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Hilfe für Flüchtlinge

„Es ist ein Geben und ein Nehmen“

Steinfurt

„Wenn man sich die Welt mit den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen anschaut kann man verstehen, dass diese Menschen in einem sicheren Raum leben wollen“, sagte Bürgermeister Andreas Hoge am Donnerstagabend zu Beginn eines Bürgerabends im Rathaussaal – und fügte gleich an: „Wir sind dankbar, dass sich so viele Menschen gemeldet haben, die etwas tun wollen.“ Damit die Flüchtlinge in Steinfurt, in einem für sie fremden Umfeld Fuß fassen können, sei neben dem hauptamtlichen Engagement der persönliche, menschliche Einsatz von Ehrenamtlichen erforderlich, die die Flüchtlinge begleiten.

Karl Kamer

Vertreter von Vereinen, den Kirchengemeinden, Bildungseinrichtungen, Kommunalpolitiker  und Bürger, die Flüchtlingen in Steinfurt helfen wollen, trafen sich am Donnerstagabend im Rathaus. Foto: Karl Kamer

Gekommen waren Mitglieder von Vereinen und Organisationen, Vertreter der Kirchen, Politiker und natürlich die Bürger. „Herzlich willkommen – kann ich etwas tun? – Willkommenskultur für Flüchtlinge” hatten die Organisatoren vom Lokalen Bündnis für Familien das Treffen überschrieben. Nach dem Leitspruch „Gemeinsames Handeln eröffnet Chancen” möchte das Bündnis die Aktivitäten in der Steinfurter Flüchtlingshilfe koordinieren, „denn viele Menschen, die gerne helfen wollen, wissen gar nicht voneinander“, erklärte Nadine Rath. Man müsse genau hinschauen, wo die Hilfe benötigt wird, sich untereinander kennenlernen und sich vernetzen, erklärte Barbara Schonschor vom Jugendmigrationsdienst.

„Sprache ist das Erfassen von kulturellen Zusammenhängen”, betonte Dr. Barbara Hermann (Kulturforum). Deshalb brauchen die Flüchtlinge, neben der Schule, ehrenamtliche Menschen, die sie aufnehmen und mit ihnen sprechen.

Christina Hewing hat bereits mit Schülern der Wirtschaftsschulen ein Projekt gestartet und Alltagsgegenstände mit in die Schule gebracht, um sie den Flüchtlingen in einem Deutschkursus zu erklären. Beim Bürgerabend suchte die junge Frau mit ihren Freundinnen nach anderen Hilfsmöglichkeiten.

Monika Bröckers kümmert sich seit längerer Zeit um Flüchtlingskinder. Sie geht in den Kindergarten und liest den Mädchen und Jungen Geschichten vor. Jetzt sucht sie zudem eine Flüchtlingsfamilie, um ihr Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

Sechs junge Frauen mit Maria Schlattmann von der Kirchengemeinde St. Nikomedes möchten eine französisch sprechenden Familie oder Einzelpersonen betreuen. Dörthe Michels und Ali Pish Been vom Kreis Sportbund gehen mit einem neuen Projekt auf die Flüchtlinge zu: „Nirgendwo ist Integration leichter zu beginnen als beim Sport.“

„Es ist ein Geben und Nehmen“, freut sich Iris Bittner über einen pakistanischen Mitarbeiter in ihrer gleichnamigen Familienfleischerei, der im Oktober 2013 nach Steinfurt gekommen war. In der evangelischen Gemeinde hatte Ehemann Ralf den jungen Mann kennengelernt und ihm einen Arbeitsplatz versprochen. „Doch dann kamen erst einmal die Behördengänge”, berichtete die Geschäftsfrau. Erst im Mai 2014 konnte der junge Mann bei Bittner anfangen. Jetzt richtet ihm die Familie eine Wohnung ein, damit er seine provisorische Unterkunft verlassen und selbstständig werden kann. Mit ihrem Erfahrungsbericht wollte Iris Bittner am Donnerstag andere Unternehmer ermutigen, Flüchtlingen eine Chance zu geben.

Der Integrationsbeauftragte Günter Gromotka betonte, dass es nicht bei diesem einen Bürgerabend bleiben werde, denn der Flüchtlingsstrom reiße nicht ab. 2014 kamen 138 Zuwanderer nach Steinfurt. In diesem Jahr seien es bereits 31 Personen.

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