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Ferdi Brust tritt von der Spitze des Bürgerbus-Vereins zurück – und wird Ehrenvorsitzender

Den Fuß vom Gas

Steinfurt

Eine Ära geht zu Ende: Ferdi Brust reichte als Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins seinen Abschied ein. Und wurde von den Vereinsmitgliedern zum Ehrenvorsitzenden gemacht. Das war aber nicht die einzige Überraschung bei der Jahreshauptversammlung am Montag.

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Ferdi Brust räumt den Platz am Volant. Bei der Versammlung des Bürgerbus-Vereins wurde er zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Und aus dem Vorstand verabschiedet. Foto: Axel Roll

Nach 14 Jahren nimmt Ferdi Brust den Fuß vom Gas. Gestartet mit „nichts, außer guten Ideen“, wie es sein Nachfolger Josef Greive treffend umschrieb, hat der bisherige Vorsitzende des Steinfurter Bürgerbus-Vereins den roten Flitzer zu einem stadtteilverbindenden Element gemacht, das für die Mobilität vieler Bürger gar nicht mehr wegzudenken ist. Und nicht nur das. „Der Bürgerbus hat auch eine wichtige soziale Komponente“, betonte Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer bei der Jahreshauptversammlung des Vereins am Montagabend in der Gaststätte Börger. So ist es nur logisch, dass Brust nicht einfach so seinen Platz am Steuer räumte. Nach seinem letzten Jahresbericht machten ihn die Mitglieder zum Ehrenvorsitzenden. Unter lang anhaltendem Applaus.

Den Rücktritt hatte sich die „rheinländische Frohnatur“, wie der neue Chef-Fahrer den scheidenden Steuermann charakterisierte, wohl überlegt. „Mit einer vorne stehenden Acht wird es Zeit, den Platz freizumachen“, betonte Ferdi Brust. Ob er allerdings so ganz die Finger von dem Projekt Bürgerbus lassen kann? Seine Vorstandskollegen haben da so ihre Zweifel.

Der frisch gebackene Ehrenvorsitzende („Jetzt hat das Kind Bürgerbus auch einen Opa“) hinterlässt ein blitzsauber geführtes Kleinunternehmen, wie aus den Jahresberichten deutlich hervorging. Selbst die Corona-Zeit, die den Neunsitzer über Monate in die Garage verbannte, konnte dem blitzenden Lack allenfalls einige kleine Dellen in der Fahrgaststatistik verpassen. Natürlich gingen die Zahlen in der Zeit auf Null. In der Gesamtsumme zählt Fahrdienstleiter Wilhelm Klaassen aber trotzdem fast 80 000 Mitfahrer. Und für die rund 120 Mitglieder sehr erstaunlich: Auch durch das jüngst eingeführte Neun-Euro-Ticket ist der Bus schon wieder auf der Überholspur.

Ferdi Brust betonte in seiner emotionalen Abschiedsrede mehrfach: „Ohne Euch hätten wir das alles nicht geschafft.“ Euch, das sind zum einen die über 40 ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer. Zum anderen die Vorstandskollegen. Brust wörtlich: „Eine tolle Truppe, Ihr seid der Motor des Ganzen.“ Nachholbedarf sieht der Ehrenvorsitzende allenfalls bei der Frauenquote. Die liegt im Verein bei 18 Prozent. Der augenzwinkernde Appell Brusts: „Liebe Damen, meldet Euch gerne, Ihr werdet hier sehr nett behandelt.“

Der neue Mann am Volant ist sich seiner Aufgabe wohl bewusst: „Ich trete in sehr große Fußstapfen.“ Unvorbereitet ist er deswegen aber noch lange nicht. Der pensionierte Lehrer, der jetzt mehr mit Fahr- als mit Stundenplänen zu tun hat, war drei Jahre lang stellvertretender Vorsitzender. Mitglied ist er seit 2011, wenig später drehte er als Fahrer bereits die ersten Runden mit dem Bürgerbus. Inzwischen wurden daraus an die 400 Einsätze. „Im Schnitt mit elf Fahrgästen pro Tour.“ Im Schritttempo führte Ferdi Brust seinen späteren Nachfolger an die Führungsaufgaben heran. „Wer kann schon der permanenten Charmeoffensive eines Ferdi Brust widerstehen?“, fragte Alfred Greive in die Runde. Und erntete dabei wissendes Lachen.

Durch den Wechsel an der Spitze bleiben die Ziele des Vereins unangetastet. „Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger dabei unterstützen, möglichst lange ihre Mobilität zu erhalten“, betonte Greive. Außerdem soll das Vereinsleben weiterhin so gestaltet werden, dass sich die Mitglieder wohl fühlen: „Fahrbetrieb, Verein und Auto sollen in der Spur bleiben.“

Ein sicheres Indiz, dass es beim Bürgerbus-Verein auch so ist, waren die Formalien bei der Jahreshauptversammlung. Ob Kassen- oder Jahresberichte, ja sogar die Wahlen wurden alle mit Vollgas und ohne stotterndem Motor abgewickelt. So gab es bis auf den Vorsitz keine Wechsel im Vorstand. Das leichte Defizit von rund 2500 Euro, das sich in der Jahresbilanz 2021 andeutet, ist einzig der Pandemie geschuldet. Die Fahrgastzahlen sind nach dem kurzen Sinkflug nämlich schon wieder auf dem Weg nach oben. Eine der letzten Amtshandlungen von Ferdi Brust war die Ehrung von Heinrich Pape, der als ehrenamtlicher Fahrer in den Ruhestand ging. Wie Brust ein Mann der ersten Stunde.

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