Photovoltaik: Dumter Landwirt und Unternehmer Martin Merker investiert in 1450 kWp-Anlage auf dem Trappenberg

Grüner Strom auf altem Hausmüll

Borghorst

Der Photovoltaik kommt im Rahmen der Energiewende besondere Bedeutung zu: Martin Merker, Landwirt und Unternehmer aus Borghorst, möchte dazu einen Beitrag leisten. Auf einem 2,5 Hektar großen Areal in der Bauerschaft Dumte plant der 58-Jährige auf einer ehemaligen Hausmülldeponie den Bau einer großen Solar-Freiflächenanlage. Mit einer Leistung von 1450 kWp ist sie in der Lage, 400 Haushalte mit grünem Strom zu versorgen.

Ralph Schippers

Berater Jan-Hendrik Wolke und Investor Martin Merker treiben das Projekt gemeinsam voran. Foto: Schippers

Als Kind hat er in der Nähe immer gerodelt, daran kann sich Martin Merker mit ein wenig Schmunzeln noch gut erinnern. Nun möchte der Dumter Landwirt und Unternehmer auf der abgelegenen, rund 2,5 Hektar großen Fläche in den „Trappenbergen“ zwischen Appelchaussee und Wiedaubach, die er seit 2008 nach einer Hofübernahme auch besitzt, etwas Innovatives realisieren: Eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von 1450 kWp, wobei kWp für Kilowatt „Peak“ steht und die größtmögliche Leistung in der Erzeugung von – in diesem Fall grünem – Strom meint.

„Die Fläche ist ideal für eine derartige Nutzung geeignet“, sagt der 58-jährige Borghorster, der längst nicht mehr nur in der Landwirtschaft tätig ist, sondern als Investor bei Projekten wie zum Beispiel dem Autohof Ibbenbüren oder dem McDonalds-Restaurant in Rheine auftritt. Sie liege so abgelegen, dass sie keinen Nachbarn stört und nehme auch keinen wertvollen Ackerboden in Beschlag. Im Untergrund lagert nämlich Müll: Von Anfang der 1960er bis Mitte der 1970er-Jahre wurde das Areal als Deponie genutzt. Ältere Borghorster wird sie als „Bürgermeisterkippe“ noch ein Begriff sein.

„Irgendwann in den 1980er-Jahren ist die Halde dann von einer rund 80 Zentimeter dicken Schicht Oberboden überzogen und danach landwirtschaftlich genutzt worden“, erinnert sich Merker. Doch die Spuren der Vergangenheit waren damit nicht einfach beseitigt. „Immer wieder kommen Abfallbestandteile wie zum Beispiel alte Fliesen, Betonteile, Ziegel oder auch Folienreste hoch“, weiß Merker. Das erschwere die Bodenbearbeitung. Zudem gebe es ein Problem mit der Wasserableitung: Dränagemaßnahmen blieben erfolglos.

2019 reifte bei dem Unternehmer die Idee, die Fläche anderweitig zu nutzen – für die Erzeugung regenerativen Stroms mittels einer PV-Freiflächenanlage. Er erkundigte sich bei der Stadt nach den baurechtlichen Möglichkeiten, holte sich fachliche Beratung in Person von Jan-Hendrik Wolke vom Hollicher Büro Enwelo „Energiewende lokal“, und informierte sich über die Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts auf der Grundlage des Erneuerbaren Energie-Gesetzes (EEG). 2020 wurde es dann konkreter: Nachdem Kreis und Bezirksregierung das Vorhaben grundsätzlich als realisierbar eingestuft hatten, fasste der Rat im August einstimmig den Beschluss, einen Bebauungsplan aufzustellen und den Flächennutzungsplan abzuändern. Parallel arbeiten Merker und Wolke die erforderlichen Gutachten ab, die für die Genehmigung eines Bauantrages erforderlich sind. Die Kosten übernimmt sämtlich der Investor.

„Ja“, sagt Merker, er nehme viel Geld in die Hand und „ja, es muss sich rechnen“. Indes: Wichtig sei ihm darüber hinaus auch, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Merker: „Die Gelegenheit bietet sich in diesem Fall, also sollte man sie nutzen.“ Der Dumter möchte diesen Faden noch weiterspinnen, trägt sich mit dem Gedanken der Errichtung einer Windkraftanlage. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Zurück zum PV-Vorhaben: Der erzeugte grüne Strom der 1450-kWp-Anlage soll in Gänze ins öffentliche Netz eingespeist werden. Merker kann es sich aber auch vorstellen, den Strom direkt an Energieversorger wie die Stadtwerke oder andere Großabnehmer zu liefern. „Wir müssen sehen, wo bei der Investitionsentscheidung die Wirtschaftlichkeit am größten ist“, sagt auch Jan-Hendrik Wolke. Der Enwelo-Geschäftsführer führt in diesem Zusammenhang einen weiteren Aspekt an: die Ausschreibungspflicht derart großer Solaranlagen bei der Bundesnetzagentur. Sollte der Zuschlag ausbleiben, müsse umgedacht und die Anlage verkleinert werden, was die Verantwortlichen natürlich nicht hoffen.

„Wie gesagt, die Fläche dort oben ist ideal für die Nutzung PV geeignet – und sie sollte in ihrer Gänze genutzt werden“, sagt Merker. „Wir werden nun unsere Hausaufgaben in Ruhe erledigen“, verweist er darauf, keinen Zeitdruck zu haben. Ende 2022, spätestens Anfang 2023 soll auf dem Trappenberg grüner Strom für die Energiewende produziert werden. Nur rodeln, dass wird man zumindest an der Stelle dann nicht mehr können.

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