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Der letzte Einkaufstag vor dem Lockdown

23. Dezember schon am 15.

Steinfurt

Grauer Himmel. Leichter Regen. Richtige Adventsstimmung wollte am Dienstag, dem letzten Tag vor dem Lockdown, weder in der Burgsteinfurter noch in der Borghorster Innenstadt nicht aufkommen. Und Kauflaune? Dies- und jenseits des Buchenbergs eher mäßig.

Dirk Drunkenmölle und Axel Roll

Der allerletzte Einkaufstag bei Vorgerd. Dort nutzten die Kunden noch einmal die kräftigen Rabatte des Räumungsverkaufs. Ursprünglich sollte das Traditionskaufhaus zum Jahreswechsel schließen. Durch den Lockdown war bereits am Dienstag Schluss. Foto: Drunkenmölle

Grauer Himmel. Leichter Dauerregen. Richtige Adventsstimmung wollte am Dienstag, dem letzten Tag vor dem Lockdown, weder in der Burgsteinfurter noch in der Borghorster Innenstadt nicht aufkommen. Und Kauflaune? Dies- und jenseits des Buchenbergs eher mäßig. Burgsteinfurt: Zur besten Marktzeit war die Innenstadt nur von wenigen Menschen bevölkert. Diejenigen, die wie Theo und Marita Schneuing im Ortszentrum unterwegs waren, hatten es alles andere als eilig, auf dem letzten Drücker Weihnachtseinkäufe zu erledigen. „Wir sind nur noch hier, um ein paar Lebensmittel zu besorgen. Alles andere haben wir schon längst erledigt.“

Clemens Beckert hat sich noch schnell einen Weihnachtsstern zum 4. Advent für die Oma besorgt: „Das mit dem Lockdown war ja vorhersehbar. Wir haben uns schon in der vergangenen Woche darauf eingestellt.“ Klaus Kleine ergänzt: „Die Geschenke haben wir schon lange im Sack. Der Einzelhandel und alle, die von den Schließungen betroffen sind, tun mir leid. Aber eine andere Lösung, als Kontakte konsequent einzuschränken, um Corona zu bekämpfen, sehe ich nicht.“ „Online läuft wahrscheinlich sehr viel“, vermutet Christoph Mintner. Seiner Meinung nach werde Corona das Einkaufsverhalten nachhaltig verändern. „Die Innenstädte werden es immer schwerer haben.“

Die Kaufleute selber nehmen die Entscheidungen der Kanzlerin und der Länderchefs mehr oder weniger gefasst hin. „Bei uns war gestern schon der 23. Dezember“, berichtet Oliver Tieck von langen Kundenschlangen, die sich am Montag vor seiner Vinothek gebildet haben. Ein guter Tag werde aber die durch den Lockdown verursachten Umsatzverluste des Weihnachtsgeschäfts insgesamt nicht ausgleichen können. Martin Linke vom gleichnamigen Sportgeschäft in Borghorst kann diese Beobachtungen nur bestätigen: „Der Montag war gut, der Dienstag eher mäßig.“ Mit dem normalen Weihnachtsgeschäft habe das alles nichts zu tun gehabt. „Der Lockdown hätte vier Wochen eher kommen müssen“, sagt der Geschäftsmann. Beim Blick ins neue Jahr kann Linke noch nicht recht glauben, dass er am 11. Januar schon wieder aufschließen kann. Was wiederum mit empfindlichen Einbußen verbunden ist: „Zwischen den Feiertagen und Anfang des Jahres haben wir sonst immer unsere Sonderaktionen gemacht. Auch die fallen jetzt weg.“

„Bei uns war‘s gut voll“, berichtet Claudia Widenka-Rummler. Ihr „Lädchen“ in Burgsteinfurt darf auch nach dem Lockdown Blumen verkaufen. „Da sind die Auftragsbücher bis Weihnachten sogar noch voll.“

Hier noch mal schnell eine Lichterkette für den Baum oder eine Lampe für die heimelige Adventsbeleuchtung. Bei Elektro Elfers wird dem einen oder anderen verzweifeltem Christbaumschmücker auch nach Ladenschließung noch geholfen, verspricht Inhaber Wolfgang Elfers. Wer etwas für den täglichen Bedarf benötigt, bekommt, was er braucht, durch die Ladentür verkauft. Anruf genügt. Auch andernorts sind Bring- und Abholdienste eingerichtet. Elfers: „Da ist Flexibilität gefragt.“

„Gutscheine sind der Renner“, berichtet Ellen Fraune im Alten Rathaus. Besonders Firmen hätten sich noch mal schnell bei SMarT eingedeckt, um Mitarbeitern und Kunden eine kleine Weihnachtsüberraschung zu machen.

Dem Kaufhaus Vorgerd hat der Lockdown ein früheres Ende als geplant beschert. Bereits am Dienstagabend hat Geschäftsführer Günther Schwarte den Schlüssel am Eingang nach über 67 Jahren zu letzten Mal umgedreht. Ursprünglich sollte am Jahresende Schluss sein.

„So war es am Montag noch einmal richtig voll“, berichtet Schwarte. Bis gestern Abend war der größte Teil der Bestände verkauft. „Das war‘s dann wohl“, bedauert Schwarte, dass nicht einmal möglich war, sich von der langjährigen Belegschaft zu verabschieden. Ein trauriges Ende, wie das trübe Regenwetter an diesem letzten normalen Einkaufstag in diesem Jahr.

Jens Stegemann vom Modehaus Wissing in Borghorst ist sich hingegen sicher, dass es im neuen Jahr weitergeht. Ob es der 11. Januar sein wird, da ist er allerdings noch skeptisch. Er freut sich hingegen, dass er in den vergangenen Tagen so viele Stammkunden bei Wissing begrüßen konnte. „Ich glaube, die Situation hat vielen Menschen gezeigt, wie wichtig es ist, guten Einzelhandel vor der eigenen Haustür zu haben“, ist Jens Stegemann überzeugt.

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