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AfD-Politikerin Frauke Petry im Ludwigshaus

Ein „demokratischer Glücksfall“?

Burgsteinfurt

Frauke Petry kommt nach Steinfurt. Die Bundessprecherin der rechtspopulistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) ist am Freitag (25. November) zu Gast beim AfD-Kreisverband Steinfurt. Ab 19 Uhr wird sie unter dem Titel „Verantwortung für Deutschland übernehmen“ sprechen. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei. Im Anschluss bestehe die Möglichkeit, Petry Fragen zu stellen, teilt der Kreisverband mit.

Linda Braunschweig

Eine öffentliche Veranstaltung mit Frauke Petry (rechts) organisiert der AfD-Kreisverband Steinfurt am Freitag im Ludwigshaus. Foto: Dirk Drunkenmölle, WN / Bernd Von Jutrczenka, dpa

Stattfinden wird die Veranstaltung im Ludwigshaus an der Horstmarer Straße. Josef Schirmer, Eigentümer des früheren Gemeindehauses, erhielt die Anfrage des Kreisverbands kurzfristig in der vergangenen Woche. Es sei gefragt worden, ob der Saal frei sei, sagt Schirmer. Das habe er zugesagt. Erst später habe er erfahren, dass Frauke Petry im Fokus der Veranstaltung steht. Die Entscheidung, die umstrittene AfD-Chefin in seinen Räumen sprechen zu lassen, habe er sich nicht leicht gemacht und sich bei Bekannten und der Stadt informiert, sagt Schirmer.

Eine Gelegenheit „den Mund aufzumachen“

Für ihn steht aber fest: „Ich bin ein Demokrat.“ Und als solcher ist er der Meinung, eine Partei, die in mehreren Landtagen Einzug gehalten hat, dürfe sich darstellen – und man dürfe ihr Paroli bieten. Schließlich sei es eine öffentliche Veranstaltung, sagt Schirmer. „Jeder, der im Saal ist, kann sich damit auseinandersetzen, kann Kritik üben, Punkte dafür gibt es ja genug.“ Eigentlich sei es doch ein „demokratischer Glücksfall“, dass Steinfurt nun die Gelegenheit habe, „dahin zu gehen und den Mund aufzumachen“. So könne man die AfD-Akteure zwingen, Farbe zu bekennen.

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Dass er den Saal an die Partei vermiete, habe nichts damit zu tun, dass er sie unterstützen wolle. Gleichwohl hat Schirmer schon einiges an Kritik einstecken müssen. Das sei kein Problem. Er nehme kein Blatt vor den Mund. „Die AfD ist schrecklich, aber die Bürger haben Bauchgrimmen. Es ist schlimm, dass es die Partei überhaupt geben konnte, weil die aktuelle Politik kein probates Mittel für die Probleme hat“, sagt Schirmer. Der Burgsteinfurter, Jahrgang 1929, hält es für wichtig, sich mit der Partei auseinanderzusetzen. „Hinter verschlossenen Türen abzuwarten, hat noch nie funktioniert.“ Schließlich hätten auch die Nazis von der „großen schweigenden Mehrheit“ profitiert.

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer

Schon kurz nach Bekanntwerden der Veranstaltung kündigen sich die ersten Proteste gegen die AfD an. Die Kreispolizei Steinfurt sieht jedoch keine Probleme. Die Veranstaltung finde in einem geschlossenen Raum statt, die Beamten würden ein Auge auf das Drumherum haben, teilt Jochen Laschke von der Polizei-Pressestelle mit.

„Den Bürgersaal hätte ich für so eine Veranstaltung nicht zur Verfügung gestellt“, kommentierte Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer den Auftritt der AfD-Prominenz in Steinfurt. Rechtlich habe die Stadt keine Handhabe, solche Veranstaltung zu verbieten. Das Ordnungsamt habe alles Notwendige getan, dass der Petry-Auftritt in geordneten Bahnen ablaufen könne. Bögel-Hoyer geht davon aus, dass es in Burgsteinfurt Gegendemonstrationen gibt.

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