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Anwohner fordern Modernisierung der Kläranlage

Gestank über der Münsterstiege

Borghorst

Die Anlieger der Münsterstiege haben Angst vor dem nächsten großen Regen. Vor zwei Wochen verwandelte sich der Kuhlenbach mal wieder in einen reißenden Strom, gefüttert mit Fäkalien aus dem benachbarten Klärwerk in Dumte. Die Anwohner halten die Anlage mittlerweile für nicht mehr zeitgemäß. Und durch die neuen geplanten Baugebiete werde das Problem immer größer.

Die Anlieger an der Kläranlage gehen auf die Barrikaden. Vor eineinhalb Wochen verwandelte sich der Kuhlenbach wieder in eine stinkende Kloake. Relikt ist das Klopapier an den Sträuchern im Regenrückhaltebecken (kl. Foto). Foto: Axel Roll

Die Klopapier-Fetzen wehen von den Sträuchern als unappetitlich-graue Fähnchen im Wind. Für Peter Hagemann sind sie ein trauriges Zeichen für nicht mehr erträgliche Zustände rund um die Kläranlage Süd in Dumte.

Am vorvergangenen Wochenende sei es wieder so weit gewesen: Die nicht einmal besonders heftigen Regenschauer waren kurz davor, aus den Grundstücken an der Münsterstiege Rieselfelder zu machen. Die Bilder, die der Anwohner mit seinem Handy gemacht hat, wie er sagt, zeigen jedenfalls den Kuhlenbach als reißenden Strom, gefüttert vom benachbarten Regenrückhaltebecken. Für Peter Hagemann ist klar: Die Abwassersituation ist hier unhaltbar. Und er und seine Nachbarn befürchten, dass alles noch schlimmer wird, wenn das neue Baugebiet ans Kanalnetz angeschlossen wird.

Regenrückhaltebecken

Peter und Susanne Hagemann haben zusammen mit ihren Nachbarn immer wieder die Stadt auf die Problematik hingewiesen. „Passiert ist aber nichts.“ Nicht einmal einen Ortstermin habe es gegeben.

Die Anwohner hätten auch selbst Vorschläge gemacht, um das regelmäßige Überlaufen der ungeklärten Brühe zu verhindern. „Die wurden unhöflich und ohne Begründung abgewiesen“, erzählt der Sprecher der Anwohner.

Am Wochenende 20./21. August ist nach den Beobachtungen der Münsterstiege-Anlieger folgendes passiert: Das Abwasser sei aus einem mittlerweile unterdimensionierten Rückhaltetank sofort in den benachbarten Teich geströmt und von dort ungebremst in den Kuhlenbach. Mit der Folge, dass sich ein unerträglicher Gestank über das kleine Baugebiet gelegt hat. „Frösche und Fische gibt es hier schon lange nicht mehr“, sagt Peter Hagemann. Nach der jüngsten Havarie seien im Rückhaltebecken die Fäkalien zurückgeblieben, die jetzt zehn Zentimeter hoch ständen. In einem Schreiben an die Stadt fordern die Betroffenen, dass das Abwasser schnellstmöglich abgepumpt wird. Sie befürchten ökologische und gesundheitliche Schäden.

Die Anwohnerschaft hat immer noch das Hochwasser im Jahr 2010 vor Augen, als das ganze Gebiet „abgesoffen“ ist. Dass die Kläranlage damals nicht umgekippt ist, war ein großes Glück. Der Keller mit den Pumpen war damals jedenfalls in Minutenschnelle vollgelaufen. Die Gärten an der Münsterstiege glichen vor 14 Jahren einer großen Seenplatte.

Bezirksregierung

Wie gesagt, die Nachbarschaft befürchtet, dass sich durch das neue Baugebiet (Bebauungsplan Nr. 61 A „Östlich Münsterstiege“) die Situation noch verschlimmert.

Neun Familien haben deshalb nicht nur an die Stadt, sondern auch die Untere Wasserbehörde des Kreises und die Bezirksregierung in Münster geschrieben. Ihre Forderung: „Die Kapazitäten und die Standards des Klärwerks der zukünftigen Abwasser-, Mischwasser und Regenwasser-Situation anzupassen“.

Die Hagemanns haben Angst, dass durch die ständige Überlastung ein Rückstau entsteht, der wiederum erhebliche Schäden an der Bebauung verursacht. Die Betroffenen verweisen in diesem Zusammenhang auf den Klimawandel: „Die Unwetterereignisse werden in ihrer Häufigkeit und Stärke zunehmen.“

Klimawandel

Was Peter und Susanne Hagemann sowie ihre Mitstreiter an der Münsterstiege besonders ärgert, ist das in ihren Augen mangelnde Interesse der Stadtverwaltung, sich mit der Problematik näher zu befassen. „Eine bürgernahe Verwaltung stellen wir uns anders vor“, heißt es in dem Schreiben, den das Ehepaar nach dem jüngsten Hochwasser vor eineinhalb Wochen an das Rathaus geschickt hat.

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