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Wie stehen die Leiter der Steinfurter Schulen zur Maskenpflicht?

Abwarten und Vorsicht walten lassen

Steinfurt

Wie stehen Schulleiter Steinfurter Schulen zur Maskenpflicht? Sollten diese, wie zum Beispiel in Bayern oder teils auch in Berlin geplant, auch in der hiesigen Region im Unterricht fallen? Bei der kleinen Umfrage, die die Redaktion aus aktuellem Anlass startete, waren die Reaktionen durchweg eindeutig. Lieber noch etwas warten und Vorsicht walten lassen, auch wenn‘s das Tragen lästig ist und die Wissensvermittlung mitunter einschränkt.

Von Ralph Schippersund

Anderthalb Jahre schon ist der Mund-Nasen-Schutz im Unterricht obligatorisch. Ist nun der richtige Zeitpunkt gekommen, die Tragepflicht aufzuheben? Die Schulleiter in Steinfurt sind skeptisch. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dp

Ärztevertreter haben deutlich gemacht, dass sie das alsbaldige Auslaufen der Maskenpflicht an den Schulen begrüßen würden. Derweil reagieren Deutscher Lehrerverband oder Gewerkschaft VBE skeptisch auf den Vorstoß, den einzelne Länder wie Bayern oder Berlin angesichts sinkender Inzidenzen bereits angekündigt haben. Auch in NRW gehört der seit eineinhalb Jahren gängige Mund-Nasenschutz womöglich schon in der kommenden Woche der Vergangenheit an.

Die Landesregierung hat angekündigt, kurzfristig eine Entscheidung zu treffen. Doch wie wird in den Steinfurter Schulen das Ende der Maskenpflicht im Unterricht gesehen? Die Redaktion fragte bei einigen Schulleitungen nach.

„Um ehrlich zu sein: Es schlagen bei diesem Thema zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Claudia Bock. Auf der einen Seite sei es natürlich zweifellos schön für die Kinder und ein Signal in Richtung Rückkehr zu Normalität, wenn die Maskenpflicht ausgesetzt würde, so die Schulleiterin der Bismarck-Grundschule in Burgsteinfurt. Auf der anderen Seite aber sei für sie auch klar: „Es geht noch nicht ohne.“ Erst in der vergangenen Woche noch habe es einen Corona-Fall in der Schule gegeben. „Und es ist bei einem Fall geblieben, gerade weil die Schüler allesamt so diszipliniert Maske tragen und sich an die Hygienemaßnahmen halten“, ist Claudia Bock überzeugt. Zudem könne niemand sagen, wie die Entwicklung jetzt zum Winter hin weiter geht.

Für die Grundschülerinnen und -schüler sei es nicht das Problem, Mund-Nasen-Schutz zu tragen, hat sie festgestellt. Die Akzeptanz sei eine ganz andere als bei Erwachsenen. Manche ließen die Maske sogar freiwillig auch dann auf, wenn sie sie eigentlich absetzen können – zum Beispiel beim Englischunterricht.

Von der Idee, eventuell die Maske am Sitzplatz abzunehmen und im Gegenzug die Testzahl zu erhöhen, hält die Schulleiterin gar nichts: „Wir testen uns jetzt schon einen Wolf!“

„Grundsätzlich positiv“ sieht André Wenning das Auslaufen der Maskenpflicht. Allerdings würde der Schulleiter des Gymnasiums Borghorst dies nicht schon in der kommenden Woche sehen wollen. „Noch etwas abzuwarten, halte ich in der momentanen Situation für sinnvoller“, so der Schulleiter angesichts der unsicheren Coronalage. Wenn die Tragepflicht fallen sollte, müsse im Fall eines auftretenenden Infektionsfalles sichergestellt sein, dass nicht gleich die ganze Klasse oder die Nebensitze in Quarantäne müssen. „Sonst hätten wir nichts gewonnen“, so die Auffassung des Pädagogen.

Auf die Frage, ob das Maske-Tragen den Unterricht belaste, antwortet Wenning, dass sich die Schüler und das Lehrpersonal mit der Situation weitgehend arrangiert haben. Allenfalls im Sprachunterricht gebe es hier und da Schwierigkeiten mit der Aussprache und dem Verstehen, weiß er aus Erfahrung. „Allerdings müsse nach so langer Zeit auch irgendwann wieder so etwas wie Normalität einkehren“, fordert Wenning.

Zumal der ganz überwiegende Teil des Kollegiums und ein Großteil der Schüler ab Klasse 6/7 geimpft seien. „So jedenfalls mein Eindruck“, sagt Wenning mit Hinweis auf die Impffreiheit. So halte die Schule keine genauen Zahlen vor. „Wir üben keinen Druck aus, geben aber Infos über Impfangebote zeitnah weiter“, erklärt er die Marschroute des GymBo. Von der Landesregierung wünscht er sich mehr Verbindlichkeit, was den Fahrplan aus der Pandemie heraus in die Normalität betrifft. „Entscheidungen auf den letzten Drücker sollten vermieden werden.“

Auch Denise Diehl, Schulleiterin des Hermann-Emanuel-Berufskollegs (HEBK), hat zur aktuellen Masken-Diskussion eine klare Meinung: „Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich halte den jetzigen Zeitpunkt für schlecht gewählt.“ Als Gründe nennt sie die kommende Reisewelle in den Herbstferien sowie den allgemein zu erwartenden Anstieg der Infektanfälligkeit mit Beginn der kalten Jahreszeit. Der Fortbestand des Maske-Tragens sei auch am HEBK kein Problem. Diehl: „Wir haben eine hohe Akzeptanz innerhalb der Schülerschaft.“

Zwar sei der Wegfall der Maskenpflicht bezogen auf die Schulform eher umzusetzen als in anderen Bereichen, sagt die Schulleiterin mit Verweis auf den vergleichsweise hohen Impfgrad der HEBK-Schülerschaft. Letztlich sei sie aber aus besagten Gründen aktuell trotzdem nicht sinnvoll.

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