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E-Mobilität in Steinfurt: Nachfrage steigt in allen Bereichen

Die Kurve zeigt deutlich nach oben

Steinfurt

Trotz wieder leicht gesunkener Spritpreise und Maßnahmenpaket der Bundesregierung: Die Zahl derer, die die Elektromobilität für sich als Alternative entdeckt haben, steigt auch in Steinfurt an. Rund 250 Ladepunkte, das heißt ganz überwiegend private Wallboxen sowie einige öffentliche Ladesäulen, gibt es laut Auskunft der Stadtwerke als Netzbetreiber aktuell in der Kreisstadt.

Von Ralph Schippers

Günstig wie nie: Die hohen Spritpreise lassen E-Fahrzeuge zu einer immer attraktiver werdenden Alternative zum Verbrenner werden, um von A nach B zu kommen. Foto: WWU

Trotz wieder leicht gesunkener Spritpreise und Maßnahmenpaket der Bundesregierung: Die Zahl derer, die die Elektromobilität für sich als Alternative entdeckt haben, steigt auch in Steinfurt an. Rund 250 Ladepunkte, das heißt ganz überwiegend private Wallboxen sowie einige öffentliche Ladesäulen, gibt es aktuell in der Kreisstadt, teilt Tobias Wünnemann auf Anfrage mit. Der Vertriebsleiter der Stadtwerke rechnet damit, dass die Nachfrage nach privaten Stromtankstellen weiter steigen wird. Das Auslaufen der KfW-Förderung, die bis zu 900 Euro Zuschuss in Aussicht stellte, habe nur eine kurzfristige Auswirkung gehabt. Der Energieversorger selbst bietet eine Wallbox bereits ab rund 740 Euro an und bezuschusst diese, wenn sich der Kunde für einen lokalen Ökostrombezug entscheidet, mit 250 Euro.

Wer Strom statt Benzin tankt, kann beim aktuellen Spritpreisniveau rund die Hälfte an Kosten sparen. Aktuell kostet der Liter Superbenzin in Steinfurt rund 2,10 Euro. Legt man ein durchschnittliches Mittelklassemodell zugrunde, das rund sieben Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht, entstehen Kosten in Höhe von rund 14,70 Euro auf dieser Strecke. Wer an der eigenen Steckdose in der Garage lädt, der zahlt derzeit in Deutschland rund 36 Cent pro Kilowattstunde. Legt man einen Verbrauch von rund 20 Kilowattstunden zugrunde, die ein E-Auto im Durchschnitt für dieselbe Strecke verbraucht, kommt man auf Kosten in Höhe von 7,20 Euro. Weiteres Sparpotenzial ergibt der Stadtwerke-Landstromtarif mit aktuell 30,68

Cent sowie der spezielle Autostromtarif, der 22,69 Cent beträgt. Allerdings muss dafür eine Wallbox vorhanden sein sowie ein getrennter Zähler eingebaut werden.

Die Rechnung ist natürlich nicht allumfassend. So stehen beim Elektroauto die Steuerbefreiung auf zehn Jahre sowie geringere Verschleiß- und Wartungskosten auf der Habenseite, der klassische Verbrenner ist aber oft schon vorhanden und bei der Neuanschaffung auch häufig trotz Kaufprämie noch etwas günstiger als ein vergleichbares Elektrofahrzeug. Zudem gibt es bei den Gebrauchtfahrzeugen eine Auswahl, die im E-Mobilitätsbereich noch begrenzt ist.

Wer beim Stromtanken noch mehr sparen will, müsste im Vorfeld intensiver investieren. Das Stichwort lautet Eigenerzeugung mittels Photovoltaik, was insbesondere für Eigenheimbesitzer zunehmend attraktiver wird. Die lokalen Solarteure erleben derzeit einen wahren Nachfrageboom. Vorlaufzeiten von über einem halben Jahr für eine neue PV-Anlage sind eher die Regel als die Ausnahme. Mitunter sind die Annahmen neuer Aufträge sogar bis auf Weiteres ausgesetzt. Die hohe Nachfrage kommt nicht von ungefähr: Wer aktuell mit einer Neuanlage mit einer Gesamtleistung von weniger als zehn Kilowatt peak (= Spitzenleistung) ans Netz geht, bekommt für den nicht selbst verbrauchten Strom 6,63 Cent pro kWh als Einspeisevergütung. Wer ausschließlich diesen Strom – die Rede ist von Überschussladen – in sein Auto hinein lädt, den kostet die 100-Kilometer-Strecke nur noch 1,27 Euro.

Zu einer ehrlichen Betrachtung gehört dabei aber auch, dass dies nur in den sonnenreichen Monaten von März bis September/Oktober bei ausreichend dimensionierten Anlagen und der Möglichkeit, während der Tageszeiten immer mal wieder nachladen zu können, machbar ist. Stationäre Batteriespeicher erhöhen die Anschaffungskosten, erweitern aber auch die Nutzungsmöglichkeiten.

Nicht nur Besitzer von eigenen Lademöglichkeiten können durch den Umstieg auf E-Mobilität ihre Verbrauchskosten senken. Um beim Beispiel der Stadtwerke zu bleiben: Wer mit der Ladenetzkarte, die für Stromkunden fünf Euro im Monat kostet, an den eigenen Säulen der Stadtwerke sowie der Stadtwerke-Partner Energie lädt, der zahlt aktuell 36 Cent pro Kilowattstunde beim Laden (Schnellladesäule 40 Cent). was unterm Strich acht Euro als Verbrauchspreis für 100 Kilometer bedeutet.

Interessant für mögliche Überlegungen eines Umstiegs ist auch eine spezielle Förderung für vollelektrisch betriebene Pkw, die einen Ausgleich herstellt und sich Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) nennt. Das Prinzip, das dahinter steckt: Mineralölunternehmen, die zuviel CO2 emittieren, müssen eine Strafzahlung leisten, die wiederum Niedrigemittenten, wie zum Beispiel E-Auto-Fahrer zugute kommt. Die Stadtwerke als Vermittler werden ihren E-Auto-Kunden schon bald diese Vergünstigung in Form einer Gutschrift auf die Stromrechnung anbieten, kündigt Tobias Wünnemann an. 250 Euro per anno stehen im Raum.

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