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Geflügelpest rückt näher: Für Hühner gilt Stallpflicht

Hausarrest und „Homeoffice“

Steinfurt/Horstmar

Für den Kreis Steinfurt hat die Kreisverwaltung eine Stallpflicht für Geflügel angeordnet. Auch die Hühner, die in mobilen Fahrzeugen auf der Wiese leben, dürfen nicht mehr nach draußen. Nun müssen die Besitzer ihren Tieren ein besonders Spaßprogramm liefern, damit dem Federvieh nicht langweilig wird.

Marion Fenner

Im Hühnermobil wird es bei einer Stallpflicht eng. Doch damit kommen die Tiere gut klar, sind die Halter überzeugt.                  Foto: Axel Roll

Hühner, frei auf der Wiese, das ist mittlerweile kein seltener Anblick mehr. Mehrere Landwirte in der Region gewähren ihren Eierproduzentinnen täglich Auslauf an der frischen Luft. Doch derzeit bereitet die Geflügelpest den Landwirten große Sorgen. Im Kreis Steinfurt ist derzeit noch kein Fall dieser für Hühner tödlichen Virusinfektion aufgetreten, die Bedrohung hängt jedoch wie ein Damoklesschwert in der Luft.

Kontaktverbot

Im Kreis Warendorf und der Stadt Münster gibt es erste bestätigte Fälle. Der Kreis Steinfurt hat Ende der vergangenen Woche vorsorglich aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung der Geflügelpest angeordnet, dass sämtliches Federvieh unverzüglich in geschlossenen Ställen untergebracht werden muss, damit es keinen Kontakt zu wildlebenden Vögeln hat.

Hausarrest für freiheitsliebende Hühner? „Ja“, sagt Bernd Wenning, von Wenning‘s Mühlenhof aus Horstmar. „Die Tiere müssen im Stall bleiben werden, zu ihrem eigenen Schutz.“ Sie bleiben im Hühnermobil. Dort werde es auch nicht zu eng, beim Bau der Mobile sei eine eventuelle Aufstallpflicht mit bedacht worden. Das Hühnermobil verfüge über drei Ebenen, auf denen sich die Tiere verteilen können.

Picksteine

„Schön finden die Hühner das nicht, aber sie können sich damit arrangieren“, ist Wenning überzeugt. „Was sollen wir denn sagen, uns hat die Corona-Pandemie auch seit mehr als einem Jahr überwiegend Hausarrest verordnet“, zieht Wenning augenzwinkernd einen Vergleich zur aktuellen Situation.

Den Aufenthalt im Hühnermobil macht Wenning, der den Hof gemeinsam mit seiner Frau Rabea betreibt, den Tieren so angenehm wie möglich. „Sie brauchen Beschäftigungsmöglichkeiten, sonst hacken sie sich gegenseitig“, erklärt Wenning. Er gibt dem Federvieh zusätzliche Picksteine, an denen sie sich ihren Schnabel wetzen können. Dazu bietet er Luzerne, in der nach Körnern gescharrt werden kann, um Langeweile zu vertreiben.

„Kindergärtnerin“

Auch auf dem Biohof Overesch in Hollich genießen die Hennen täglichen Auslauf auf der Wiese. Müssen die Tiere in ihrem Hühnermobil bleiben, wird Monika Overesch nach eigenen Angaben zur „Hühnerkindergärtnerin“. „Ich passe schon auf, dass sie untereinander keinen Blödsinn machen“, erklärt die Landwirtin. Wenn es den Tieren zu eintönig werde, könne es passieren, dass sie sich untereinander picken und rangniedrige Tiere verletzten. Deshalb bietet Monika Overesch Abwechslung. Es gibt auch bei ihr verschiedene Einstreu, die sie scherzhaft „Bastelmaterial“ nennt und ebenfalls Picksteine. Natürlich schaut sie auch den Öfteren nach ihren Tieren im „Homeoffice“. „Optimal ist das für die Hühner nicht, aber ich denke, sie halten das aus“, ist Monika Overesch überzeugt. Die Hühner müssen so lange im Stall bleiben, bis das Kreisveterinäramt die Stallpflicht wieder aufhebt. Jetzt hoffen die Landwirte, dass es im Kreis gar nicht erst zu einem Ausbruch der todbringenden Krankheit kommt.

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