1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Der Schatz aus der Tiefe

  8. >

Interview mit Prof. Dr. Helmut Grüning

Der Schatz aus der Tiefe

Steinfurt

Frisch, kühl und gesund – das Grundwasser hat eine hervorragende Qualität. Grund genug, um es zum Weltwassertag am 22. März einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Prof. Dr. Helmut Grüning, Experte für Wasserversorgung am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster, erklärt die Besonderheiten des durchsichtigen, wertvollen Bodenschatzes.

Prof. Dr. Helmut Grüning von der Fachhochschule Steinfurt ist Experte in Sachen Trinkwasser. Er setzt sich für den Schutz der wichtigen Lebensgrundlage ein. Foto: FH

Frisch, kühl und gesund – das Grundwasser hat eine hervorragende Qualität. Grund genug, um es zum Weltwassertag (am 22. März) einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Prof. Dr. Helmut Grüning, Experte für Wasserversorgung am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster, erklärt die Besonderheiten des durchsichtigen, wertvollen Bodenschatzes.

Herr Prof. Grüning, in Deutschland steht Grundwasser eigentlich jedem uneingeschränkt zur Verfügung und ist gleichzeitig ziemlich gesund. Was ist das Besondere an dem Schatz aus der Tiefe?

Grüning: Das Besondere sind die Mineralstoffe. Nach einem Niederschlag sickert das Wasser durch den Boden in tiefere Schichten und löst dabei Mineralstoffe aus dem Gestein. Deshalb hat Grundwasser aus verschiedenen Regionen immer eine individuelle Zusammensetzung – je nach Bodenbeschaffenheit und Gesteinsschichten. Das wird deutlich, wenn man die Inhaltsstoffe auf den Etiketten verschiedener Mineralwasserflaschen vergleicht. Auch Leitungswasser ist häufig gefördertes Grundwasser. Deshalb sind hier genauso viele Mineralstoffe enthalten wie im Mineralwasser – es heißt nur anders. Die Qualität von Leitungswasser ist hervorragend und es ist unschlagbar günstig im Preis.

Also ist es wichtig das Grundwasser besonders zu schützen?

Grüning: Unbedingt. Etwa 70 Prozent des Trinkwassers in Deutschland wird aus Grundwasser gewonnen. Daher muss es unser Ziel sein, die Wasserressourcen zu schützen. Nur dann kann daraus Trinkwasser ohne Aufbereitung oder mit naturnahen einfachen Aufbereitungsverfahren gewonnen werden. Das ist beim Grundwasser zu einem hohen Anteil möglich. Über Tiefenbrunnen kann es vielfach aus grundwasserführenden Bodenschichten gefördert und direkt getrunken werden. Wenn Grundwasser im Wasserwerk aufbereitet wird, erfolgt beispielsweise eine Entnahme von Eisen oder Calcium. Beides ist für uns lebensnotwendig, könnte aber für den Transport in den Leitungen zu Ablagerungen oder Inkrustationen führen und macht Flecken auf der Wäsche.

Ist Grundwasser durch die natürlichen Prozesse also immer ziemlich sauber und uneingeschränkt verfügbar?

Grüning: Hier gibt es im Wesentlichen zwei Problemschwerpunkte: Die Auswirkungen des Klimawandels mit mehr Trockenheit und Hitze sowie die stoffliche Belastung. Zur Quantität: Seit der Jahrtausendwende gab es gehäuft sehr trockene Jahre. Die führen dazu, dass sich weniger Grundwasser neu gebildet hat. Regional sind die Grundwasserstände der oberflächennahen Grundwasserleiter deutlich gefallen. Insgesamt ist das Wasserangebot in Deutschland nach wie vor hoch, aber regional kam es in den vergangenen Jahren zu Engpässen, auf die reagiert werden muss. Zur Qualität: Neben der Belastung durch Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände und andere Chemikalien, stellt die landwirtschaftliche Nutzung eine Herausforderung dar. Über 50 Prozent der Flächen in Deutschland sind landwirtschaftlich genutzt. Das ist wichtig für die Nahrungsmittelversorgung, führt aber durch den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln zu einer Belastung des Grundwassers. Hohe Nitratgehalte im Grundwasser sind der Grund dafür, dass Deutschland EU-Vorgaben nicht einhält.

Wie können wir da gegensteuern?

Grüning: Wir müssen darauf achten, den Wasserkreislauf zu erhalten. Wasser muss versickern und verdunsten können. Nach wie vor werden zu viele Flächen in Deutschland bebaut und befestigt. Deshalb müssen urbane Räume angepasst werden, damit Wasser nicht in die Kanalisation abgeleitet, sondern ortsnah im Boden versickert. Auch mit der Landwirtschaft sollten Kompromisse eingegangen werden, sodass sowohl die Wasser- als auch die Landwirtschaft zurechtkommen. Zu guter Letzt sollte jeder darauf achten, dass Inhaltsstoffe aus Lifestyle-Produkten oder Arzneimittelrückstände sowie Pflanzenbehandlungsmittel nicht in den Wasserkreislauf gelangen. Dazu ein Hinweis: Ein Durchschnittshaushalt gibt pro Jahr 780 Euro für Telekommunikation aus, für Trinkwasser sind es nur knapp 300 Euro.

Startseite
ANZEIGE