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Die allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus steht vor der Einführung: Was sagen Steinfurter „Promis“?

„Anders kommen wir da nicht raus“

Steinfurt

Noch gilt sie in Deutschland nicht – im Gegensatz zu anderen Ländern wie Österreich, die sie als „letztes Mittel der Wahl“ zur Eindämmung der Corona-Pandemie durchgesetzt haben. Doch auch hierzulande wird die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht immer wahrscheinlicher. Wie aber stehen lokale Steinfurter Persönlichkeiten zur Impfpflicht? Die Redaktion fragte nach.

Von Ralph Schippers und Dirk Drunkenmölle und

Eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona hat die Politik bislang immer abgelehnt. Doch angesichts dramatisch steigender Zahlen setzt allmählich ein Umdenken ein. Eine Umfrage unter Steinfurter „Promis“ zeigt, dass es für viele keine Alternative dazu mehr gibt. Foto: epd

Noch gilt sie in Deutschland nicht – im Gegensatz zu anderen Ländern wie Österreich, die sie als „letztes Mittel der Wahl“ zur Eindämmung der Corona-Pandemie durchgesetzt haben. Doch auch hierzulande wird die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht immer wahrscheinlicher. Der voraussichtliche Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich ebenso wie der neue NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) für den verpflichtenden Piks ausgesprochen. Scholz kündigte bereits an, die nötigen Anträge für eine Abstimmung im Bundestag noch vor dem Jahreswechsel einbringen zu wollen. Wie aber stehen lokale Steinfurter Persönlichkeiten zur Impfpflicht? Die Redaktion fragte nach.

„Ich habe lange auf Freiwilligkeit beim Impfen gesetzt und viele, auch in Steinfurt, haben sich ja auch immunisieren lassen“, sagt Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer. Aber es gebe offensichtlich einen Bodensatz an Hardlinern, an denen wider aller Vernunft alle Appelle abprallen. „Daher halte ich es als letzte Konsequenz für richtig, die Impfpflicht einzuführen“, stellt die Bürgermeisterin klar. Als Chefin der örtlichen Ordnungsbehörde hat sie aber auch einen weiteren Aspekt im Auge: Den der Durchsetzbarkeit in der Praxis. Bögel-Hoyer: „Das wird sicher nicht einfach sein, wenn Impfgegner sich partout verweigern.“ Letztlich müsse der Staat indes durchgreifen, wenn die angesichts der hohen Inzidenzen jetzt eingeführten schärferen Maßnahmen nicht greifen sollten. „Es gibt auch in der Geschichte der Bundesrepublik Beispiele, die zeigen, dass man mit einer Impfpflicht gegen Seuchen Erfolg haben kann“, so die Bürgermeisterin mit Hinweis auf die Pockenimpfung, die bis in die Mitte der 1970er-Jahre in Westdeutschland Vorschrift war.

„Erneute Lockdowns würden den Einzelnen wie auch die Gesellschaft zu sehr belasten.“ André Wenning, Schulleiter des Gymnasiums Borghorst, hat eine ganz klare Meinung zum Thema: „Wir sind in einer Phase der Pandemie, die uns allen zeigt: Ohne eine Impfpflicht kommen wir da nicht heraus.“

Im Grunde hätte diese bereits kommen müssen, wirft der Schulleiter der Politik Versäumnisse vor. Schon im Sommer habe die Wissenschaft gewarnt, dass die Pandemie im Winter wieder aufflammen könnte, wenn die Impfquote nicht entscheidend gesteigert werde. Wenning: „Die Entwicklung war also vorhersehbar, auch wenn der Gesundheitsminister etwas anderes behauptet.“ Vor allem Familien seien in der aktuellen Situation hoch belastet, daher sei schnelles Handeln angesagt.

Dörte Michels, Geschäftsführerin des TB Burgsteinfurt und damit einem der größten Sportvereine in der Kreisstadt, betont zwar, dass ihrer Einschätzung nach sicher mehr als 90 Prozent der Vereinsmitglieder geimpft seien. Dennoch sieht auch sie keinen anderen Weg als die Impfpflicht, um aus der Pandemie herauszukommen. Eine schnelle Umsetzung sei wünschenswert, so die TB-Chefin. Allerdings muss der Weg durch die Instanzen auch gut vorbereitet sein, ansonsten drohe wieder Gegenwind von Seiten der Skeptiker.

„Wir müssen die Welle brechen“, sieht Michels dringenden Handlungsbedarf. Auch sie hat Familien, insbesondere aber auch Kinder und Jugendliche im Blick. Es werde für sie schwer, durch die Beschränkungen einer seit fast zwei Jahren andauernden Pandemie Versäumtes wieder aufzuholen, gibt sie zu bedenken. Ein weiterer Lockdown könnte dahingehend noch viel größeren Schaden anrichten als ohnehin schon.

Für Prof. Dr. Matthias Schröder, musikalischer Leiter der Konzertreihen in der Steinfurter Bagno-Galerie, dient der Piks in den Oberarm nicht nur dem Selbstschutz, sondern auch dem Schutz aller anderen. Allein aus Verantwortung gegenüber seinen Studierenden, als Veranstalter und Musiker habe er nie gezögert, sich impfen zu lassen. „Die Impfpflicht halte ich für längst überfällig“, sagt Schröder und ist überzeugt, „dass das Virus noch lange nicht aus der Welt ist. Wir werden uns noch lange damit beschäftigen müssen.“ Irgendwann werde die Covid-Impfung wie die Grippe-Impfung Normalität sein.

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