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Fehlende Unterbringungsmöglichkeiten

Die Situation spitzt sich zu: In Steinfurt fehlt aktuell Wohnraum für 31 Asylbewerber

Steinfurt

Die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bereitet der Stadtverwaltung zunehmend Kopfzerbrechen. Unterm Strich, das hat Sozialamtsleiterin Isabelle Schmiemann dem Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie Integration und Gesundheit aufgezeigt, fehlen in Borghorst und Burgsteinfurt 31 Plätze. Die Situation spitzt sich zusehends zu.

Von Dirk Drunkenmölle

Damit die Feuerwehr schneller ausrücken kann, sollen im Zuge des Neubaus das alte Bahnwärterhaus (l.) und der benachbarte Klinkerbau abgerissen werden und Platz für eine Fahrzeughalle machen. Mit den Häusern verlieren Asylbewerber und Flüchtlinge allerdings ihre Unterkünfte. Es muss Ersatz geschaffen werden. Das Angebote auf dem freien Markt ist allerdings weitgehend erschöpft. Foto: Drunkenmölle

Die Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern bereitet der Stadtverwaltung zunehmend Kopfzerbrechen. Unterm Strich, das hat Sozialamtsleiterin Isabelle Schmiemann dem Ausschuss für Soziales, Jugend, Familie Integration und Gesundheit aufgezeigt, fehlen in Borghorst und Burgsteinfurt 31 Plätze. Die Situation spitzt sich zusehends zu.

Das Thema ist im Verlauf der Online-Sitzung des Ausschusses am Mittwochabend gleich mehrfach behandelt worden: in Zusammenhang mit der Fortschreibung des Integrationskonzeptes, in dem Bericht über die Zuweisung von Asylbewerbern und die Aufnahme ehemaliger Ortskräfte und gefährdeter Personen aus Afghanistan sowie in den Ausführungen zum Neubau der Feuerwehr an der Ochtruper Straße.

Schmiemann legte dar, dass aktuell 247 Personen in insgesamt 30 städtischen oder angemieteten Gebäuden (67 Wohneinheiten) untergebracht sind. Besonders dramatisch sei die Situation für Familien. Die Plätze für Eltern mit Kindern seien voll belegt. Zieht man die NRW-Verteilstatistik (Stand: 13. Februar 2022) hinzu, erfüllt die Stadt Steinfurt ihre Quote erst zu 90 Prozent. Sie liegt somit unter dem Soll und müsste eigentlich über 50 Plätze mehr verfügen. Tatsächlich hat sie aber momentan nur noch 19 Plätze frei – nur für Einzelpersonen. So fehlen rein rechnerisch unterm Strich 31.

Hinzu kommt, dass in den Zahlen die Unterbringung afghanischer Ortskräfte noch gar nicht einbezogen ist. Die Bezirksregierung hat der Stadt aber mitgeteilt, dass sie mit einer vermehrten Zuweisung dieser Gruppe schon bis Ende März „in deutlich kürzeren Abständen“ rechnen muss. Zurzeit sind es zehn Personen (davon zwei Familien), die in Steinfurt aufgenommen worden sind.

Reserven seien im Augenblick absolut nicht vorhanden, beschrieb Schmiemann, dass die Lage immer kritischer werde. „Der Markt ist leer gefegt. Unser Suche geht in alle Richtung. Bauen, kaufen, mieten. Wir sind für jeden Hinweis dankbar.“

Verschärfend wirkt sich aus, dass mit den Häusern, die an der Ochtruper Straße für den Neubau der Feuerwehr abgerissen werden sollen, kurzfristiger Ersatz nicht zur Verfügung steht. In dem ehemaligen Bahnwärterhaus sind nach Angaben der Stadt fünf Wohnungen unbewohnbar, eine Wohnung werde als Obdachlosenunterkunft genutzt. Aktuell seien dort vier Personen untergebracht. In dem Klinkerbau nebenan sind zwei Wohnungen mit Alleinerziehenden mit jeweils einem Kind belegt. Im „Schützenhof“ in Borghorst, so fügte die Amtsleiterin an, leben derzeit 15 Menschen, sieben Plätze sind noch frei. Baurechtlich könnten dort mehr Menschen untergebracht werden. Aus Fürsorge wolle man aber keine höhere Belegung zulassen.

Technischer Beigeordneter Hans Schröder hat den Politikern im Ausschuss deshalb Möglichkeiten aufgezeigt, wie man die Probleme in kurzer Bauzeit lösen könnte: beispielsweise mit Wohnmodulen in Holzständerbauweise. Vorschläge für Standorte gibt es bereits. Öffentlich wird aber noch nicht darüber gesprochen. Wichtig war den Politikern, bei allen Planungen zu berücksichtigen, die Neuzugezogenen auch räumlich in die Stadt zu integrieren. Es dürfe nicht zu einer Ghetto-Bildung kommen.

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