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300 Jahre alte Eiche im Bagno kippt um und verfehlt nur knapp Spaziergänger

Ein Vorgang von Sekunden

Steinfurt

Die Folgen des Klimawandels machen den Aufenthalt im Wald gefährlich: Am Wochenende ist nahe des Bagnosees eine mehr als 300 Jahre Eiche unvermittelt umgestürzt. Nur 15 Meter entfernt waren Spaziergänger unterwegs. Sie kamen mit dem Schrecken davon.

Ralph Schippers

Die Eiche nach dem Fall: Forstexperten gehen davon aus, dass sich solche Ereignisse aufgrund des Klimawandels häufen könnten und mahnen zur Vorsicht. Foto: Egelkamp

Es sollte ein gemütlicher Sonntagnachmittag-Spaziergang im Bagno für Birgit Egelkamp werden. Doch der Schrecken saß der Naturliebhaberin samt ihrer Begleiter, Ehemann und Mutter, noch lange in den Gliedern: „Wir hörten plötzlich ein Knacken und innerhalb von Sekunden kam nur rund zehn Meter von uns entfernt eine mächtige Eiche zu Fall“, berichtet die Bagno-Besucherin. „Wir dachten, es kommt ein dicker Ast herunter, aber nein: Es war ein ganzer Baum, eine rund 15 Meter lange Eiche“, berichtet sie.

Der Schock saß tief, insbesondere überraschte die Spaziergänger, wie schnell der mächtige Baum gefallen ist. Ihr Glück: Es ist keinem etwas passiert. Birgit Egelkamp: „Das hätte auch ganz anders ausgehen können, im Bagno war so einiges los.“

Henning Buss, Leiter des Forstbetriebs der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer, wundert der Vorfall nicht. Aufgrund der Wetterextreme der vergangenen drei Jahre mit anhaltender Dürre komme es zum massiven Absterben nicht nur von Nadel-, sondern auch aller Laubbaumarten im Bagno. Auf den Waldwegen herrsche daher für Besucher Lebensgefahr, nimmt der Forstexperte kein Blatt vor den Mund. Insbesondere Buchen, Eschen und Eichen könnten auch ohne sichtbare Vorerkrankungen jederzeit brechen oder umfallen.

Die fürstliche Forstverwaltung hat schon das ganze Jahr alle Hände voll zu tun, um der gebotenen Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Priorität habe aktuell noch die Herstellung der Verkehrssicherheit an öffentlichen Straßen. Sobald die Arbeiten dort abgeschlossen seien, würden im Rahmen der rechtlichen Rahmenbedingungen die geschädigten Bäume im Bagno gefällt, um auch dort an den Wegen die Sicherheit wiederherzustellen. Buss: „Wir stehen gerade in Abstimmung mit der zuständigen Waldbehörde, um gegebenenfalls Absperrungen besonders gefährdeter Wege durchführen zu können.“ Absperrbänder sollten unbedingt beachtet werden, appelliert Buss an alle Waldbesucher, Hinweise auch dann zu befolgen, wenn gerade einmal keine Waldarbeiten zu sehen und zu hören sind.

Der Forstbetriebsleiter kündigte darüber hinaus an, dass sich das gewohnte Bild des Waldes im Bagno in den kommenden Jahren stark verändern werde, mehr noch: Da Naturschutzbestimmungen den Anbau klimaresilienter Baumarten ausschließen, könne es zunehmend auch zu waldfreien Bereichen kommen. Diese Entwicklung bedauere der Fürst als Waldbesitzer sehr.

Die rund dreihundertjährige Eiche ist nahe des Bagno-Sees gefallen. In diesem Areal obliegt der Stadt die Verkehrssicherungspflicht auf den dort verlaufenen Wegen. „Dass ein derart großer Baum umstürzt, ist ein sehr seltenes Ereignis“, kann sich Bernd Katerkamp an einen ähnlichen Fall nicht erinnern. Der stellvertretende Leiter des Baubetriebshofes berichtet auf Anfrage, dass die Eiche und deren Geäst so vor Ort gelagert worden sind, dass ein gefahrloses Passieren möglich ist. Der umgestürzte Baum, so bestätigte der Technische Beigeordnete Hans Schröder, werde an Ort und Stelle liegen bleiben. Die sehe es eine naturschutzrechtliche Vereinbarung vor, die seinerzeit mit dem Umweltministerium des Landes getroffen worden ist. Totholz sei in ökologischer Sicht wertvoller Bestandteil des Waldes.

Jürgen Feldkamp, Leiter des „Team Baum“ des Baubetriebshofes, betonte, dass das Umstürzen des Baumes die Mitarbeiter insgesamt sehr überrascht habe. Die Eiche sei regelmäßig kontrolliert worden und habe keinerlei äußerliche Anzeichen eines Verfalls wie zum Beispiel Pilzbefall gezeigt. Am vergangenen Sonntag sei es auch nicht windig gewesen, was ein Umstürzen erklärbarer gemacht hätte.

Die Stadt werde ob des Vorfalls nicht damit reagieren, nunmehr Wege im Bagno zu sperren, ergänzte Hans Schröder. Der Technische Beigeordnete appellierte jedoch an die Besucher des Naherholungsgebiets, auf den Wegen zu bleiben und es bei windigen Wetterlagen zu meiden. Der Fall der Eiche habe gezeigt, dass viele Bäume geschwächt seien und es insgesamt gefährlicher geworden sei, sich im Wald aufzuhalten.

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