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Kriminalitätsentwicklung in Steinfurt 2021

„Die Leute passen aufeinander auf“

Steinfurt

Mag das subjektive Empfinden manchmal auch ganz anderes sein, in nackten Zahlen ausgedrückt laufen Bürger in Steinfurt weniger Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden als in anderen und weitaus dichter besiedelten Gegenden des Landes. Das geht aus den Zahlen und Statistiken hervor, die Landrat Dr. Martin Sommer mit führenden Beamten der Kreispolizeibehörde am Montag im Kreishaus vorgestellt hat.

Von Dirk Drunkenmölleund

Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist deutlich zurückgegangen. Die Polizei erklärt die Entwicklung damit, dass die Menschen besser auf ihre Räder aufpassen und das mehr Geld für den wirksamen Schutz vor Langfingern investiert worden ist. Foto: dpa/PÖA

Mag das subjektive Empfinden manchmal auch ganz anderes sein, in nackten Zahlen ausgedrückt laufen Bürger in Steinfurt weniger Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden als in anderen und weitaus dichter besiedelten Gegenden des Landes. Das geht aus den Zahlen und Statistiken hervor, die Landrat Dr. Martin Sommer mit führenden Beamten der Kreispolizeibehörde am Montag im Kreishaus vorgestellt hat. „Ich freue mich über diese Entwicklung“, erklärte der Behördenchef. „Die Region ist noch ein Stück sicherer geworden“, fasste Kriminaldirektor Uwe Klatt die Ergebnisse zusammen. Sicherlich hätten auch die durch die Pandemie veränderten Lebens- und Arbeitsverhältnisse zu dieser Entwicklung beigetragen.

Torsten Roreger, Leiter des für die Dienststellen Steinfurt und Ochtrup zuständigen Kriminalkommissariats 21, beschreibt die Lage als kontrolliert. Außergewöhnliche Brennpunkte und Häufigkeiten bestimmter Verbrechen hätten sich nicht abgezeichnet. Auch wenn Steinfurt in der nach Fall- und Häufigkeitszahlen geordneten Übersicht bei den Anzeigen insgesamt, beim Aufkommen von Gewaltkriminalität und Raub dreimal das Schlusslicht bildet, müsste bei der Bewertung in Prozentpunkten berücksichtigt werden, dass die absoluten Zahlen nur relativ klein gewesen sind. Roreger: „Dann relativiert sich doch einiges.“

Grundsätzlich spiegeln die Steinfurter Ergebnisse den Trend im Kreis wider. Dort sind die Straftaten in 2021 um 4,3 Prozent auf 21 699 zurückgegangen. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. 2186 davon sind in Steinfurt verübt worden. Diebstahl, Vermögen- und Fälschungs- sowie Rohheitsdelikte (Raub, Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Bedrohung, Nötigung und Nachstellung) zählen zu den häufigsten Fällen, denen die Ermittler nachgehen mussten. Ins Auge fällt, dass auch in Steinfurt die Zahl der Sexualdelikte (49) sprunghaft gestiegen ist. Im Kreis ist sie fast um das Doppelte auf 719 gewachsen. Die Zunahme erklärt Uwe Klatt mit den gestiegenen Fällen von „Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischer Schriften“. In diesem Bereich hätte das von Herbert Reul (CDU) geführte NRW-Innenministerium neue Schwerpunkte der Strafverfolgung gesetzt. Klatt: „Es ist schockierend, was da alles ans Tageslicht gekommen ist.“

Von Gewaltkriminalität war Steinfurt in 2021 92-mal betroffen. 19 Fälle davon sind als Raub in die Statistik eingegangen. 91-mal wurde gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Darüber hinaus wurden 648 Diebstähle begangen, 104-mal sind Einbrecher in Häuser und Wohnungen eingestiegen. Fahrraddiebstähle sind in der Region deutlich zurückgegangen. 163 waren es in Steinfurt. Klatt: „Die Radler haben insbesondere ihre teuren Pedelecs besser im Blick.“

Was die Aufklärungsquote betrifft, so geht auch diese Kurve in vielen Bereichen weiter nach oben. In Steinfurt/Ochtrup ist sie mit fast 58 Prozent im Vergleich zu den weiteren Kriminalkommissariaten im Kreis Steinfurt sogar am höchsten. Klatt hielt in diesem Zusammenhang fest, dass in den 24 Städten und Gemeinden im Kreis Steinfurt das Sozialgefüge noch im Lot sei: „Man kennt sich. Die Leute passen aufeinander auf.“ Hinzu komme, dass die Polizei weiterhin viel Energie darauf verwende, vor Ort mit Streifenwagenbesatzungen und Bezirksbeamten präsent zu sein. Zu zentralen Aufgaben zählen auch Vorbeugung und Opferschutz. Bewährte Projekte und Maßnahmen wie „Kein Fahrrad ohne Nummernschild“, „Riegel vor“, „Zu Hause sicher“, Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft, Initiativen, besonders gefährdete Kinder und Jugendliche mit „Kurve kriegen“ davon abzuhalten, straffällig zu werden, werden fortgesetzt. Verstärkt wird auch Präventionsarbeit im Bereich „Neue Medien“ geleistet. Darüber hinaus gibt es spezielle Angebote für Senioren, Opfer von Betrügern, Dieben oder Einbrechern zu werden. Für Opferschutz und -hilfe ist ein eigenes Kriminalkommissariat im Einsatz.

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