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Wie der Start mit einem Stück Stoff im Gesicht bisher läuft

Maskenball Schule

Raus aus den Sommerferien, und rein in die Klassenräume hieß es in ganz Nordrhein-Westfalen am 12. August. Früher Start in das diesjährige Schuljahr, allerdings gibt es auch viel aufzuarbeiten aus den Wochen des Homeschooling. Schließlich bleibt der Präsenzunterricht bis jetzt auch lediglich das grobe Wunschziel. Konkreter oder auch vielerorts unkonkreter wird es dann, wenn es darum geht, wie dieses Ziel erfüllt werden soll. Eine landesweite Antwort: Hygienekonzepte. Und deren Krönung: Die Maskenpflicht. Die Redaktion der Jugendfrei hat bei Schülern aus dem Umkreis mal nachgehakt, wie sie dazu stehen und sich auch allgemein das große Wieso, Weshalb, Warum die Maske gefragt?

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Noch nie war es wohl so einfach, dem Lehrer eine Grimasse zu ziehen. Masken sind im Unterricht erstmal noch Pflicht. Für viele Schüler bereits eine neue Normalität. Foto: Städtisches Gymnasium

Wenn man in den letzten Wochen und Monaten auf die Demonstrationskultur schaute, bestimmte nicht ein Gegenstand so viele Versammelte wie die Maske. Auf Social Media wurde das Schreiben der Initiative „HEBK.Maskenfreiheit“, welches versucht die Masken aus den Räumen zu verbannen, geteilt. Der Kreis von Schülern des Hermann-Emmanuel-Berufkollegs in Burgsteinfurt argumentierte, dass die Gesundheit unter dem Lange-Masken-Tragen beeinträchtigt werden würde und ähnliche Größen von Menschenansammlungen auch bei Restaurants und wieder gestarteten Events auftreten würden.

Doch was denken andere Schüler unterschiedlichen Alters über die Maskenpflicht? Viele von ihnen waren eher weniger überrascht, dass das neue Schuljahr so ungewöhnlich startete wie das alte geendet ist, nämlich mit Mund hinter Maske. Jule Konermann (17), Schülerin am Hermann-Emanuel-Berufskolleg, sagt: „Wir wussten das schon vorher, weil wir eine E-Mail kurz vor Schulbeginn bekommen haben.“ Auch an anderen Schulen ging ein Rundbrief an Eltern und Schüler raus. Manche waren trotzdem erstmal verwundert: „Einerseits war mir bewusst, dass die Corona-Pandemie nicht so schnell vorbei sein wird und somit mehrere Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, jedoch nicht in diesem Ausmaß“, teilt Sarah Reneé Krehahn (15), Schülerin des Gymnasium Arnoldinum, mit. Manchmal bekam man die allgemeine Stimmung aber auch schon auf anderem Wege mit. Luisa Lemke (12), Schülerin am Gymnasium Arnoldinum, hatte schon aus den Medien mitbekommen, dass die Maskenpflicht noch gelten wird. Wie die aber gehandelt wird, ist in Deutschland Ländersache. NRW ist eines der Bundesländer. das am deutlichsten und strengsten mit der Maskenpflicht im Schulgebäude umgeht. Ministerpräsident Laschet sagte gegenüber der Presse, dass man noch „vorsichtig“ sein müsse. An manchen Schulen ist es möglich, die Maske bei genügend Abstand in den Pausen abzusetzen. Gemeinschafts- und Gruppengefühl kommt beim Tragen und Kommunizieren mit den Bedeckungen wohl wirklich nicht auf. Luisa findet es schade, dass „man eben auch nicht den anderen zeigen kann, ob man gerade glücklich oder traurig ist“.

