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Umweltausschuss stimmt einstimmig für Fortschreibung des Steinfurter Klimaschutzkonzeptes

„Dürfen keine Zeit mehr verlieren“

Steinfurt

Die Zeit drängt, das war am Donnerstag allen Politikern im Umweltausschuss klar: Um den notwendigen Beitrag vor Ort zu leisten, die Klimaschutzziele bis 2040 erreichen zu können, beschlossen sie einstimmig die Fortschreibung des Steinfurter Klimaschutzkonzeptes aus dem Jahr 2013.

Von Ralph Schippers

Inwieweit kann und muss sich der Denkmalschutz – hier ein Blick auf die Burgsteinfurter Altstadt – den Zielen des Klimaschutzes unterordnen? Diese Frage nahm zentralen Raum bei den Diskussionen des Umweltausschusses ein. Eine abschließende Antwort gab es am Donnerstag noch nicht. Foto: Ralph Schippers

Die Aussagen der Politiker im Ausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz waren eindeutig: „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, „Es ist eine immense Kraftanstrengung vonnöten“, „Wir müssen Vorbild sein und die Bürger mitnehmen“ – so der Tenor bei den Beratungen zu der jetzt auf der Agenda stehenden Fortschreibung des Steinfurter Klimaschutzkonzepts aus dem Jahr 2013. Beim Ziel aller Maßnahmen, die im Bündel in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen, orientiert sich die Kreisstadt am Kreis Steinfurt: In beiden Fällen soll die komplette Klimaneutralität bis 2040 erreicht sein. 18 Jahre, die alle Akteure in der Stadt – Verwaltung, Politik, Wirtschaft wie auch Stadtgesellschaft allgemein – vor eine gewaltige Herausforderung stellen. Dies ist nicht neu, wurde aber beim der Debatte vorgeschalteten Vortrag von Silke Wesselmann, Chefin des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit und damit erste Klimaschützerin des Kreises, nochmals sehr deutlich. Angesichts der großen Aufgabe übten die Gremiumsmitglieder den Schulterschluss, am Ende stand der einstimmige Beschluss, den notwendigen Beitrag vor Ort zu leisten, dass die Klimaschutzziele, deren Umsetzungsweg kreisweit in einem 50-Punkte-Maßnahmenplan fixiert sind, im genannten Zeitraum erreicht werden können.

„Wir müssen die Anstrengungen zum Klimaschutz vor Ort in ein ganz anderes Licht rücken“, hatte Klimaschutzmanager Simon Möser zuvor betont. Der vorbildlich und kreisweit seinesgleichen suchenden Produktion von grünem Strom – Steinfurt erzeugt aus Windkraft, Photovoltaik- und Biogasanlagen fast doppelt soviel Strom wie es als Kommune verbraucht –, steht ein großer Nachholbedarf auf dem Verkehrs- und Wärmesektor gegenüber. Unter anderem mit dem seit 2020 installierten Quartierssanierungsmanagement sowie der Aufstellung eines Mobilitätskonzepts versucht die Stadt, Defizite abzubauen. „Wir fangen also nicht bei Null an“, befand Ausschussvorsitzender An­dreas Neumann (Bündnisgrüne) und hob dabei auch auf das Know-how der FH und die Kompetenz der vor Ort ansässigen Kreisverwaltung ab. Hinzu komme eine für das Thema sehr sensible Bürgerschaft, was sich auch in Vereinsgründungen wie „WieWollenWirLeben“ oder „Steinfurt liebende Bürgerinnen und Bürger“ niedergeschlagen habe.

„Wir wollen engagiert mitarbeiten am großen Ziel 2040“, bekräftigte Alfred Voges für die SPD. Allerdings müssten die angedachten Maßnahmen auch sozial-ökonomisch umsetzbar sein. „Es ist absolut notwendig, forsch an die Dinge heranzugehen, das Potenzial zur Erreichung der Ziele haben wir“, ergänzte Arnold Schumacher (Grüne). „Wir müssen für die Bürger Vorbild sein“, sagte André Schwietert für die CDU – und bezog sich dabei auf die seinerzeit mit der Begründung fehlenden Personals gescheiterte Anfrage der Christdemokraten nach den Möglichkeiten des Ausbaus von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. Wie auch Voges erklärte er, dass es erforderlich sei, von Seiten der Verwaltung zudem das Thema „Klimafolgenanpassung“ auf dem Schirm zu haben. Man brauche dahingehend personelle Verstärkung. Kai Kunz (FDP) merkte an, dass ein Großteil der Anstrengungen zum Klimaschutz durch die Bürger gestemmt werden müsse. Notwendig sei eine entsprechende beratende Unterstützung.

Wie stark das Interesse an Erneuerbaren Energien forciert durch die rasant steigenden Preise fossiler Brennstoffe und die Ukraine-Krise bereits gestiegen ist, machte Quartierssanierungsmanagerin Hanna Companie deutlich: „Die örtlichen Installateure können sich vor Aufträgen kaum retten, es gibt Wartezeiten von über einem Jahr, wenn man sich eine PV-Anlage aufs Dach montieren oder eine Wärmepumpe installieren lassen möchte“.

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