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Eheleute Dwersteg nehmen nach 20 Jahren Sonnenstromeinspeisung Folgeangebot der Stadtwerke an

Bonus für Photovoltaik-Pioniere

Borghorst

Marianne und Ludger Dwersteg gehören zu den Steinfurter Pionieren der privaten Stromerzeugung durch die Kraft der Sonne: Im Mai 2000 ging die Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Einfamilienhauses am Kastanienweg ans Netz. Für den gelernten Elektriker und seine Frau war es damals noch ein echtes Abenteuer, auf das sie sich einließen.

Von Ralph Schippers

Seit mehr als 20 Jahren erzeugt die PV-Anlage des Einfamilienhauses der Eheleute Marianne und Ludger Dwersteg (2.v.r.) grünen Strom. Nach dem Auslaufen der EEG-Förderung stellen sie nun auf Eigenverbrauch um und beziehen den Strom, den sie zusätzlich benötigen, von den Stadtwerken. Vertriebsleiter Tobias Wünnemann (l.) und Geschäftsführer Rolf Echelmeyer (r.) freuen sich darüber, die Dwerstegs als Kunden behalten zu dürfen. Foto: rs

Marianne und Ludger Dwersteg gehören zu den Steinfurter Pionieren der privaten Stromerzeugung durch die Kraft der Sonne: Im Mai 2000 ging die Photovoltaikanlage auf dem Dach ihres Einfamilienhauses am Kastanienweg ans Netz. Für den gelernten Elektriker und seine Frau war es damals noch ein echtes Abenteuer, auf das sie sich einließen. Wie zuverlässig wird die Anlage laufen? Wird die Technik halten? Welchen Ertrag steht unter dem Strich? Bei satten 72000 Mark Anschaffungskosten für die Module mit einer Spitzenleistung von zusammen rund fünf Kilowatt und deren Installation war schon eine gehörige Portion Idealismus gefragt, den Schritt zu wagen. „Ich habe aber nicht in erster Linie auf den Gewinn geschaut“, sagt Ludger Dwersteg 22 Jahre später rückblickend. Er habe Spaß an der Technik gehabt und wollte etwas für die Umwelt tun. Also sei er vorausgegangen.

Bis zu 3300 Kilowattstunden speiste die Anlage in den Folgejahren ins öffentliche Netz ein. 99 Pfennig, später nach der Umstellung auf den Euro 50 Cent gab’s dafür vom Netzbetreiber je Einheit. Im Vergleich zu heute eine nahezu fürstliche Vergütung. Und dennoch reichte sie nicht aus, um in zwei Jahrzehnten die schwarze Null zu erreichen. Dwersteg führt das auf die seinerzeit noch nicht so gute Effizienz der Module, auf die nicht optimale Ausrichtung der Anlage sowie auf die Wechselrichter zurück, die in den Anfangsjahren noch sehr stromfressend waren.

Enttäuscht ist das Borghorster Ehepaar ob dieser Bilanz jedoch nicht. Denn nach Auslaufen der offiziellen Vergütung nach dem sogenannten Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) nach 21 Jahren wird die Anlage weiter zum Nutzen der Besitzer Strom produzieren. Eigenverbrauch heißt das Zauberwort. Rund ein Drittel des Strombedarfs des Zwei-Personen-Haushalts kann mittels Sonnenstrom gedeckt werden, hat der pensionierte Polizeibeamte ausgerechnet. Er hat sich dafür einen Zweirichtungszähler in den Schaltschrank einbauen lassen. Erzeugt die Anlage so viel Strom, dass dieser den Selbstverbrauch übersteigt, speist das Ehepaar Dwersteg wieder ins öffentliche Netz ein. Abnehmer sind als Netzbetreiber die Stadtwerke Steinfurt, die sich dafür bei den Dwerstegs revanchieren und zusätzlich zu dem üblichen Marktwert pro eingespeister Kilowattstunde einen Cent Bonus bezahlen.

„Unser Interesse ist es, Betreiber von Altanlagen, die aus der EEG-Förderung herausfallen, als Produzenten für unseren Landstrom zu gewinnen“, sagt Geschäftsführer Rolf Echelmeyer. Der Energieversorger setzt schon seit längerem auf selbstproduzierten Regionalstrom und fährt gut mit diesem Modell. „Wir sind nicht teuer als andere Anbieter“, ergänzt Vertriebsleiter Tobias Wünnemann. Und das mit einem Anteil von Ökostrom von hundert Prozent, den die Stadtwerke seit dem Jahreswechsel garantieren. Die Ein-Cent-Regelung für PV-Altanlagenbesitzer sei darüber hinaus auch ein Instrument der Kundenbindung. Voraussetzung sei indes, dass der Einspeiser den Strom, der über den Eigenverbrauch hinaus geht, von den Stadtwerken bezieht.

Marianne und Ludger Dwersteg haben das Angebot des Energieversorgers gerne angenommen und bekennen sich zu den Stadtwerken. „Wir sind keine Hopper, die jährlich den Anbieter wechseln“, betont Ludger Dwersteg. Ihm seien Verlässlichkeit und Kompetenz vor Ort wichtiger als ein paar Cent Einsparung. Und dass diese Pfennigfuchserei auch mit einer Bauchlandung enden kann, habe man ja erst jüngst gesehen, spricht er die Insolvenzen mehrerer Billiganbieter an. Sie waren Opfer der aktuellen Marktentwicklung bei den Strompreisen geworden und hatten ihren Kunden gekündigt.

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