1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Eine Instanz am Beckenrand

  8. >

Sabine Schulte ist seit 1999 Schwimmmeisterin in Steinfurt

Eine Instanz am Beckenrand

Steinfurt

Seit 1999 ist Sabine Schulte eine feste Größe am Beckenrand. Die Schwimmmeisterin freut sich auf eine hoffentlich halbwegs normale Badesaison nach zwei Corona-Jahren. Ihre eigene kleine „Berufskrankheit“ will und kann sie derweil nich ablegen.

Von Axel Roll

Den Rundumblick oben vom Drei-Meter-Brett kann Sabine Schulte nur dann genießen, wenn nicht so viel im Becken los ist. Wie am Dienstag. Da war die Schwimmmeisterin mitunter alleine. Foto: Axel Roll

„Ferienkarten? Einmal dort in den Wärmeraum, bitte.“ Im Minutentakt bringt Sabine Schulte ihre Freibad-Gäste um die Ecke. Links herum. Meist sind es Mütter mit ihren Kindern, manchmal Teenager in kleineren Gruppen. Sie alle holen sich den kostenlosen Eintritt in die Steinfurter Bäderwelt. Die Befürchtung der Schwimmmeisterin, es könnten viele der knapp 3000 Registrierten ihre Ferienkarten gar nicht abholen, scheint sich nicht zu erfüllen. Sabine Schulte freut es doppelt. So ist im BagnoMare wenigstens was los. Wenn auch nur ein bisschen. Im großen Schwimmbecken herrscht nämlich gähnende Leere. Wasser ist natürlich drin. Aber selbst das gibt sich träge. Nur der starke Wind schafft es, kleine Mini-Wellen auf die Oberfläche zu kräuseln. Der letzte einsame Schwimmer ist vor fünf Minuten an Land gekrabbelt. „Da passiert auch heute nicht mehr viel“, sagt die erfahrene Chefin am Beckenrand nach dem prüfenden Blick in den leider gar nicht so blauen Himmel. „Gestern war es viel besser.“ Das war der inoffizielle Auftakt der Badesaison 2022. Und bei Temperaturen über 20 Grad und Sonne satt eine Premiere wie aus dem Bilderbuch.

Dafür haben Sabine Schulte und ihre Kollegen wochenlang geschuftet. Und als alles fertig war, das Becken sauber, voll Wasser und warm, die Duschen und Toiletten geschrubbt, die Liegewiese gemäht, die Fliesen gefegt, da kam am Donnerstag der Sturm. „Da mussten wir mit der ganzen Mannschaft am Freitag noch mal aufräumen“, kann die 44-Jährige jetzt schon wieder über die wetterbedingte Extra-Tour lachen.

Welche Tage sie lieber hat? Solche, an denen es im Becken nur noch Stehplätze gibt oder solche wie heute, wo sie die Zeit nutzen kann, auch mal an den Pflanzen rumzutüdeln, wie sie sagt? Sabine Schulte, übrigens schon seit 1999 feste Instanz am Steinfurter Beckenrand, muss für ihre Antwort nicht lange überlegen: „Ich habe es lieber voll, dann allerdings mit lieben Gästen.“ Die sind, Gott lob, in beiden Steinfurter Bädern die Regel.

Die Saison 2022 ist für das Bäder-Team eine besondere. Nach zwei Jahren Pause haben jetzt endlich wieder Borghorst und Burgsteinfurt geöffnet. Obwohl, das „endlich wieder“ gilt nur mit Einschränkungen, stellt es die Schwimmmeister-Mannschaft doch immer wieder vor personelle Herausforderungen. „Wenn einer krank wird, dann wird es eng“, erläutert Sabine Schulte. Ohne die Aushilfen und die leicht verkürzten Badezeiten wäre der Betrieb überhaupt nicht aufrecht zu erhalten.

Echte neue Attraktionen, damit können die beiden Bäder in diesem Jahr nicht aufwarten. Umkleiden und Duschen im Kombibad wurden im Herbst angehübscht. Im Freibad ein Jahr zuvor. Was sich in der Coronazeit als Wasserratten-Magnet bewährt hat: Die Kuschel-Badetemperatur. Waren es früher 24, sind es heute 26 Grad. „Es kommen sogar einige Emsdettener nach Burgsteinfurt, weil es ihnen in ihrem Bad zu kalt ist“, weiß Sabine Schulte. Und der Bäderbetrieb muss für das Mehrheizen nicht einmal mehr zahlen, kommt die Energie doch via Biogas ins Becken. In den Freibad-Duschen punktet das BagnoMare hingegen mit Kaltwasser. Sabine Schulte: „Nach der Renovierung hatten wir nur Warmwasserduschen. Das kam bei einigen Gästen nicht so gut an.“ Darum sprudelt ab sofort für die ganz Harten wieder Eiswasser aus der Wand.

Zur Berufskrankheit ist für die 44-Jährige der Blick aufs Wetter geworden. „Das mache ich ständig“, lacht die Schwimmmeisterin. Und sie hat eine App entdeckt, die den Regen wirklich auf die Minute genau vorhersagt. Das macht bei den Badegästen mächtig Eindruck.

Startseite
ANZEIGE