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„Steinfurter Gespräche“ mit Necla Kelek

Integration als Chance wahrnehmen

Steinfurt

Islam – Religion und Integration in der westlichen Welt: In den „Steinfurter Gesprächen in der Bagno-Galerie“ positionierte sich die Berliner Autorin Necla Kelek am Donnerstagabend konsequent und deutlich zu brisanten Themen der deutschen Islam- und Flüchtlingspolitik.

Sabine Sitte

Autorin Necla Kelek sprach während des Gesprächs, das sie mit Kulturforum-Direktorin Dr. Barbara Hermann führte, auch brisante Themen an. Das Publikum brachte sich engagiert ein. Foto: Sitte

Als Expertin der muslimischen Kultur hatte sie zwar keine Patentlösung für gelingende Integration im Gepäck, aber klare Vorstellungen auf dem Weg dahin. „Integration bedeutet, sich einer neuen Heimat anzunehmen“ stand als Definition im Raum.

Mehr als zwei Millionen Menschen flüchteten in den vergangenen zwei Jahren in die westliche Welt, davon stammen etwa 90 Prozent aus muslimischen Ländern. Seitdem steht Deutschland vor einer großen Herausforderung. „Wie kann es gelingen, zwei unterschiedliche Lebenswelten zusammenzubringen?“, fragte Beate Kaiser, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Politischen Bildungsforums NRW zu Beginn der Veranstaltung. Deutschland als liberales Land der Würde und Gleichberechtigung jedes Einzelnen, geschlechterunabhängig, kontra dem Islam, eines, so Necla Kelek, „autoritären Gesellschaftssystems ohne Interesse an kultureller Entwicklung und ohne die Möglichkeit individueller Entfaltung“.

Für Necla Kelek sind „Burka und Tschador mobile Gefängnisse“ für Frauen. Auch das Kopftuch lehnt die gebürtige Türkin als „kein Zeichen für die Religionszugehörigkeit“ ab. Verschleierung und das Bedecken des Haupthaares der Frau dienten einzig und allein dem Zweck, sich anderen Männern nicht scheinbar aufreizend darbieten zu können. Die Scharia – das islamische Familienrecht – ordne das Geschlechterverhältnis und deren Wert zu Ungunsten der Frauen: „Die Frau hat einen Platz in der Familie, nicht in der Gesellschaft“, so Kelek. Die Wächterfunktion des Mannes über die Frau sei aber auch für ihn eine erdrückende Aufgabe. Als Grundvoraussetzung für eine gelingende Integration muslimischer Frauen und Männer sieht Kelek das „Erlernen der verlorenen Freiheit und das von Respekt“.

Zweifel äußerte Kelek am „Dilemma der unbedingten positiven Flüchtlingspolitik“ der Regierung. Für Übergriffe, in der Silvesternacht in Köln geschehen, fand Necla Kelek deutliche Worte. Es müsse nach den geltenden Gesetzen bestraft werden, unabhängig von Religion oder Status. „Es darf keinen Kulturbonus für Flüchtlinge geben.“

Für Necla Kelek, die vor 50 Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland kam und hier „ihre Wurzeln und ihre Heimat“ sieht, ist Integration eng mit dem Eintauchen in die Geschichte des Ortes, der Stadt, des Landes verbunden, in der Asylsuchende ein neues Zuhause gefunden haben. „Wer die Geschichte kennt, wird die Kultur verstehen“, sagt sie. Es könne nicht sein, dass der Staat den Migranten selbst überlasse, wie sie hier leben sollten. „Es gibt Gesetze und klare Regeln und das muss man ihnen zeigen, damit sie überhaupt eine Chance haben, sich zu integrieren.“

Eine große Gefahr in der Integrationspolitik liegt für Necla Kelek in der Missionierung und Rekrutierung von Flüchtlingen für den politischen Islam durch salafistische Vereine. „Wir müssen da sehr sensibel sein, sonst verlieren wir sie alle“, warnte sie. Im Forum positionierte sich die Soziologin auch zu Fragen über so genannten Kinder-Ehen, über die Herauslösung gewaltverherrlichender Verse aus dem Koran und über die Eigenverantwortung der Flüchtlinge, sich mit ihren Fähigkeiten in die Gesellschaft einzubringen. „Beide Seiten müssen die Chancen der Integration wahrnehmen, dann entsteht eine Win-Win-Situation. Ansonsten ist große Frustration vorprogrammiert.“

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