Dass sich an diese Vorgaben gehalten wird, ist für viele selbstverständlich, aber wie werden sie aufgenommen? „Da die Abstandsregel oft nicht eingehalten werden kann, ist die Maskenpflicht sinnvoll und wegen der steigenden Infektionszahlen nötig“, findet Lisa Merker (16), Schülerin am Gymnasium Arnoldinum. Das Verhalten der Mitschüler ist der entscheidende Faktor. „Meiner Meinung nach gibt es drei Gruppen. Die einen, die den Virus als ungefährlich und somit die Maßnahmen als unnötig betrachten. Die anderen, die den Virus sehr ernst nehmen und die Maßnahmen als sinnvoll betrachten und somit einhalten. Und die letzten, die wilde Verschwörungstheorien verbreiten.“, bringt es Sarah Krehahn für sich auf den Punkt. Jule konnte in den ersten Tagen ebenfalls beobachten, dass manche, sobald sie das Schulgelände zur Pause verlassen haben, viel zu nah beieinander stehen: „Viele sehen es da, glaube ich, wie ich. Die Idee ist halt gut, aber bei der Umsetzung hapert es“, bedenkt sie.

Schön wäre es natürlich, wenn die Maske, zumindest im Klassenraum, abgesetzt werden könnte. Max Reidegeld (16), Schüler am Gymnasium Arnoldinum, fände es am besten, „wenn eine Möglichkeit gefunden werden kann, um den Abstand auch während des Unterrichts einzuhalten und somit die Masken dort abzusetzen.“ Es gibt dazu erste Überlegungen von Lehrer- und Schulverbänden. Bis dahin gilt, neben der Maske, folgendes: „Bei uns an der Schule sind Pfeile am Boden, die die Richtung angeben, in die wir laufen dürfen. Es müssen jetzt auch immer die Fenster offen zum Lüften sein“, erzählt Jule. Bevor an Sarahs Schule der Unterricht verlassen wird, müssen Stühle und Tische noch desinfiziert werden. „Bei uns wird es so gehandhabt, dass jede Klasse einen festen Sitzplan und jeder feste Sitznachbarn hat. Wir dürfen uns so nicht durchmischen“, berichtet Gida Yassine (16), Schülerin am Berufskolleg Rheine.

Gerade bei der momentanen Hitze, „kann die Maske zwar ziemlich nervig sein, jedoch gewöhnt man sich dran“, findet Lisa. Manche Lehrer sind dann auch mal kompromissbereit und gehen auf die Schüler ein, wie im Fall von Gidas Klasse: „Nach acht Stunden Unterricht ist es trotzdem wirklich anstrengend. Da finde ich es aber auch total super von den Lehrern, das wir Luft- und Maskenpausen machen können oder sie uns auch mit genug Abstand zwischendurch nach draußen lassen.“

Von der Lehrerseite war der Schul(re)start ebenfalls eine riesige Herausforderung. Romuald Mevert, Schulkonrektor der Realschule am Buchenberg sieht neben den strengen Auflagen und Bedenken aber auch Chancen: „Vor dem ersten Schultag herrschte natürlich große Sorge, vor allem bei den Eltern, dass Unterricht mit Masken zu anstrengend ist. Diese hat sich aber inzwischen gelegt, es wird von den Schülern als eine neue Normalität wahrgenommen. Allerdings müssen wir im Kollegium auch gut hingucken, wie unsere Schüler mit der zusätzlichen Belastung zurechtkommen. Gerade bei uns Lehrern liegt da eine besondere Verantwortung und für die Gestaltung des Unterrichts auch Herausforderung. Beim vielen Sprechen belastet die Maske doch schon sehr und auch Arbeitsformen wie Gruppenarbeit oder Partnerarbeit im Wechsel sind momentan tabu. Viele Arbeitsformen, die Spaß machen, sind gerade leider nicht möglich. Die größte Schwierigkeit hat aber sicher der Sportunterricht zu bewältigen, der zur Zeit nur draußen stattfinden darf. Und auch in Musik müssen vorher alle Instrumente gründlich gereinigt werden. Dennoch sind wir sehr zufrieden, wie das Hygienekonzept bisher funktioniert. An unserer Schule beachten die Schüler die Einlasszeiten, die Maskenpflicht, das System läuft. Ein weiterer Lockdown ist für uns alle eine Horrorvorstellung. Dennoch hat sich gerade im Bereich Digitalisierung durch Corona einiges getan. Die Schulen investieren Zeit, um sich zu digitalisieren und auch das Geld geht in diesen Bereich. Durch Corona wurde dieser Vorgang stark beschleunigt. Immerhin etwas positives, was wir daraus mitnehmen können.“

Imke Rüße

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