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Musikexpress von Timm Welte kommt seit fünf Jahren nach Borghorst

„Der Muffenmarkt ist eine gute Kirmes“

Borghorst

Es war ein Schnellschuss. Innerhalb von zwei Wochen wurde der Muffenmarkt aus dem Boden gestampft. Timm Welte ist mit seinem Power Express seit fünf Jahren dabei. Die Vorfreude ist nicht nur bei den Schaustellern groß.

-ar-

Timm Welte und seine Mitarbeiter benötigen zwei Tage für den Aufbau ihres Musikexpress. Morgen soll es rund gehen beim Borghorster Muffenmarkt. Foto: Axel Roll

Wie die Schausteller-Saison bislang so war? Timm Welte winkt ab. „Eine gefühlte Katastrophe.“ Da ist das Schietwetter in Borghorst mit Regen und Sturm während des Aufbaus noch eines der klitzekleinen Probleme. Klar, schon oft gehört: Corona hat Welte und seinen Kollegen wirtschaftlich extrem zugesetzt. Der fahrende Unternehmer hat in normalen Jahren 25 Standorte für seinen Musikexpress, der korrekterweise Power Express heißt. In diesem sind es sieben. Nach dem Muffenmarkt kommt noch Osnabrück. Dann geht es zurück ins heimatliche Bramsche. „Und danach hoffe ich mal, dass die geplanten Weihnachtsmärkte alle stattfinden können“, sagt der erfahrene Schausteller. Denn nur mit diesen Einnahmen kommt er glatt durch den Winter. Bis März ist nämlich Schicht im Schacht, Sendepause. „Sonst haben wir immer für diese Zeit angespart. Das ging in diesem Jahr aber nicht“, erklärt Welte.

Mit der „gefühlten Katastrophe“ meint der Fahrgeschäft-Inhaber aber auch diese vielen, vielen (Corona)Überraschungen, meistens unliebsame, die das Planen sehr schwer gemacht haben. Dafür ist der Muffenmarkt ein gutes Beispiel. Bis vor zwei Wochen war noch gar nicht klar, dass er stattfinden kann. Seitdem ist das Team um Marktmeisterin Vera Schubert im Dauerstress. „Am Dienstag haben wir bis 21.30 Uhr zusammen mit den Schaustellern die Standplätze ausgemessen“, erzählt die Schubert. Das Problem der Stromversorgung wurde erst auf den letzten Drücker gelöst. Improvisieren lautet die Devise.

Timm Welte hat in einer Beziehung großes Glück: Seine vier Mitarbeiter sind über Corona hinweg alle bei der Stange geblieben. „Es gibt einige Inhaber, die aufgeben mussten, weil sie kein Personal mehr hatten“, weiß der Musikexpress-Chef.

Der Aufbau des Musikexpress ist für die Welte-Truppe graue Routine. „Wir benötigen immer zwei Tage“, erzählt der Fahrgeschäft-Eigentümer. Ausmessen, in die Waage bringen, das alles kostet Zeit. Die beim Abbau natürlich nicht benötigt wird. „Da sind wir nach sechs Stunden fertig.“

Der Musikexpress ist seit 1974 in Familienbesitz. Timm Welte ist seit Kindesbeinen auf den Kirmesplätzen zu Hause. Ob früher alles besser war? Er muss nicht lange überlegen: „Zumindest waren die Unkosten erheblich geringer.“ Beispiele fallen ihm viele ein. Jährlich müssen die Maschinen durch den TÜV, die Achsen für die Fahrkabinen geröntgt werden. Diesel, Gas, Löhne – „wer glaubt, hier werden Millionen verdient, der ist verdammt schief gewickelt.“

 Aber jetzt freuen sich die Schausteller erst einmal auf den Muffenmarkt. Timm Welte kommt seit fünf Jahren nach Borghorst. Darum weiß er: „Das ist eine gute Kirmes für uns.“ Und dieses Mal besonders, hofft er: „Die Leute sind nach Corona ausgehungert.“

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