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Gebürtiger Steinfurter Heiko Timmers berichtet aus Australien

Im Land der „flooding rains“

Steinfurt/Canberra

Eine Jahrhundertflut hat den Osten Australiens in den vergangenen Tagen heimgesucht. Es ist die Wahlheimat des gebürtig aus Steinfurt stammenden Heiko Timmers. Der Physik-Professor gibt auf WN-Anfrage seine Eindrücke wieder.

Ralph Schippers

Heiko Timmers zeigt seinen gut gefüllten Regenmesser. Inzwischen hat sich die Situation entspannt. Foto: H. Timmers

Vor gut eineinviertel Jahren waren es noch die Buschbrände, die Heiko Timmers beunruhigten. Just als der Professor für Physik an der Universität in Canberra seinerzeit auf Heimaturlaub in Steinfurt weilte, suchten die Feuersbrünste seine Wahlheimat New South Wales heim. Nun gibt es erneut eine Naturkatastrophe in der Region in Down under, die Timmers allerdings nicht unmittelbar betrifft: Tagelanger Starkregen haben in den vergangenen Tagen im Osten Australiens die schlimmsten Überschwemmungen seit Jahrzehnten und die Evakuierung ganzer Ortschaften ausgelöst. Die Behörden sprechen von einer Situation, die es nur einmal in 100 Jahren gibt. Die Redaktion fragte per Mail an, wie der 56-Jährige die Situation erlebt hat. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „In Canberra haben sich die Regenwolken verzogen, und die Auswirkungen der Wassermengen sind nicht katastrophal, wenngleich mehrere Flussübergänge zeitweise gesperrt waren“, gibt Timmers den aktuellen Stand wieder. Sein Regenrohr zeige, dass in zwei Tagen über 80 Millimeter Niederschlag gefallen ist.

Wesentlich gravierender seien die Folgen des Starkregens im rund 250 Kilometer entfernten Sydney. Westlich der Hauptstadt von New South Wales sei das Flusssystem über die Ufer getreten, das die Großstadt umfließt. Dies habe zu vielen Schäden und Evakuierungen geführt. Dies liege aber auch daran, dass die großstädtische Expansion immer weiter in die Flussniederungen vordringe. An die 30 000 Menschen im Großraum Sydney seien aufgefordert worden, zu ihrer Sicherheit ihre Häuser zu verlassen.

Überflutungen solchen Ausmaßes habe es zuletzt Anfang der 1960er-Jahre gegeben. Allerdings seien die Pegel in der Kolonialzeit, 1867, noch wesentlich höher gewesen, berichtet der Wissenschaftler vom Ergebnis einiger Recherchen. Umgekehrte Vorzeichen herrschten im Landesinneren von New South Wales: Dort freue man sich vielerorts dass nach Jahren der Dürre endlich Regen in nennenswertem Ausmaß gefallen ist.

Vielen Australier fühlten sich angesichts der Wetterextreme an die Lyrik der heimischen Dichterin Dorothea MacKellar erinnert: Sie hatte einst geschrieben: „I love a sunburnt country, a land of sweeping plains, of ragged mountain ranges, of droughts and flooding rains.” („Ich liebe dieses sonnenverbrannte Land, ein Land mit leer gefegten Ebenen, zerklüfteten Gebirgszügen, Dürren und sintflutartigen Regenfällen.“)

Wenngleich das Land auch von Naturextremen heimgesucht werde, in Sachen Corona, so Timmers weiter, herrsche weitgehend Entwarnung. Wegen der scharfen Restriktionen und der konsequenten Schließung der Landesgrenzen treten Infektionsfälle nur ganz vereinzelt auf. Umgekehrte Vorzeichen also wie in Deutschland. Timmers bedauert es sehr, dass er seine Verwandtschaft und seine Freunde in Steinfurt derzeit nicht besuchen kann. Digital aber hält der „Stemmerter Jung“, den es nach dem Abschluss am Arnoldinum und einigen Zwischenstation Anfang der 1990er-Jahre auf den fünften Kontinent zog, die Verbindungen aufrecht.

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