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Berlin-Retrospektive brachte Publikum in der Bagno-Konzertgalerie zum Rasen

Geheimnisvoll und doch so nah

Steinfurt

Einen besonderen Leckerbissen erlebten die Zuschauer in der Bagno-Konzertgalerie: „Ein rätselhafter Schimmer“ entführte die Gäste in die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nach Berlin. Dabei wurden viele Showgrößen mit einem Mix aus Chansons und Bilder wieder lebendig.

Von Rainer Nix

Ein über jeden Zweifel erhabenes Tanzduo: Lotta Stein und Markus Münsterteicher. Foto: nix

Es ist ein wilder Ritt durch die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts, trotzdem hat die „Amüsier-Schau“ mit dem geheimnisvollen Namen „Ein rätselhafter Schimmer“ seine poetischen Momente. Sie ist heiter, verwegen und manchmal einen Hauch frivol. Thematisch kreist sie um Berlin, doch es geht auch um allgemeine Entwicklungen der Politik, Technik sowie Kultur Deutschlands. Freitagabend präsentierten Martina Furchert, Vorsitzende des Fördervereins der Stadtbücherei Steinfurt, und ihr Team den Event in der Bagno-Konzertgalerie. Damit bot der Förderverein dem Publikum kurz vor Weihnachten einen extraordinären Leckerbissen. Es galt die höchste Corona-Sicherheitsstufe: 2G-Plus. Furchert dankte der Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, den involvierten Mitarbeitern der Stadt, Steinfurt Marketing und Touristik, dem Bücherei-Team allen weiteren Helfern sowie den Sponsoren, die in der schwierigen Pandemie-Zeit ein solches Highlight ermöglichten.

Comedian Harmonists

Zur Story: Der Künstler Robert Nippoldt, Meister des Bleistiftes, der Kreide und Tusche, trifft das musikalische Trio „Größenwahn“. Es besteht aus der Sängerin Lotta Stein, dem Bassisten Christoph Kopp und dem Pianisten Christian Manchen. Mit flinker Hand erschafft der Zeichner zum Teil live Szenarien aus den legendären Zwanzigern, die musikalisch und gesanglich mitreißend untermalt werden. „Lockende Stimme, flotter Bass, swingendes Klavier“ heißt auf der Show-Homepage. Passt perfekt! Dazu eine gute Portion humoriger Schauspielerei. Der Zeitgeist des Berlin der 20er sind genial eingefangen in diesem quirligem Mix aus Bildern, Gassenhauern und Chansons. Viele Größen des damaligen Showbiz werden lebendig, von der ruhmreichen Sängerin und Schauspielerin Marlene Dietrich über den Revue- und Tonfilmkomponisten, Kabarettisten und Musikdichter Friedrich Hollaender bis hin zu den Comedian Harmonists.

„Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, haucht Sängerin Stein in das Mikrofon. Dem Text dieses Kultsongs ist nebenbei bemerkt der Showtitel „Ein rätselhafter Schimmer“ entlehnt. Die „Harmonists“ zerlegen, als gezeichnete Figuren auf eine großformatige Leinwand gebeamt, mit ihrem Gesang glatt ein Piano. Autsch! Die Entdeckung des Grabes von Tut Anch Amun, der spärlich bekleidet einen schrägen Tanz auf die Bühne legt, führt in Berlin zu einem Boom in Sachen Ägypten.

Josephin Baker

Eine Hommage an Josephin Baker, die einst mit freizügigen Tänzen Furore machte, ist der Auftritt der „Baker-Boys“. Nur mit Baströckchen bekleidet, sich mehr oder weniger elegant auf der Bühne bewegend, amüsierten sie ganz besonders und bekamen Extraapplaus. Aber auch die Schattenseiten der Zwanziger blieben nicht außen vor, Arbeitslosigkeit, Armut und politische Unruhen. Ein Abriss der politischen Situation mit Auflistung sämtlicher Reichspräsidenten der Weimarer Republik bot für drei Minuten Allgemeinbildung.

Berlin

Als Scherenschnitt-Darstellung zeigte Nippoldt die Geschichte der „Seeräuber-Jenny“, die in einer Ballade der „Dreigroschenoper“ beschrieben wird, während Stein den Text dazu sang. Herzzerreißend: Nippoldt und die Sängerin interpretieren Wange an Wange „Armer Gigolo, schöner Gigolo“. Bis zur letzten Minute war die revueartige Show spannend und packend, ein buntes Kaleidoskop mit Gesang, Schauspielerei und grandiosen Schwarzweiß-Zeichnungen. Markus Münsterteicher glänzte als Charleston-Tänzer und Saxofonist.

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