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33-jähriger Steinfurter muss sich wegen schweren Raubes und Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten

Geldleihgabe abgelehnt – Schläge kassiert

Steinfurt/Münster

Am Montag begann beim Landgericht Münster ein Prozess gegen einen 33 Jahre alten Mann aus Steinfurt, der zur Zeit ohne festen Wohnsitz ist und aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn des besonders schweren Raubes und der Körperverletzung an. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

-nh-

Am Montag begann beim Landgericht Münster ein Prozess gegen einen 33 Jahre alten Mann aus Steinfurt, der zur Zeit ohne festen Wohnsitz ist und aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Die Staatsanwaltschaft klagt ihn des besonders schweren Raubes und der Körperverletzung an.

Nach der Anklage soll der Steinfurter am 2. Weihnachtstag des vergangenen Jahres in einer Borghorster Wohnung einem Bekannten mit einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen und gegen die Brust getreten haben. Anschließend soll er zwei Portemonnaies mit insgesamt etwa 3200 Euro sowie das Handy des 54-jährigen Geschädigten gestohlen haben und danach aus der Wohnung geflüchtet sein. Die von einer Nachbarin verständigte Polizei konnte den Flüchtigen jedoch ausfindig machen und ihn festnehmen.

In seiner Einlassung bestätigte der Angeklagte, in der betreffenden Wohnung, die der Mutter seiner damaligen Freundin gehört, gewesen zu sein und mit dem Geschädigten ein Bier getrunken zu haben. Die Beziehung sei ein „beinahe Schwiegervater- Verhältnis“ gewesen, daher waren beide gut miteinander bekannt. Zunächst habe der Angeklagte den 54-Jährigen gebeten, ihm zum wiederholten Male Geld zu leihen, was dieser aber ablehnte. Als dieser scheinbar die Wohnung verlassen wollte, habe er einen Schwächeanfall vorgetäuscht und sei wie wild auf den Geschädigten zugesprungen. Er habe ihm vor die Brust getreten und mit der Faust und einer Bierflasche ins Gesicht geschlagen, wobei er erhebliche Verletzungen erlitten habe, sagte der Geschädigte in seiner Zeugenvernehmung aus.

Die beiden Geldbörsen hätten zuvor auf dem Couchtisch gelegen und weil sie viel Geld enthielten, habe er sie unter den Sofakissen versteckt, wo sie der Angeklagte gefunden und mitgenommen habe. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters erklärte der Geschädigte, dass in den Geldbörsen seine Einnahmen als Taxifahrer enthalten waren, außerdem Erspartes, das er am folgenden Werktag für eine größere Autoreparatur anzahlen wollte.

Wie der Angeklagte beteuerte, habe er dem Geschädigten lediglich einen Faust-schlag versetzt, auf keinen Fall mit der Flasche geschlagen. „Aber ich war im Rausch, hatte vorher schon eine halbe Kiste Bier getrunken und Drogen konsumiert“, gestand der 33-jährige Steinfurter. Die Alkohol- und Drogensucht kam auch bei der Erörterung der persönlichen Lebensverhältnisse zur Sprache. Seit frühester Kindheit und Jugend von den Eltern schwer vernachlässigt, in Heimen und Wohngruppen aufgewachsen, waren keine guten Grundlagen für eine gedeihliche Entwicklung gelegt. Dazu kamen schon mit 14 Jahren Erfahrungen mit Cannabis und Alkohol, später konsumierte er regelmäßig Amphetamine, Ecstasy und sogar Heroin. Aus mehreren gescheiterten Beziehungen seien fünf Kinder hervorgegangen, zu denen der Angeklagte gar keine oder nur sehr gelegentliche Kontakte pflege, wie er aussagte. Im Gerichtssaal bat der Angeklagte das Opfer um Entschuldigung, was der 54-jährige ausdrücklich annahm und zu Protokoll gab.

An einem weiteren Verhandlungstag am morgigen Mittwoch soll das Gutachten des Sachverständigen angehört werden. Auch wird der Geschädigte seinen Psychologen von der ärztlichen Schweigepflicht entbinden, damit dieser einen Einblick in die Behandlung der seit diesem Vorfall aufgetretenen psychischen Probleme gewähren könne, hieß es abschließend.

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