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Bundestagswahl in Steinfurt: Bündnisgrüne verdoppeln Stimmenanteil gegenüber 2017

CDU steckt ein, SPD in Feierlaune

Steinfurt

Herbe Einbußen für die CDU, ein Wiedererstarken der Sozialdemokraten, eine FDP mit Konstanz sowie Bündnisgrüne, die ihre Stimmenanteile gegenüber dem Urnengang von vier Jahren verdoppelt haben: So lässt sich, auf einen kurzen Nenner gebracht, das Ergebnis der Bundestagswahl bezogen auf Steinfurt betrachten.

Von Ralph Schippers und Axel Rollund

Pünktlich um 18 Uhr begann im Rathaus das Auszählen der Briefwahlbezirke. Diesmal waren es acht an der Zahl, um der Menge der Briefwähler Herr zu werden. Foto: Axel Roll

Herbe Einbußen für die CDU, ein Wiedererstarken der Sozialdemokraten, eine FDP mit Konstanz sowie Bündnisgrüne, die ihre Stimmenanteile gegenüber dem Urnengang von vier Jahren verdoppelt haben: So lässt sich, auf einen kurzen Nenner gebracht, das Ergebnis der Bundestagswahl bezogen auf Steinfurt betrachten. Apropos kurz: Alles andere als das war der Wahlabend für die zahlreichen Wahlhelfer, die beim Auszählen aktiv waren. Die letzten Ergebnisse lagen erst gegen 20.45 Uhr vor, da waren die Wahllokale schon mehr als zweieinhalb Stunden geschlossen. Vor allem die Abarbeitung der großen Anzahl von Briefwählern erwies sich als aufwendig – obwohl mit acht Briefwahlbezirken doppelt so viele wie vor vier Jahren gebildet worden waren.

16,8 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinigt – Grünen-Ortsverbandssprecher Heinz-Bernd Bödding war ob dieses Ergebnisses zwar erfreut, allerdings merkte er mit Bezug auf den Bund auch an, „dass wir unser Hauptziel, einen Politikwechsel in Deutschland herbeizuführen, nicht erreicht haben“. Bödding sieht das klare Stimmenplus als Ansporn, sich weiter anzustrengen und in vier Jahren die Führungsposition zu übernehmen. Die Hauptstadt mache dies gerade vor, sagte er am frühen Wahlabend mit Blick auf Wahl in Berlin, wo erstmals überhaupt eine grüne Bürgermeisterin möglich war. Was eine mögliche Regierungskoalition anbelangt, sah er eine Ampel als das kleinere Übel an, „wenngleich wir mit den Ansichten der FDP nicht auf einer Linie sind“.

Bei den Erststimmen ein Minus von mehr als elf Prozentpunkten auf knapp 34 Prozent, der Zweitstimmenanteil vor Ort mit gut 28 Prozent geringer als der der SPD (30,3 Prozent) – für die CDU kam es am Wahlabend faustdick. „Es war gerade für Jens Spahn keine einfache Situation“, kommentierte der Stadtverbandsvorsitzende Jan Röschenkemper die herben Stimmenverluste für die sonst so erfolgsverwöhnten Christdemokraten. Als Bundesgesundheitsminister habe Spahn manch unpopuläre Entscheidung treffen müssen, die kritisch gesehen wurde. Zudem habe er wegen der Corona-Krise den Wahlkampf nicht so intensiv führen können wie gewohnt. Der verbliebene Stimmenanteil habe aber trotz allem auch gezeigt, dass er als Politiker nach wie vor großes Vertrauen bei den Wählerinnen und Wählern im Wahlkreis besitzt. Was die Verhandlungen einer möglichen Jamaika-Koalition anbetrifft, hielt sich Röschenkämper bedeckt. „Man muss sehen, wie groß die Schnittmengen sind.“

FDP-Vorsitzende Kira Jörg sieht für ihre Partei alles offen. „Vor Ort haben die Liberalen einen engagierten Wahlkampf gemacht. Das war eine tolle Kooperation“, freut sich die FDP-Chefin. Die Partei liege in den Hochrechnungen zweistellig. „Damit sind wir dabei.“ Sie habe vollstes Vertrauen in den Parteivorsitzenden Christian Lindner. „Er wird unsere Werte bei den anstehenden Verhandlungen richtig vertreten.“ Man müsse jetzt alles auf sich zukommen lassen. „Wir hoffen auf das letzte Quäntchen Glück. Sie sei froh, dass die Grünen in ihrem Aufwärtstrend ein bisschen eingebremst worden seien. Zum Endergebnis der FDP noch einmal lachend: „Wir hätten natürlich sehr viel mehr verdient.“

Bei der SPD gab es nach der Stimmenauszählung eine kleine Wahlparty mit Würstchen vom Gasgrill. „Es war ein engagierter Wahlkampf mit einem tollen Team und einem Ergebnis, das uns stolz macht“, zeigte sich der Ortsvorsitzende Frank Müller in Feierlaune. Er stellte vor allem auch das Ergebnis von Sarah Lahrkamp heraus. Die Ochtruperin hatte als Neuling auf Anhieb fast 30 Prozent Erststimmenanteil unter den Steinfurter Wählern erreicht. „Ich denke, dass sie mit ihrem Schwerpunkt auf Familienpolitik den Nerv der Leute einfach getroffen und mit ihrem Wahlkampf die Menschen überzeugt hat“, so Müller. Auch wenn es nicht sicher ist, dass die mit ihrem Ergebnis auf Wahlkreisebene in den Bundestag einzieht, „werde sie ihren Weg auf jeden Fall machen“.

Süße Überraschung für alle Steinfurter Wahlhelfer, und das von der Chefin persönlich: Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer fuhr am Sonntag alle Wahllokale ab und hinterließ für jeden der vielen Helfer ein Überraschungspäckchen mit Schokolade - natürlich fair gehandelt. „Die Beteiligung ist überall sehr gut“, freute sich die Erste Bürgerin über viele überzeugte Demokraten in ihrer Stadt. Für die Wahlhelfer gab es zusätzlich die von der Bundesregierung ausgestellte Urkunde für den ehrenamtlichen Einsatz. Für die Helfer, die schon fünfmal dabei waren, gehörte ein Sticker fürs Revers dazu.

Die Wahlbeteiligung lag bei 78,5 Prozent und damit etwas höher als vor vier Jahren.

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