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Historie kommt wieder ans Licht

Bodendenkmal Burg Ascheberg erfährt durch neues Gestaltungskonzept eine deutliche Aufwertung

Burgsteinfurt

Bodendenkmal Burg Ascheberg ist neu gestaltet

wn

Gabionen über den Mauerresten der Burg Ascheberg sollen die Größe der mittelalterlichen Anlage visualisieren. Foto: Hermann-Josef Pape

Die Geschichte der im Jahr 1164 zerstörten Burg Ascheberg wird wieder lebendig. Das von den Einheimischen liebevoll „Aschebergs Büschken“ genannte Fleckchen Erde am Burgsteinfurter Ortsrand ist auf Initiative des Heimatvereins ausgelichtet und wieder zugänglich gemacht worden. 24 500 Euro Fördermittel sind dazu von der NRW-Stiftung geflossen.

50 Zentimeter hohe Gabionen vermitteln einen Eindruck, wie dick die Mauern der Burg und die Gebäude – insbesondere der Burgfried – einst angeordnet waren. Lediglich Schautafeln fehlen noch, die die Besucher über die geschichtlichen Hintergründe dieses ältesten Bodendenkmals der Stadt informieren sollen. Sobald diese fertig und aufgestellt sind, so der Heimatsvereinsvorsitzende Hans Knöpker, soll auch eine offizielle Eröffnung und Übergabe stattfinden. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

Die Garten- und Landschaftsbaufirma Menzel hat in den vergangenen Monaten das mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe entwickelte Gestaltungskonzept umgesetzt. Ziel war es, dass die im Boden liegenden Fundamente der Burggebäude wieder erkennbar werden.

Ausgangspunkte waren neben den historischen Fakten und topografischen Gegebenheiten auch die Ergebnisse von Grabungen, die der damalige königliche Intendantur- und Baurat J.H. Schmedding im Jahr 1900 durchgeführt hat. Entdeckt wurden von Schmedding der Burgturm, der Bergfried, der mit Ausmaßen von fast neun mal neun Metern und einer Mauerstärke von 2,4 Metern extrem wehrhaft war, sowie ein Burggebäude südlich davon, welches wohl als Palas, als Hauptwohngebäude, interpretiert werden muss, so Christoph Grünewald vom LWL. Gleichzeitig hatte Schmedding nachgewiesen, dass die Burg nicht durch Mauern, sondern durch einen Erdwall mit hölzerner Palisade geschützt war. Leider liegen die Originalgrabungsdokumentation und die Vermessungsunterlagen nicht mehr vor, so dass seine Ergebnisse – insbesondere zu den Mauerbefunden – heute in der Örtlichkeit nicht mehr nachvollzogen werden können.

Die LWL-Archäologen haben daher im Jahr 2010 mehrere Sondagen durchgeführt, um die Lage dieser Mauern exakt festzustellen und ihre Erhaltung zu prüfen. Hierdurch wird es auch möglich, bei der Beschilderung die Schautafeln exakt an den zu beschreibenden Orten zu platzieren und die Visualisierungen historisch korrekt zu verorten.

Darüber hinaus konnten neue Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Burg und einige neue Funde geborgen werden, was um so wichtiger ist, als die Altfunde nicht erhalten sind.

Das Gesamtkonzept ist auf vier Säulen aufgebaut: Information, Nachhaltigkeit, kostengünstige Realisierung, standortgerechtes Design. Es berücksichtigt aber auch, dass viele der Elemente in Eigenarbeit hergestellt oder realisiert werden können.

Mit der Umsetzung des Gestaltungskonzepts wird die kurze, aber spannende Geschichte dieser Anlage wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerufen – und der naturbelassene Rundweg (von Baumstämmen markiert) soll natürlich auch als touristisches Ziel genutzt werden. Weniger als zwei Kilometer vom Schloss entfernt lassen sich leicht Verbindungen herstellen.

Positiv haben übrigens die Anwohner die fast fertige Anlage schon in Augenschein genommen. Johann Ascheberg vom Hof Ascheberg, der als Nachfolger eines der beiden Haupthöfe gelten darf, die in dem Güterverzeichnis der Odelhildis 1206 erwähnt wurden, erklärte: „Das Bodendenkmal hat mit den Arbeiten eine Aufwertung erfahren. Wir hoffen, dass auch für die Sauberkeit und Pflege des Areals gesorgt wird.“

Johann Ascheberg
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