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Borghorster Eugen Oskamp startet private Spendenaktion für ehemaligen Berufskollegen

Ein Freund, ein guter Freund

Borghorst/Bad Münstereifel

Der Borghorster Eugen Oskamp hat eine private Spendenaktion für einen Freund in Bad Münstereifel gestartet. Ralf Hürten hat innerhalb weniger Stunden seine Lebensgrundlage verloren.

Von Axel Rollund

Vanessa und Ralf Hürten haben durch das Hochwasser in Bad Münstereifel ihre Existenz verloren. Ihr Restaurant wurde komplett zerstört. Der Borghorster Eugen Oskamp möchte den beiden mit einer privaten Spendenaktion helfen. Foto:

Eugen Oskamp kennt seinen Fotografen-Kollegen Ralf Hürten aus Bad Münstereifel schon seit 30 Jahren. Damals besuchten sie als „Young professionals“ gemeinsam Seminare, trafen sich immer wieder zum Erfahrungsaustausch und ließen auch privat den Kontakt nie abreißen. Dass Oskamp einmal für seinen Freund in der Eifel eine Spendendose auf den Tresen stellen würde, das hat niemand geahnt. Bis zu dem Tag, als die große Flut kam. . .

Das Hochwasser der Erft spülte innerhalb weniger Stunden die berufliche Existenz von Ralf Hürten und seiner Frau Vanessa zum Stadttor des Eifelstädtchens hinaus. Als Eugen Oskamp die ersten Bilder von der Katastrophe sah, räumte er spontan ein Plätzchen in seinem Schaufenster an der Münsterstraße frei, hängte ein Riesen-Plakat hinein, stellte die Spendenbox auf die Theke. Und reihte sich damit in die große Gruppe der Helfer ein, die von Steinfurt aus die Menschen in den Flutgebieten unterstützen.

Das Ehepaar Hürten hatte noch Glück im Unglück. Ihr Haus im Zentrum von Bad Münstereifel steht noch. Allerdings waren Keller und Erdgeschoss komplett vollgelaufen. Damit war die Lebensgrundlage der beiden vernichtet. Die ist übrigens nicht mehr die Fotografie. „Wir haben vor sieben Jahren das Fotogeschäft aufgegeben und dafür ein Restaurant eröffnet“, erzählt der 51-jährige Neu-Gastronom. Der Laden lief gut. Bis Corona kam. Auf einen Teil der zugesagten Hilfen der Bundesregierung wartet Ralf Hürten noch heute. Dementsprechend groß ist sein Vertrauen in die Politiker-Versprechen nach der Katastrophe.

Gegen die Gebäudeschäden ist Hürten versichert. Das Inventar, Küche, Gastraum, Vorratskeller, hatte einen Wert von rund 100 000 Euro. Auf diesem Schaden bleibt das Ehepaar sitzen. Der Geschäftsmann hat die Bilder des Schreckenstages noch vor Augen: „Da haben sich die Elektrogeräte im Wasser zweimal gedreht und waren plötzlich ganz woanders.“

Wann das Restaurant „Frischeküche“ wieder eröffnen kann? Ralf Hürten weiß es nicht. „Wir rechnen mal mit Ostern, frühestens.“ Im Augenblick müssen die Untergeschosse erst einmal trocknen. Die Böden, die Fliesen, der Putz, alles musste raus. Strom haben die Hürtens inzwischen wieder. Auf Gas wartet das Ehepaar, wie viele andere Bürger in Bad Münstereifel, sehnsüchtig. „Das wird noch lange dauern“, weiß der Gastronom. Die Hauptleitung im Ort fehle. Wie das im Winter werden soll? Das Ehepaar ist ratlos.

Es hätte – theoretisch – noch eine Einnahmequelle, um sich über Wasser zu halten. Im ersten Stock des Hauses gibt es Ferienwohnungen. Die sind zwar relativ schnell wieder herzustellen. „Aber wer kommt jetzt freiwillig nach Bad Münstereifel, um hier Urlaub zu machen?“, fragt Ralf Hürten.

Eugen Oskamp freut sich jedenfalls, dass die ersten Borghorster seinem privaten Spendenaufruf gefolgt sind. Für ihn ist es der Beweis, dass die Appelle aus den Katastrophengebieten in Steinfurt gehört werden: „Vergesst uns bitte nicht.“

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