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Bevorstehende Änderungen bei Bürgertests

Corona-Stationen beklagen schlechte Informationspolitik

Steinfurt

Die Betreiber der Corona-Teststellen in Steinfurt haben die Faust in der Tasche längst geballt. Als chaotisch, nicht nachvollziehbar und inkonsequent verurteilen sie die Entscheidung der Bundesregierung, ab Freitag (1. Juli) Einschränkungen bei den Corona-Bürgertests zu machen.

Von Dirk Drunkenmölle

Kostenlos sollen zukünftig nur noch sogenannte vulnerable Bevölkerungsgruppen auf Covid-19 getestet werden. An den Stationen herrscht große Unsicherheit, wie die Änderungen umgesetzt werden. Foto: dpa

Lediglich für Kinder unter fünf Jahre, Schwangere oder Krankenhaus- und Pflegeheimbesucher oder Covid-Infizierte, die sich freitesten wollen, sollen die Schnelltests weiterhin umsonst sein. Wer am selben Tag Veranstaltungen in Innenräumen besuchen will oder zu Menschen ab 60 Jahren oder Personen mit hohem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken, Kontakt haben wird, wessen Status in der Corona-Warn-App auf Rot steht oder wer mit infizierten Personen im selben Haushalt lebt, soll zukünftig drei Euro, alle weiteren den vollen Betrag für die Untersuchung berappen.

Aber: „Nichts genaues weiß man nicht“, fühlen sich Testzentren-Betreiber wie Oliver Thom, Christian Iker oder Joel Thüning von der Politik und den zuständigen Behörden durch die Änderungen überrumpelt. Die Verunsicherung ist groß. Lediglich ein Verordnungsentwurf des Lauterbach-Ministeriums kursiert im Internet. Handfeste Beschreibungen, wie ab dem Wochenende verfahren werden soll und muss, wie beispielsweise unterschieden und kontrolliert werden soll, ob jemand berechtigt ist, einen kostenlosen Test zu bekommen oder nicht, gibt es nicht. „Fehlanzeige“, ist Oliver Thom ratlos.

Kritik der Teststellen-Manager

Viele Fragen bleiben unbeantwortet, kritisieren die Teststellen-Manager. Die Aufklärung sei mangelnde, die Informationspolitik „unterirdisch“. „Die Situation ist unklar und äußerst schwierig“, schildert Christian Iker seine aktuelle Lage. Ob und wie es weitergeht, könne aktuell niemand genau sagen. Planungssicherheit sei nicht vorhanden, insbesondere nicht im Hinblick auf die Weiterbeschäftigung der zahlreichen Mitarbeiter in den Zentren. Die meisten Beschäftigungsverträge laufen morgen aus. Allein in den Stationen, die Thüning betreibt, sind bis zu 80 Frauen und Männer im Schichtdienst im Einsatz.

Auch was die zukünftige Abrechnung mit den Kostenträgern betrifft, fehlen den Betreibern offenbar detaillierte Infos. Iker: „Wir können unsere Station nur weiter betreiben, wenn sich das alles wirtschaftlich rechnet.“

Olaf Rose

Auch Katharina Hombach in der Bauhaus-Apotheke in Borghorst und Dr. Olaf Rose von der Elefanten-Apotheke in Burgsteinfurt lassen kaum ein gutes Haar an dem neuen Verfahren. Bei allem Verständnis für den Bund, die hohen Kosten für die Bürgertests zu senken, sie das vorgeschlagene Verfahren wenig praxistauglich. Es sei zu kleinteilig, zu detailliert, kaum überprüfbar. „Das ist absurd und eine Frechheit, wie man mit uns umspringt“, lässt Olaf Rose Dampf ab. Hombach ergänzt: „Man lässt uns allein im Regen stehen.“ Die Regelungen würden nicht nur einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand bedeuten, sondern insbesondere an der Realität des Testgeschehens vorbeigehen.

Nachfrage steigt wieder stark an

Rose berichtet von einer täglich wieder stark steigenden Nachfrage nach Testterminen und einem „brutalen Anstieg“ positiver Ergebnisse. „Nahezu jeder Tag ein neuer Rekord“, befürchtet Rose, dass, sollte die Bezahlschranke fallen, viele Infektionen gerade jetzt unentdeckt bleiben könnten, wo die Zahl der Corona-Fälle wieder steige. Nur die Menschen zu testen, die besonders gefährdet sind oder bereits Symptome haben, sei zu spät. „Alle sprechen über eine drohende Welle neuer Infektionen im Herbst. Sie ist längst da“, sagt Rose.

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