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Realschule Burgsteinfurt nimmt zurzeit am Programm „Extra-Zeit zum Lernen in NRW“ teil

„Elena und Fabian sind cool“

Steinfurt

Es ist auffallend ruhig im Klassenraum, jeder einzelne Schüler ist bemerkenswert entspannt. Die Atmosphäre ist angenehm, sie ist stressfrei. Extra-Lernzeit mitten in den Sommerferien, um Corona-Lücken zu schließen: 73 Schüler und Schülerinnen der Realschule Burgsteinfurt machen mit.

Von Bettina Laerbuschund

Die Realschule Burgsteinfurt ist eine von neun städtischen Schulen in Steinfurt, die am Programm „Extra-Zeit zum Lernen in NRW“ teilnehmen. Lehramtsanwärterin Elena Marx hilft hier ganz individuell einer Schülerin der Realschule Burgsteinfurt.. Foto: Bettina Laerbusch

„Die sind cool“, sagt Amelie sofort, als die Fragestellerin ihre Frage gerade eben zu Ende ausgesprochen hat, die da lautete: „Wie findet Ihr eigentlich Elena und Fabian – die kennt Ihr ja erst seit ganz kurzer Zeit?“ Es ist auffallend ruhig im Klassenraum, jeder einzelne Schüler ist bemerkenswert entspannt. Die Atmosphäre ist angenehm, sie ist stressfrei. Deutsch, Englisch und Mathe stehen auf dem außergewöhnlichen Sommer-Stundenplan. Aber nur gut ein Dutzend Schüler sind im Raum – ja, jetzt in den Sommerferien.

Elena Marx und Fabian Zellien sind Lehramtsanwärter und zurzeit zwei von sechs Tutoren, die zusammen mit sechs Lehrern der Realschule Burgsteinfurt ein Team bilden. Dieses Team wiederum ermöglicht es die ganzen Sommerferien lang, dass Schüler der Realschule Burgsteinfurt in den Genuss des NRW-Förderprogramms „Extra-Zeit zum Lernen“ kommen. Exakt 73 sind es an der Zahl von insgesamt 430, die diese weiterführende Schule besuchen.

Riesen Ansturm

„Der Ansturm war riesengroß“, sagt Eva Keller, Lehrerin an der Realschule, die die Organisation der Extra-Zeit übernommen hat. „Ich war darauf angewiesen, dass sich jemand meldet, der das macht“, berichtet Schulleiterin Bettina Weiss spürbar dankbar, die an ihrem Schreibtisch sitzt und kurz zum Gespräch dazukommt. „Ich hätte es selbst nicht geschafft“, sagt sie und erinnert daran, dass die Schule seit Februar ohne Konrektorin auskommen muss. Die Lehramtsanwärter wurden teils durch Betty Loschelder von der Evangelischen Jugendhilfe, die sich ansonsten um den Bereich „Hausaufgabenhilfe“ an der Realschule kümmert, vermittelt.

Lehramtsanwärter Fabian Zellien unterstützt Sebastian. Foto: Foto: Bettina Laerbusch

„Ich finde es toll, hier zu sein“, sagt Sophie. Weshalb? „Weil ich in den Ferien lernen kann und was aufholen kann.“ In den Pausen lerne sie noch dazu neue Freunde kennen. „Komisch“ sei es, in den Ferien in der Schule zu sein, sagt Lisa ganz ehrlich. Sie findet das „nicht so toll“. In den Pausen draußen zu sein und mit den anderen zu spielen, sei aber schön.

Amelie, ebenfalls Klasse 5, findet es „cool, mit anderen zusammen zu lernen und in den Pausen Spiele zu spielen. Wenn ich hier nicht wäre, würde ich zu Hause lernen“. Allein. Da sei es mit andern zusammen besser.

Lücken schließen

Es gibt im Rahmen des Programms „Extra-Zeit zum Lernen in NRW“ an der Burgsteinfurter Realschule zurzeit drei Module: Ein Teil der 73 Schüler kommt in den ersten drei Wochen dienstags und donnerstags entweder drei Stunden morgens oder drei Stunden am Nachmittag; ein anderer Teil ist in den letzten drei Ferienwochen genauso an der Reihe; ein dritter Teil ist die gesamten Sommerferien dabei.

Immer zwei Betreuer kümmern sich um die Kinder. Am Dienstagmorgen waren es neben Elena Marx und Fabian Zellien Eva Keller und Julia Keller, die mit den Kindern in zwei Gruppen in zwei unterschiedlichen Klassenräumen lernten.

Eva Keller, Lehrerin an der Realschule Burgsteinfurt, hat das Programm dort ermöglicht. Fabian Zellien ist einer von sechs Tutoren, der sie dabei unterstützt Foto: Foto: Bettina Laerbusch

Jedes Kind hatte zu Beginn der Extra-Lernzeit das gleiche Lernbuch bekommen, in dem Mathe-, Deutsch- und Englischaufgaben stehen. Ganz individuell könnten die Betreuer Material für ein Kind dazu holen, wenn es erforderlich sei, erläutert Eva Keller, die im normalen Leben Englisch, Politik und Kunst unterrichtet.

Die Eltern selbst konnten ihre Kinder für die Extra-Lernzeit anmelden. „Die Klassenlehrer haben aber auch geschaut, welchem Kind vielleicht guttun würde, dabei zu sein“, erläutert Eva Keller. Bei alledem geht es darum, Kindern zu helfen, Lücken, die sich durch monatelangen Distanz- und Wechselunterricht bei ihnen aufgetan haben, wenigsten ein bisschen zu schließen. Wie gut das gelinge, könne sie noch nicht sagen; die Extra-Lernzeit jetzt in den Ferien laufe erst seit gut einer Woche“, so Keller. Bereits in den Osterferien hatte es ein solches Angebot gegeben.

80 Plätze standen jetzt für die Sommerferien in der Realschule zur Verfügung. Neun Schulen in Steinfurt bieten die Extra-Lernzeit an. 30 000 Euro an Fördermitteln gibt es dafür vom Land NRW. Der Eigenanteil des Schulträgers, hier die Stadt, beträgt 20 Prozent.

Masken bei schwülem Wetter

Eva Keller macht deutlich, dass es nicht nur um Wissenslücken geht, sondern auch um soziale Aspekte: Monatelang nur ganz wenige Freunde oder sogar nur einen Freud/eine Freundin und keine Klassenkameraden treffen zu dürfen, das prägt Kinder. Die machen übrigens immer zuerst einen Test, bevor es losgeht. Alle sind negativ an diesem Morgen – und trotzdem: Die Masken müssen aufbleiben – bei diesem schwülen Wetter im Juli 2021 kein Vergnügen.

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