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17-jährige Schülerin Frauke Bockholt legt Konzept für Dachbegrünung des Borghorster Gymnasiums vor

1900 Quadratmeter Grün statt Kies

Borghorst

Keiner wollte es zunächst glauben. Frauke Bockholt am wenigstens. Jetzt ist aus ihrer Idee aber ein richtiges Projekt geworden: Dachbegrünung am Borghorster Gymnasium.

Von Ralph Schippersund

Rund 1900 Quadratmeter Kiesoberfläche, auf dem Foto rot umrandet, könnten durch Bepflanzung ersetzt werden. Foto:

Das Gymnasium Borghorst ist ein typischer Schulbau seiner Zeit. In den Jahren 1969/70 an den Stadtrand gebaut, um eine klar definierte Funktion zu erfüllen, nämlich Lehr- und Lernort zu sein. Ökologische Anforderungen wurden seinerzeit kaum an öffentliche Gebäude gestellt – ein Umstand, an den sich Frauke Bockholt gestört hat. Die Schülerin der Jahrgangsstufe 11 des GymBo wollte, angeregt durch Projektarbeit zum Thema Nachhaltigkeit – Schule der Zukunft“, daran etwas ändern. Ihr Vorhaben „Dachbegrünung am Gymnasium Borghorst“ war zunächst nur eine Idee. Mit reichlich Enthusiasmus für die Sache, akribischer Wissensaneignung, viel persönlichem Engagement und unter Mithilfe ihrer Betreuungslehrerin Kerstin Panhoff hat die 17-Jährige ein Konzept entwickelt, das nicht nur Experten beim Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt, sondern am Freitag bei einem Ortstermin auch Politiker des Ausschusses für Umwelt, Energie und Klimaschutz der Stadt überzeugt hat. „Da für die Schulhofneugestaltung sich bereits eine AG installiert hatte, habe ich mich ganz bewusst auf die Begrünung des Daches konzentrier“, so die Oberstufenschülerin beim Pressetermin.

Bei den Politikern, anwesend waren André Schwietert (CDU) und der Ausschussvorsitzende Andreas Neumann (Bündnisgrüne), rannte die junge Frau mit ihrem Projekt offene Türen ein. Beide Fraktionsvertreter lobten das Engagement von Frauke Bockholt und den dahinterstehenden Klima- und Umweltschutzgedanken. „An uns wird das Ansinnen nicht scheitern“, sagte Andreas Neumann für seine Fraktion und André Schwietert ergänzte aus CDU-Sicht: „Wir sollten die Dachbegrünung als Pilotprojekt voranbringen.“

Genau dies hatte die 17-jährige Schülerin sich auf die Fahnen geschrieben – und war im Vorfeld zusammen mit ihrer Lehrerin bereits beim Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit vorstellig geworden. Mitarbeiterin Sara Vollrodt sei von dem Konzept sehr angetan gewesen und habe ihre Unterstützung bei der Umsetzung zugesichert. Auch seien etwaige Förderprogramme des Landes und des Bundes benannt worden, die bei der finanziellen Umsetzung in Betracht kommen könnten, berichtete ihre Lehrerin Kerstin Panhoff.

Rund 1900 Quadratmeter Flachdachfläche des Schulbaus, so hat die Schülerin bei ihrer Recherche herausgefunden, könnten mit Hilfe einer Begrünung eine erhebliche ökologische Aufwertung erfahren. Die jüngsten Starkregenereignisse hätten noch einmal drastisch vor Augen geführt, dass Klimaschutzmaßnahmen dringend erforderlich seien. Dachbegrünungen auf öffentlichen Gebäuden gehörten als elementarer Bestandteil dazu, so die 17-Jährige. Eine Dachbegrünung sei aus vielen Gründen sinnvoll: Neben Vorteilen wie eine verbesserte Dämmung spielten Aspekte wie eine verzögerte Regenwasserableitung, die CO2-Bindung durch die Pflanzen sowie das Absorbieren von Feinstaub eine große Rolle. Auch das Mikroklima werde durch den Kühlungseffekt bei Verdunstung positiv beeinflusst. All diese Effekte und die Projektidee selbst hat die Schülerin auch auf einer Projekttafel samt Modell des Schichtaufbaus einer Dachbegrünung in der Schulaula zusammengestellt.

Andreas Neumann und André Schwietert zeigten sich von dem Anliegen überzeugt. Vor einer Umsetzung müsste indes die Finanzierung und die statischen Gegebenheiten des Schuldaches genauer überprüft werden. Letzteres hatte zuvor bereits eine Mitarbeiter des Gebäudemanagements im Rahmen einer Dachbegehung in erster Einschätzung gemacht und keine Bedenken geäußert. Hintergrund: Derzeit ist eine Kieslage aufgebracht, die vor einer Begrünung abgetragen werden müsste. Auch wolle man der Verwaltung den Auftrag erteilten, kurzfristig Fördermöglichkeiten auszuloten. Die Ideengeberin veranschlagt die Kosten auf 70 bis 90 Euro pro Quadratmeter.

Abschließend luden die Politiker die GymBo-Schülerin ein, im Umweltausschuss ihr Projekt vorzustellen und überreichten als Anerkennung für das Engagement einen Einkaufsgutschein des Steinfurter Unverpacktladens. „Es ist sehr wichtig, dass gerade auch die Jugend der Politik Impulse gibt“, so Andreas Neumann.

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