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Stadt lädt zum Info-Abend über Nazi-verdächtige Straßennamen

Kant statt Castelle?

Burgsteinfurt

Straßennamen sind geronnene Geschichte. Aber gerade die deutsche Geschichte hat auch düstere Seiten. Soll man aber deshalb Straßennamen ändern, weil sie Dichter und Schriftsteller ehrt, die eine brauen Vergangenheit haben? Oder haben wir drängendere Probleme, als Straßenschilder auszutauschen?

wn

Neuenkirchen hat es vorgemacht: Bauhofmitarbeiter Paul Essing befestigt in St. Arnold ein neues Straßenschild, und fortan heißt die Castellestraße nun Kantstraße. Foto: V

Die einen halten ihr vielleicht engstirniges historisches Votum für das Evangelium, die anderen fragen sich, ob wir nicht andere Probleme haben als Straßenschilder auszutauschen. Wie dem auch sei: Die Debatte um Straßennamen erhitzt auch Burgsteinfurter Gemüter. Seit fast zwei Jahren wird darüber diskutiert, ob die Namen der Heimatdichter Karl Wagenfeld, Friedrich Castelle und Hermann Stehr wegen ihrer Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut zu Unrecht auf Straßenschildern stehen.

In den benachbarten Gemeinden sind im Umgang damit verschiedene Wege beschritten worden. Neuenkirchen hat Straßen umbenannt, Horstmar hat erläuternde Zusatzschilder angebracht. Andere Gemeinden diskutieren noch.

Die Stadt Steinfurt lädt nun zu einem Info-Abend am 4. Juni (Montag) um 19 Uhr ins Kommunikationszentrum der Kreissparkasse ein. Referenten des Abends sind Dr. Karl Ditt und Dr. Steffen Stadthaus. Beide sind von Institut für Regionalgeschichte des LWL und stehen anschließend auch für Fragen und die Diskussion zur Verfügung.

Die Moderation der Veranstaltung wird Dr. Peter Krevert vom Kultur-Forum Steinfurt übernehmen. Derzeit werde noch geprüft, ob am 4. Juni schon alternative Namen für die drei im Blickpunkt stehenden Straßen eingebracht und diskutiert werden sollen, schreibt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung.

Sollte es zu Umbenennungen kommen, wären nach aktuellem Stand 556 Anwohner sowie 23 Gewerbebetriebe in den drei Straßen betroffen.

Zur Informationsveranstaltung sind alle Anwohner der Castellestraße, Karl-Wagenfeld-Straße und Stehr­straße sowie alle interessierten Bürger eingeladen.

► Wer sich vorab informieren möchte, findet die Biografien der genannten Autoren und Informationen zum Thema auf der Homepage der Stadt Münster. Wer kompetent mitreden und nicht nur polemisieren möchte, dem sei diese Lektüre empfohlen: Matthias Frese, „Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik und Erinnerungskultur.“

 

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