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Offener Ganztag bei Ines Ambaum in der Buch-Kunst-Druck-Werkstatt

Bücher sind nicht nur zum Lesen da

Borghorst

Eigentlich sind Bücher ja zum Lesen da. Die Kinder in der Buch-Kunst-Druck-Werkstatt können aber noch viel mehr mit ihnen anstellen: Zum Beispiel die Seiten zu einem Fächer oder einem Diamanten falten. Oder einer Streitaxt.

Bernd Schäfer

Ines Ambaum zeigt den Schülerinnen, worauf sie bei der Arbeit mit Druckerpresse achten müssen. Und gibt ihnen jede Menge Tipps, wie aus Farben und Vorlagen kleine Kunstwerke entstehen können. Foto: Bernd Schäfer

Davon liegt leider gerade kein fertiges Exemplar in den Regalen der Werkstatt in der Nikomedesschule – deshalb schnappt sich Lena einen der als Rohmaterial herumstehenden Romane und beginnt zu falten: „Siehst du, so geht das ... und so sieht das dann aus“, sagt sie, als sie die Seiten nach und nach in neue Formen bringt.

Auch ein ganz eigenes Buch haben sie und die anderen Kinder der Heinrich-Neuy-Schule, die die Werkstatt einmal wöchentlich im Rahmen des Offenen Ganztags besuchen, schon hergestellt. Natürlich keines, in dem man nur blättert, das wäre zu simpel.

„Zeigt doch mal ein Fallbuch“, fordert Ines Ambaum, die das Kunstprojekt unter dem Dach des Vereins für Kinder, Jugend und Kultur „Dampfross“ leitet, auf.

Damit die Buchstaben nach dem Druck lesbar sind, müssen sie vorher spiegelverkehrt sortiert werden – das ist gar nicht so einfach. Foto: Bernd Schäfer

Und schon flitzen die Kids zum Regal und holen stolz ihre Werke, die auf den ersten Blick wie viereckige Papierstapel aussehen, sich dann aber als komplex wie eine Art Ziehharmonika gefaltete Seiten herausstellen, die später beschriftet werden können.

Heute steht jedoch erst einmal das Drucken auf dem Plan. Dafür müssen die weißen Papierblätter zunächst an der messerscharfen Schneidemaschine auf die passende Größe gebracht werden – und damit da keine Finger verloren gehen, haben die Dritt- und Viertklässler vorher einen „Schneidemaschinen-Führerschein“ gemacht.

Dann geht‘s ans Motiv. „Was fällt euch zum Sommer ein?“, fragt Ines Ambaum, die einst Buchbinderin lernte und heute als Künstlerin, Kunsttherapeutin und Dozentin für Buchbindekunst und Papierdesign arbeitet. Einige der Schüler haben da aber schon längst begonnen, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen: Gleich auf zwei Blättern entsteht das Logo des FC Bayern München, ein anderer Junge zieht die Mannschaft von Portugal vor.

Mit Walzen, Farbe und aus Polystyrolplatten ausgestanzte Buchstaben werden dann Schriftzüge aufgedruckt. Bei denen gilt es aufzupassen: Damit man das Wort später auch lesen kann, muss es in der Druckvorlage spiegelverkehrt geschrieben werden. „Das ist ganz schön schwierig“, gibt Svenja offen zu.

Auf der anderen Seite des großen Tisches wird ganz anders gearbeitet: Auf einer Acrylglasscheibe werden zunächst Farben für einen Hintergrund gemischt und danach Motive mit einem Bleistift in eine Polystyrolplatte geritzt. Danach wird alles zusammen vorsichtig auf die Druckpresse gelegt und auf ein Papier gewalzt – fertig ist das nächste kleine Kunstwerk.

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