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Stadt schnürt Maßnahmenpaket, um Strom, Gas und Wasser zu sparen

An jeder Stellschraube wird gedreht

Steinfurt

Die Stadt Steinfurt will ein Maßnahmenpaket schnüren, das helfen soll, die unaufhörlich steigenden Energiepreise nicht ins Uferlose abdriften zu lassen.

Von Dirk Drunkenmölle

Mit regelmäßiger Wartung und Optimierung von Heizungsanlagen Foto: Drunkenmölle

Die Stadt Steinfurt will ein Maßnahmenpaket schnüren, das helfen soll, die unaufhörlich steigenden Energiepreise nicht ins Uferlose abdriften zu lassen. An Spekulationen, wie groß die Belastungen für den kommunalen Haushalt sein werden, will sich Kämmereileiter Andreas Meyer nicht beteiligen. Seriöse Antworten auf die Frage danach, wie stark die Rechnungen steigen werden, könnten in der aktuellen Situation nicht gegeben werden.

In seinem Vierteljahresbericht, den Meyer den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses Anfang Juni vorgelegt hatte, hatte der Kämmerer zwar von einer aktuell guten Ertragslage trotz der Coronabelastungen und -folgen gesprochen (wir berichteten). Gleichzeitig hat er aber auch aufgezeigt, dass schon bald mit erheblichen Einbußen, insbesondere bei den großen Ertragsarten, zu rechnen ist. Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs und die Entwicklung auf den Energiemärkten waren da noch gar nicht in den Prognosen berücksichtigt.

Energiesparen ist also das Gebot der Stunde. Jede eingesparte Kilowattstunde Strom und jede eingesparte Gigawattstunde Gas helfen, die Ausgangslage bei der Energieversorgung im kommenden Winter zu verbessern. Nichts geschieht, wenn es nicht vor Ort geschieht, zielen alle Appelle im Moment darauf ab, überall noch einmal an den Stellschrauben zu drehen und achtsam mit den Ressourcen umzugehen.

„Das machen wir eigentlich schon seit der Einführung unseres Gebäudemanagements vor über 20 Jahren“, erklärt Detlef Bogs, der als Fachdienstleiter im Steinfurter Rathaus für genau diesen Bereich verantwortlich ist. Natürlich hat Bogs Verständnis dafür, dass das Energiemanagement vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen gerade überall neu auf den Prüfstand gestellt werde. „Das ist für uns ein Dauerthema, mit dem wir uns täglich befassen.“ Manche Vorschläge seien da einfach aus der Hüfte geschossen, kritisiert Bogs eilig vorgestellte Konzepte, die seiner Meinung nach bei genauerer Betrachtung wenig Gewinn versprechen oder sich kurzfristig gar nicht realisieren ließen, weil, wie bei Photovoltaik- oder Wärmepumpenanlagen, mittlerweile mit über zwölf Monaten Lieferzeiten gerechnet werden müsse. „Umstellung auf alternative Energieträger geht nicht mal eben so“, macht Bogs klar.

Bogs Mitarbeiter haben beispielsweise einmal ausgerechnet, was eine Umstellung von Gas auf Flüssiggas in der Realschule am Buchenberg kosten würde. Allein für einen geeigneten Tank müsse man 130.000 Euro investieren. „Da muss man schon einen Plan haben, wie man verfahren und wie man das alles finanzieren möchte“, erinnert Detlef Bogs daran, dass die Mehrzahl öffentlicher Gebäude, etwa 30, mit Gas beheizt werden.

Was kann man also tun? Ein Maßnahmenplan soll helfen, weitere Hebel anzusetzen, um den Verbrauch zu senken. Damit kommt dem Energiemanagement, im Rathaus seit April nach drei Jahren wieder mit einem Manager besetzt, zusätzliche Bedeutung zu. Da geht es beispielsweise darum, wie weit die Raumtemperaturen im Rathaus oder in Schulen heruntergefahren werden können, ob und welche Einsparpotenziale Homeoffice bieten, wie sich Nachtabsenkungen, Schalt- und Nutzungszeiten anpassen, die Einstellungen von Heizungsanlagen durch regelmäßige Überprüfung optimieren lassen und insbesondere auch darum, Mitarbeiter und Bewohner städtischer Einrichtungen und Häuser immer wieder dafür zu sensibilisieren, wie sie mit eigentlich wenig Aufwand viel dazu beitragen können, Energie zu sparen. Nicht zu vergessen sei Umwelt- und Klimaschutz. Jeder noch so vermeintlich kleine Beitrag helfe, das große Ziel einer sicheren und unabhängigeren Energieversorgung zu erreichen.

Bogs bedauert gerade in diesem Zusammenhang, dass in manchen Steinfurter Schulen den Empfehlungen für richtiges Intervall-Lüften während der Corona-Pausen nicht überall konsequent gefolgt worden ist. Auf die nachlässige Weise sei viel Wärme und Energie buchstäblich zum Fenster hinaus gepustet worden. Bogs: „Das muss nicht sein.“

Mittel- und langfristig gelte es natürlich, so erklärte der Fachdienstleiter weiter, die Systematik innerhalb der Gebäude- und Energiewirtschaft zu verfeinern. Eine Umstellung auf LED-Beleuchtung werde schon seit Jahren verfolgt. Energetische Sanierung von Altbauten sei ebenfalls ein ganz großes Thema. Bereits bei den anstehenden Um- und Anbauten der Steinfurter Grundschulen würden Konzepte einer unabhängigeren Energieversorgung verfolgt. Geprüft werde auch, ob und wie sich mehr Gebäude an Biogas-, Photovoltaik- und Fernwärmeanlagen anschließen lassen. Für Neubauten könnte eine regenerative Energieversorgung Standard werden.

Nach dem Ende der Sommerferien sollen die Vorschläge für ein Maßnahmenpaket dann mit der Verwaltung und der Politik abgestimmt werden. Detlef Bogs ist sicher: „Diese Themen werden uns noch viele Jahre beschäftigen.“

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