

Lüken: Die Verbandsumlage musste im laufenden vergangenen Jahr nicht erhöht werden. Die Landesförderung wurde ungekürzt gewährt. Und den Einnahmeausfällen stehen natürlich auch geringere Honorarzahlungen entgegen. Für das laufende Jahr ergibt sich eine Erhöhung der Verbandsumlage, das hat aber neben anderen Gründen damit zu tun, dass wir in den vergangenen Jahren unsere Rücklagen abgebaut haben, was zur Verringerung der Verbandsumlage führte. Es geht also mehr darum, wieder zu einem „normalen Niveau“ zurückzukehren.

Ein wichtiges Standbein der VHS sind Deutschkurse, die aber nicht stattfinden konnten. Wie hoch sind die Einnahmeverluste in diesem Segment? Und können Sie einen Einschätzung darüber abgeben, was die abgesagten Kurse für die Teilnehmer bedeuten?

Lüken: Wir durften im vergangen Jahr unsere Integrationskurse zum Teil auch dann weiterführen, als die Durchführung anderer Angebote bereits verboten war. Das zeigt die immense gesellschaftliche Bedeutung dieser Kurse auf. Zwischendurch und dann ab Ende November mussten wir aber auch in diesem Bereich den Betrieb in Präsenzform einstellen. Um den Wissensstand unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber zumindest einigermaßen zu erhalten, haben wir auch dort, wo es ging, digitale Angebote gemacht, teilweise mit „Bordmitteln“ ohne Förderung durchs BAMF.

Wie ist die personelle Situation der VHS? Befinden sich Festangestellt in Kurzarbeit?

Lüken: Sie werden es vermutlich nicht glauben, aber das stete Herunter- und wieder Herauffahren des Bildungsbetriebs, gepaart mit zahlreichen Verschiebungen, darüber hinaus Entwicklung digitaler Angebote, hat bei uns eher zu einem erhöhten Arbeitsaufwand geführt. Und schließlich haben wir zahlreiche Veranstaltungen durchführen können, für die wir spezielle sichere Bedingungen für Dozenten und Teilnehmern geschaffen haben – und das in drei Kommunen, mit jeweils sehr unterschiedlichen Auslegungen der Verordnungen. Alleine in Emsdetten haben wir über zwanzig verschiedene Veranstaltungsorte, da bleibt die Organisation spannend. Die Semesterplanungen jetzt und im vergangenen Jahr geschahen immer mit dem optimistischen Blick auf sich bald positiv ändernde Verhältnisse. Und auch heute hangeln wir uns von einer Coronaschutzverordnung zur nächsten, immer verbunden mit der leisen Hoffnung auf baldige Öffnung.

In welchem Umfang finden Kurse mittlerweile digital statt?

Lüken: Wir werden das digitale Angebote beibehalten, freuen uns aber riesig auf die Wiederaufnahme des Präsenzbetriebs, genau wie unsere Kunden. Digitale Kurse ergänzen unser Präsenzangebot sehr gut, wir haben damit interessante neue Zielgruppen erschlossen. Wir haben durch Kooperationen mit anderen Volkshochschulen und Organisationen Möglichkeiten geschaffen, auch exotischere Themen einerseits und noch mehrhochkarätige Vortragende andererseits ins Angebot aufzunehmen. Und viele unserer Dozenten, die schon länger mit uns arbeiten, ergänzen ihr Angebot um digitale Varianten. Besonders stolz sind wir darauf, dass wir viele – auch und gerade ältere – Personen in Emsdetten, Greven und Saerbeck beispielsweise im Umgang mit Zoom ertüchtigen konnten. Aber auch viele Initiativen und Organisationen haben vom Know-How meiner Kolleginnen und Kollegen profitierenkönnen. Da sind wir Teamplayer…

Startseite