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Bernhard Burg 

Experte für scharfe Sachen - Borghorster ist Scherenschleifer in dritter Generation

Borghorst

Auch wenn sein Handwerk uralt ist. Bernhard Burg sieht die Scherenschleiferei voll im Trend. Nicht nur unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit.

Bernhard Burg ist mit seiner mobilen Schleifer-Werkstatt seit sechs Wochen auf dem Borghorster Wochenmarkt. Er hat das Handwerk von der Pike auf gelernt. Für ihn es eine Herzensangelegenheit. Foto: Axel Roll

Der von einem Pflaster umwickelte Finger ist für Bernhard Burg der Beweis: Da hat er ordentliche Arbeit abgeliefert. Es kommt immer wieder vor, dass seine Kunden ihm unter die Nase halten, wo sie sich ins eigene Fleisch geschnitten haben. „Dabei sage ich immer wieder: Vorsicht, scharf“, sagt Burg und zieht das gerade spezialbehandelte Brotmesser sirrend durch das abgerollte Packpapier, als sei es Luft. Damit am Frühstückstisch das Brötchen aufschneiden – Gefahrenstufe eins, Verbandskasten bereithalten!

30 Jahre

Für scharfe Sachen ist Bernhard Burg Experte. Seit über 30 Jahren. „Schon in der Grundschule war mir klar, dass ich Scherenschleifer werden will.“ Und bis zum heutigen Tag, an dem er auf dem Roten Platz beim Borghorster Wochenmarkt seine mobile Werkstatt aufbaut, hat er diesen Entschluss nicht bereut. Dabei hat sich auch in diesem uralten Handwerk in den letzten Jahrzehnten eine Menge getan. „Bis vor 15 Jahren bin ich noch von Haustür zu Haustür gegangen“, erzählt der gebürtige Mönchengladbacher. Das hat sich dann aber irgendwann nicht mehr gelohnt, da Burg von seinen potenziellen Kunden mit den „Kollegen“ in einen Topf geworfen wurde, die mit unlauteren Methoden zu Geld kommen wollten. „Seitdem bin ich nur noch auf Märkten unterwegs“, so der 49-Jährige.

Genauer gesagt: auf Wochenmärkten. „In der Nachbarschaft habe ich mir einen ansehnlichen Kundenstamm erarbeitet.“ Beispiel Gievenbeck. Dort steht Bernhard Burg schon seit 17 Jahren. Oder Emsdetten. Auf dem Mittwochsmarkt in Borghorst ist er erst seit sechs Wochen. „Da benötige ich wohl noch ein bisschen Zeit, bis sich das herumgesprochen hat“, weiß Burg aus Erfahrung.

Zehn Geschwister

Vielleicht geht es in Borghorst ein bisschen schneller. Der Scherenschleifer ist hier kein Unbekannter, wohnt er doch schon seit einigen Jahren mit seiner Familie im Baugebiet am Oranienring. Die Redewendung „In die Wiege gelegt“ ist schnell gesagt. Auf Bernhard Burg passt sie aber wie die Faust aufs Auge. In der dritten Generation ist die Scherenschleiferei in der Familie verwurzelt. Zehn Geschwister hat er. „Aber von denen wollte keiner in die Fußstapfen meines Vaters treten.“

Bernhard Burg schaute aber schon als Steppke Vater Adolf über die Schulter, als dieser noch mit dem Fuß den Schleifstein antrieb, um den Messern den letzten Schliff zu geben. Er selbst vertraut natürlich schon lange der Elektrik. So ganz nebenbei erlernte er von seinem Vater zusätzlich das Flechten. Auch heute noch repariert er alte Geflechte von Stühlen oder anderen Möbelstücken.

Voll im Trend

Für Bernhard Burg ist die Schleiferei mehr als ein Job. „Du kannst das nur machen, wenn dein Herz dafür schlägt“, ist er überzeugt. Der schönste Moment ist für ihn immer wieder, wenn er seinen Kunden die frisch geschliffenen Klingen zeigt und die dann sagen: „Das ist ja gar nicht mein Messer.“ Die blitzen nämlich meistens wie neu. Inklusive Holzgriff.

Der bekommt zusätzlich eine gründliche Abreibung. Meistens hat das Messer dann für ein Jahr Ruhe, bis es durch die Hand des Schleifers erneut scharf gemacht werden muss.

Bernhard Burg sieht sich und sein Handwerk voll im Trend. „Die Wegwerfgesellschaft von früher gibt es so nicht mehr“, stellt er zufrieden fest. Darum lassen immer mehr Menschen ihre stumpfen Kücheninstrumente für relativ kleines Geld wieder in Schuss bringen. Von den sündhaft teuren Edel-Messern, die schnell mehrere hundert Euro kosten, hält der Experte übrigens nicht so viel. „Einfach und solide, das reicht.“ Die richtige Pflege und der regelmäßige Schliff, darauf komme es an.

Um aus scharfen ganz schnell stumpfe Klingen zu machen, genügt der regelmäßige Besuch der Spülmaschine und die Lagerung in der berühmten Grabbel-Schublade zusammen mit Pfannenheber, Knoblauchpresse und Spargelschäler. Also: „Messer immer von Hand spülen und einzeln in der Scheide oder am Magnetbrett aufbewahren.“ Aber beim Spülen natürlich aufpassen: Sonst klebt schnell das Pflaster als Zeichen, dass der Schleifer seine Arbeit gut gemacht hat, am Finger.

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