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„Poparazzi“ setzt nicht auf Selbstverwirklichung und ist damit einzigartig

Instagrams große Konkurrenz

Wächst da eine ernsthafte Konkurrenz zu Instagram heran? Mal sehen. Die neue App Poparazzi hat ein anderes Konzept – und steil ansteigende Userzahlen.

Von und

Statt Fotos von sich selber zu machen, setzt die neue Trendapp „Poparazzi“ darauf, andere ins Rampenlicht zu rücken, ganz ohne Filter oder Selbstvermarktung. Die App hält auch schon in Steinfurt Einzug. Foto:

Poparazzi ist der derzeitige Spitzenreiter. In 22 Länder schießt die Foto-Sharing-App bereits einen Tag nach der Veröffentlichung auf Platz eins von Apples AppStore. Doch was macht die App denn so besonders?

Die Macher selbst bezeichnen ihren Topseller als „Anti Selfie Club“. Die Idee hinter Poparazzi sei nämlich, den Idealen, die man aus Instagram und Co. kenne, entgegenzuwirken. Der Druck, nur perfekte Momente mit seinen Usern zu teilen, soll damit wegfallen. Anders, als man es sonst kennt, ist es bei dieser neuen App nicht möglich, Selfies auf dem eigenen Account zu veröffentlichen. Genauso ist die App nicht dazu gedacht, Bilder von sich selber auf dem eigenen Profil zu teilen. Das können nur Andere – eben so wie ein echter Paparazzo. Der Fokus soll hierbei auf der Spontanität liegen. Mit Poparazzi kann man ganz einfach einen Schnappschuss oder auch eine Fotostrecke von seinen Freunden machen, diese anschließend markieren und posten. Es geht also auch darum, Impressionen aus gemeinsamen Momenten zu teilen. „Poparazzi find‘ ich total innovativ, sowas gab es vorher nicht. Außerdem mag ich, dass man mit der Zeit sich selber eine Art Fotoalbum von schönen oder lustigen Momenten mit Freunden zusammenstellt, auf die man immer zurückblicken kann”, erzählt Emily Drude (19).

Wenn der Inhaber mit dem Schnappschuss nicht zufrieden ist, der auf seinem Profil geteilt wurde, kann er diesen ganz einfach wieder löschen. Ebenso kann das Konto auf privat gestellt werden, sodass nur Personen, die einem folgen, Fotos von einem teilen können. „Poparazzi ist für mich eine gute Alternative zu Instagram. Für Instagram muss man häufig ‚mutig‘ sein, um ein Bild zu posten. weil man dort viel mehr Follower hat, obwohl man die meisten davon gar nicht kennt. Poparazzi ist viel anonymer und privater, was es sehr ansprechend macht“, äußert sich auch Sophie Scheiper (18) zu der neuen App.

Auch, wenn die App derzeit noch mit Fehlermeldungen zu kämpfen hat, scheint sie bei den Nutzern sehr für Begeisterung gesorgt zu haben. Im Netz kursieren Bezeichnungen wie „Anti-Instagram-App”. Vergleicht man Nutzerzahlen Instagrams mit denen von Poparazzi, wirkt Instagram mit über einer Milliarde Nutzern im Jahr 2020 wie ein unnahbarer Gigant. Doch nach kaum einer Woche auf dem Markt kann Poparazzi bereits knapp 1,5 Millionen Nutzer zählen, wobei diese Zahl zur Zeit sehr stark wächst.

Jedoch können die zunehmenden Corona-Lockerungen für Poparazzi eine wirkliche Chance bedeuten. Nach einer lange Phase des Lockdowns wird für viele die gemeinsame Zeit mit den Liebsten so wertvoll wie nie zuvor sein. Gut möglich, dass viele diese Euphorie auch auf Poparazzi ausleben. Restaurant-Besuche, Partynächte, alles, wonach wir uns zur Zeit sehnen, kann man hier spontan festhalten. So sammelt sich im Laufe der Zeit jeder der App-User ein Erinnerungsalbum, aber ohne Maske, Filter oder weitere Versuche der perfektionistischen Selbstoptimierung und Verfälschung.

Während sich jeder auf Instagram angeeignet hat, egozentrisch seinen eigenen Account zu „pushen“, sein Leben und sich selber perfekt in Szene zu stellen und durch Filter verfälschte Fotos zu promoten, setzt Poparazzi auf die Spontanität der User. Dadurch, dass man sein eigenes Profil nicht selber ausschmücken kann, liegt der Fokus hier auf den Freunden. Spontane und reale Schnappschüsse entstehen. „Diese spontanen und realen Aufnahmen spiegeln doch viel besser die Momente, die man mit seinen Freunden erlebt, wider. Es sind ganz andere Eindrücke, wenn man die Bilder nicht vorher noch mit Filtern bearbeitet“, sagt Sophie.

Es ist wohl auch das Zwanglose, was die App so beliebt macht: Likes, Follower oder die Anzahl der Kommentare sind völlig belanglos und spielen gar keine Rolle – sie werden nicht einmal angezeigt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Instagram verdrängt wird. Das Netzwerk ist in seinen Beiträgen extrem vielfältig. Die User finden dort ja nicht nur Beiträge von Nutzern selbst, sondern auch viele Informations- und Unterhaltungsangebote“, meint Emily.

Auch wenn um die App zur Zeit ein großer Hype herrscht, gibt es dennoch Kritik. Datenschutz wird hierzulande groß geschrieben. Einfach Bilder von anderen Usern veröffentlichen, könnte zu Schwierigkeiten führen. Zum Anderen stellt sich die Frage, ob man sich wirklich traut, Bilder von seinen Freunden zu veröffentlichen, auf denen sie weniger vorteilhaft getroffen sind. Und wenn das nicht der Fall ist, sind wir dann am Ende doch wieder bei der Verfälschungskultur angelangt?

Wie sich das Rennen zwischen den beiden Apps entwickeln wird, und ob „Poparazzi“ auf Dauer die bessere oder beliebtere App sein wird, wird sich im Laufe der Zeit und mit den wachsenden Nutzerzahlen zeigen.

Luca Hannah Roters & Franziska Böckenhoff

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