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Klaviertrio Beatson – Ticciati – Arp nimmt Publikum mit auf besondere musikalische Reise

Französische „Dreierkette“ sorgt für Furore

Steinfurt

Frankreich steht bei der laufenden Fußball-Europa-Meisterschaft längst nicht mehr im Fokus. Dafür sorgte aber am Freitag eine ganz besondere französische „Dreierkette“ in der Bagno-Konzertgalerie für Furore.

Waren am Freitagabend in der Konzertgalerie vollauf in ihrem Element: Hugo Ticciati (Violine), Juliana Steinbach (Klavier) und Julian Arp (Violoncello). Foto: mfa

Frankreich steht bei der laufenden Fußball-Europa-Meisterschaft längst nicht mehr im Fokus. Dafür sorgte aber am Freitag eine ganz besondere französische „Dreierkette“ in der Bagno-Konzertgalerie für Furore.

Werke von Gabriel Fauré, Olivier Messiaen und Maurice Ravel lagen auf den Notenpulten von Juliana Steinbach (Klavier), Hugo Ticciati (Violine) und Julian Arp (Violoncello). Zwei Klaviertrios rahmten „Thema und Variationen für Violine und Klavier“ von Olivier Messiaen ein.

Hugo Tacciati und Juliana Steinbach ließen dieses zu-meist zurückhaltend-akademisch interpretierte „Thème“ (1932) mit seinen fünf Variationen zu einem emotionalen und künstlerisch durchdachten Feuerwerk werden. Der starke und volle, aber nie eckige Ton von Hugo Ticciati (Violine) setzte sich bestens gegen die zum Teil deutlichen harmonischen und disharmonischen Einwürfe von Juliana Stein-bach durch, so dass eine nachgerade elektrisierende Atmosphäre entstand. Den Beiden gelang ein expressi-ver Spannungsbogen, der träumerisch-zurückhaltend begann, sich unentwegt ent-faltete und steigerte, um dann wieder fast gänzlich zu versiegen. Auch die Körper-sprache der Interpreten, die ihr Spiel zusätzlich befeuerte, ließ dieses Werk und dessen Darbietung zu einer regelrechten Lehrstunde von Crescendo und Decrescendo werden.

Am Freitagabend stellten sich zudem mit Julian Arp am Cello insgesamt drei ganz verschiedene und exzellente Musiker vor. Sie musizieren eigentlich nicht regelmäßig in Duo- und Trio-Besetzungen zusammen, landeten aber traumwandlerisch sicher sozusagen punktgenau in ihrem im Zusammenspiel im Bagno. Und das ohne ihre je eigenen künstlerischen Ambitionen (neben ihrem jeweils fulminanten Können) zurücknehmen zu müssen.

Auch wenn Gabriel Faurés spät geschriebenes und ein-ziges Klaviertrio d-moll, op. 120 (1923) sich im Kompositionsstil deutlich von seinem früheren spätromantischeren Habitus entfernt hat, fängt den Zuhörer ein wunderbares Cellothema im ersten Satz ein, dem Klavier und ein fast singender Violin-Ton bei der Themenübernahme und Durchführung regelrechte Lichter aufsetzen.

Im Bagno waren die Zuhörer gefordert, weil nicht nur vermeintlich Vertrautes vor ihre Ohren trat. Auch beim abschließenden Trio a-moll (1914) von Maurice Ravel mit seinen ganz ungewöhnlichen Satzbezeichnungen wurde dem aufmerksamen Publikum die Erweiterung von Hörerfahrungen angeboten. Diese musikalische Entdeckungsreise beflügelten die phänomenalen Musiker, die mit Ernsthaftigkeit, Detailreichtum und Interpretationssicherheit und auch durch ihre Bühnenpräsenz Zugänge zu weniger Gehörtem ermöglichten. Ravels viersätziges Trio kommt ver-wirrend-vielseitig daher, ist spannungsgeladen, manch-mal regelrecht verhangen, dann wieder versöhnlich und im besonderen Sinne modern zugleich.

Der überaus heftige Beifall zeigte, wie erfolgreich dieses Unterfangen dieser bemer-kenswerten Musiker mit ihrer Programmauswahl, aber auch mit ihrer umwerfenden Präsentation und Interpretation gelang.

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